Sarrazin ortet "irrationale Politik"

6. Oktober 2015, 22:29
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Auf Einladung des FPÖ-Bildungsinstituts diskutierte der umstrittene Publizist mit Strache über die "Völkerwanderung"

Wien – Große schwarze Stiefelpaare trampeln über die rot-weiß-rote Österreich-Karte. Sie wirken bedrohlich, und unter ihnen bekommt die Grafik Risse. Kleine Brocken brechen ab unter den anonymisierten Menschen, die diese übermächtigen Stiefelpaare tragen.

Das Sujet diente zur Bewerbung einer Veranstaltung des FPÖ-Bildungsinstituts am Dienstagabend: "Die neue Völkerwanderung. Risiken und Gefahren". Parteichef Heinz-Christian Strache und der umstrittene deutsche Expolitiker und Buchautor Thilo Sarrazin sprachen über die "explosionsartige Einwanderungswelle", wie sich Strache korrigiert, nachdem ihm das Wort "Flüchtlinge" über die Lippen gekommen ist.

Stimmungsmache

Doch bevor die Reden beginnen, ertönt ein Tonband mit der Stimme Straches: "Warum werden Sie am 11.10. H.-C. Strache wählen?" Danach sind unterschiedliche Menschen auf der Leinwand zu sehen, die ihre Gründe nennen. Beispielsweise, weil nur er "Wien retten kann". Wovor er es retten können soll, wird in den nächsten zwei Stunden noch deutlich werden. Mit dem Slogan "Mit uns bist du ein Gewinner" appelliert er an das Zugehörigkeitsgefühl der Zuseher. Nach Strecken der sozialen und emotionalen Stimmungsmache spricht Strache auch darüber, dass er sich nicht mehr so leicht von "Gutmenschen" provozieren lasse, denn er sei "älter, reifer und gelassener geworden".

Sarrazin bedient ein traditionelles Begriffspaar, die "Vernunft" gegen das "Gefühl". Denn die Politik der Stunde sei nicht rational genug. Sein erster Satz, als er ans Mikrofon tritt, ist: "Ich bin Sozialdemokrat und bleibe es auch." Zum Abschluss sehen die Zuseher im Saal noch ein Musikvideo. "Unser Österreich. Schwör auf dein Land", ertönt es aus den Lautsprechern.

Krieg als Asylgrund

Für Aufregung sorgte Strache mit seiner Ansage, wonach in der Genfer Flüchtlingskonvention (GFK) nicht festgehalten sei, dass Krieg ein Grund zur Flucht sei. Ein solches Recht auf Asyl – aufgrund von Krieg im eigenen Land – gebe es nicht.

Tatsächlich hat das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR erst kürzlich festgehalten, dass Menschen auch in Kriegs- und Konfliktsituationen gezwungen sein können, "aus begründeter Furcht vor Verfolgung im Sinne der Konvention zu flüchten". (viw, apa 6.10.2015)

  • Risiken und Gefahren: Heinz-Christian Strache und Thilo Sarrazin.
    foto: reuters/bader

    Risiken und Gefahren: Heinz-Christian Strache und Thilo Sarrazin.

  • Für den umstrittenen deutschen Autor und Expolitiker Thilo Sarrazin ist die Politik nicht rational genug.
    foto: apa/neubauer

    Für den umstrittenen deutschen Autor und Expolitiker Thilo Sarrazin ist die Politik nicht rational genug.

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