Neuer VW-Chef verschärft Sparkurs

6. Oktober 2015, 18:23
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Laut Matthias Müller setzt der Abgasskandal Volkswagen massiv unter Druck. Jobs sollen vorerst aber nicht in Gefahr sein

Wolfsburg/Straßburg – Das Interesse an der Informationsveranstaltung war gewaltig. 20.000 Mitarbeiter fanden sich am Dienstag im Werk in Wolfsburg in einer Halle ein, um beim ersten Auftritt ihres neuen Chefs Matthias Müller dabei zu sein. Der hatte natürlich vor allem ein Thema: den VW-Abgasskandal, der das Unternehmen Milliarden kosten wird.

Müller, der Nachfolger von Martin Winterkorn, schwor die Belegschaft auf harte Zeiten ein. "Klar ist: Unser Ergebnis und die bisherige Finanzplanung kommen massiv unter Druck. Die Belastungen werden groß sein. Möglicherweise sehr groß", sagte er.

Investitionen auf dem Prüfstand

Um die Kosten für Schadenersatz und Strafzahlungen stemmen zu können, würden alle geplanten Investitionen noch einmal auf den Prüfstand gestellt. "Was jetzt nicht zwingend nötig ist, wird gestrichen oder geschoben", erklärte Müller. Auch das von Winterkorn initiierte "Effizienzprogramm" werde nachjustiert. VW müsse auf drohende Kosten reagieren, "nicht zuletzt, um unser gutes Rating an den Kapitalmärkten zu sichern", betonte der ehemalige Porsche-Chef und betonte auch: "Das hat höchste Priorität."

Volkswagen werde darum kämpfen, die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten. Man werde "alles tun, um die Beschäftigung im Unternehmen zu halten". Laut Betriebsratschef Bernd Osterloh sind momentan keine Jobs gefährdet. "Derzeit, das ist die gute Nachricht, gibt es noch keine Konsequenzen für Arbeitsplätze", sagte er. Das gelte sowohl für die Stammbelegschaft als auch für Leiharbeiter.

EU-Kommission unter Druck

Die täglichen neuen Enthüllungen zum Vortäuschen von Abgaswerten bringen nun auch die EU-Kommission in Brüssel unter Druck. Bei einer Aussprache im Europäischen Parlament forderte eine große Mehrheit der Abgeordneten die Behörde auf, mit der bisher "liebevollen Zusammenarbeit" mit der Autoindustrie Schluss zu machen und für die strenge Einhaltung der Regeln zu sorgen.

Was hier vorliegt, sei "vorsätzlich geschehen und ein klarer Betrug, nicht zuletzt an den Konsumenten, den Autokäufern", hieß es seitens der SP-Fraktion – und es sei auch ein Schaden an der Umwelt entstanden. Auch wenn Schadenersatzansprüche derzeit nur schwer abschätzbar seien, wäre es ein Gebot der Stunde, dass die Kommission dafür sorgt, dass einheitliche und verlässliche Zulassungsverfahren – gemeinsame Prüfzentren – eingeführt werden.

Die Grünen prangerten an, dass die EU-Ebene zwar für die Regelung auf europäischer Ebene zuständig sei, die "Umsetzung, Kontrollen und eventuelle Sanktionen gegen einen Autohersteller sind jedoch Sache der 28 Nationalstaaten". Damit müsse Schluss gemacht werden. (bau, tom, 7.10.2015)

  • 20.000 Mitarbeiter kamen zur Betriebsversammlung bei VW. Auch Betriebsratschef Bernd Osterloh (auf der Leinwand) sprach zu ihnen.
    foto: apa/epa/roland nipaul

    20.000 Mitarbeiter kamen zur Betriebsversammlung bei VW. Auch Betriebsratschef Bernd Osterloh (auf der Leinwand) sprach zu ihnen.

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