Sesselrücken in der ÖBB

7. Oktober 2015, 11:13
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In ÖBB-Personen- und Güterverkehr stehen eine Reihe von Vorstandsposten zur Neubesetzung an

Wien – Ehe der neue ÖBB-Busdienst als Konkurrent für Fern-, Flix- und Westbus Fahrt aufnimmt, bahnt sich in den Chefetagen des ÖBB-Konzerns ein Sesselrücken an. Den Anfang machte der Finanzvorstand des Teilkonzerns Rail Cargo Austria (RCA). Georg Kasperkovits hat laut STANDARD-Informationen am Montag seine vorzeitige Demission eingereicht, er habe seinen bis März 2016 laufenden Vorstandsvertrag mit Jahresende gelöst. Das erfuhr der STANDARD im Dunstkreis der Aufsichtsratssitzung der ÖBB-Holding am Dienstag.

Abseits des überraschenden Abgangs sei in der vorangegangenen Sitzung des Personalausschusses am Montag und in der Aufsichtsratssitzung am Dienstag über umfangreiche Rochaden an der Spitze der beiden Absatzgesellschaften ÖBB-Personenverkehr AG und Rail Cargo Austria beraten worden, berichten mit der Materie vertraute Quellen.

Abreifende Mandate

Ausgangspunkt sind in den nächsten Monaten abreifende Vorstandsmandate in Personen- und Güterverkehr, die im Sommer öffentlich ausgeschrieben wurden. An der Spitze der ÖBB-Personenverkehr AG laufen die 2011 begründeten Verträge von Georg Lauber, Birgit Wagner und des 2014 von der ÖBB-Infrastruktur in den Personenverkehr verschobenen Siegfried Stumpf aus. Sie sollen nach derzeitigem Stand der Verhandlungen nicht um eine weitere Periode verlängert werden, wobei Lauber trotzdem bei der Bahn bleiben könnte.

Er wird als Kandidat für den Finanzvorstand der Güterbahn RCA gehandelt, gilt er doch als Vertrauter von ÖBB-Holding-Chef Christian Kern. Er hatte ihn 2011 vom Verbund geholt – wie auch RCA-Chef Eric Regter, dessen Verbleib an der Spitze der RCA allerdings nicht mehr als ausgemachte Sache gilt. Gemunkelt wird über eine neue Funktion für Regter in der österreichischen Staatsbahn.

Personalpaket

Welche das sein könnte, darüber gab es am Dienstag in der ÖBB-Pressestelle ebenso wenig Auskunft wie zu den anstehenden Personalentscheidungen. Personalia seien nicht auf der Agenda der am Dienstag abgehaltenen Holding-Aufsichtsratssitzung gewesen, teilte eine Sprecherin mit. Das ist formal erklärbar, die Aufsichtsratssitzungen der operativen Teilkonzerne finden erst nächste Woche statt. Dann werden die in der Holding beschlossenen großen strategischen Linien umgesetzt. Allenfalls könnten die Personalentscheidungen auch erst in der Dezember-Aufsichtsratssitzung fixiert werden, verlautete nach der Sitzung aus Kapitalvertreterkreisen.

Ein alter Bekannter, dessen Name in der Sitzung ebenfalls als Kandidat für den RCA-Chefsessel gefallen ist: Ferdinand Schmidt (64), bis 2010 Vorstandsdirektor der RCA, danach Geschäftsführer von ÖBB-Produktion und ÖBB-Werkstätten-Tochter Technische Services. Er könnte ein Revival feiern.

Kampf um Fahrgäste

Unterschlupf bei der Bahn gefunden hat übrigens der vormalige SPÖ-Mandatar Hubert Kuzdas. Er war Anfang 2000, als der Postbus noch zur gelben Post ressortierte, Leiter des Postautodienstes und bis Anfang September im Nationalrat. Er soll nun im Strategieteam der ÖBB-Holding tätig werden.

Stichwort Postbus: Der geplante neue ÖBB-Busverkehr, mit dem ÖBB-Konkurrenten wie Blaguss oder Dr. Richard ausgebremst werden sollen, werde höchstwahrscheinlich unter dem Dach des ÖBB-Personenverkehrs angesiedelt, bestätigte eine Sprecherin. Welche Destinationen die künftige Schwester des ÖBB-Postbusses anfahren wird, ist Kennern der Busbranche freilich rätselhaft. Der Fernbus werde jedenfalls dem staatlich finanzierten Schienenpersonenverkehr, also der eigenen Mutter ÖBB-Personenverkehr, Fahrgäste wegnehmen. (Luise Ungerboeck, 7.10.2015)

  • Weichenstellungen stehen in den Vorstandsetagen von Personen- und Güterverkehr der ÖBB an.
    foto: apa/herbert neubauer

    Weichenstellungen stehen in den Vorstandsetagen von Personen- und Güterverkehr der ÖBB an.

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