Matt Damon in "The Martian": Der Mars macht ihn erfinderisch

6. Oktober 2015, 17:41
216 Postings

In Ridley Scotts "The Martian" bleibt Matt Damon allein auf dem Mars zurück. Der Film kündet vom neuen Pragmatismus des Genres: Statt auf fremde Welten stoßen wir nur auf eigene Grenzen

Wien – Am Mars gibt es kein Geld zu holen. Das galt zumindest für Hollywood lange Zeit als unwiderlegbare Regel. Von Brian de Palmas Mission to Mars bis zu John Carpenters Ghosts of Mars waren die filmischen Expeditionen auf unseren Nachbarplaneten kommerzielle Bruchlandungen, selbst der Besuch von Marsianer mit Wuchergehirnen in Tim Burtons Mars Attacks! erwies sich als wenig lukrativ. Doch nun scheint eine Trendwende im Gange zu sein: Ridley Scotts The Martian startete vergangenes Wochenende in den USA mit einem Rekordergebnis von 55 Millionen Dollar.

Mit der jüngsten Nasa-Nachricht, dass Wasser auf dem roten Planeten gefunden wurde – wovon Scott schon vorab informiert wurde -, hat dies zwar nicht direkt etwas zu tun. Doch sie passt zum Pragmatismus von The Martian, der den utopischen Kern des Science-Fiction-Genres links liegen lässt. Wie schon Gravity von Alfonso Cuarón steht eine Krisensituation im Zentrum des Films, die gedanklich so weit nicht von den Möglichkeiten der bemannten Raumfahrt entfernt scheint. Statt den Blick auf unendliche Weiten (und ihren Unwägbarkeiten) zu richten, fällt dieser zurück auf Beschränkungen des Menschen – und damit auf ein Überlebensdrama auf unwirtlichem Terrain.

Geschichte von Robinson Crusoe

The Martian wendet diese Maxime, entlang von Andy Weirs Roman, den Drew Goddard (Cloverfield, Cabin in the Woods) zu einem erstaunlich lichten Drehbuch komprimiert hat, so engmaschig wie noch kaum ein anderer Raumfahrerfilm an. Es ist die Geschichte von Robinson Crusoe, die Mark Watney (Matt Damon) hier noch einmal durchlebt. Allerdings mit dem nicht unwesentlichen Unterschied, dass er auf keine irdischen Ressourcen mehr zurückgreifen kann. Watney wird von seiner Crew, die vor einem Sturm die Flucht ergreift, auf dem Mars zurückgelassen. Sein Team hielt ihn für tot. Doch weil er überlebte, muss er nun gleich noch einmal den Tod besiegen. Ohne Kontakt zur Erde und mit dem Wissen, dass Nahrung und Wasserreserven irgendwann zu neige gehen.

Die gute Nachricht: Watney ist Biologe. Ein unerschütterlich optimistischer Vertreter seiner Zunft, der das wenige, das ihm zur Verfügung steht, zu seinem Vorteil zu wenden versteht. Mit Damon, der sich auch im reiferen Alter etwas Bubenhaftes bewahrt hat, wird der erste Teil von The Martian damit zu einer Art Neuauflage der Knoff-Hoff-Show, in der Watney viel Erfindungsreichtum beweist. Wie es ihm beispielsweise gelingt, mithilfe der Exkremente seiner Crew und einer Bewässerungsanlage ein Kartoffelfeld zu bestellen, hat einigen Witz. Scott weiß mit dem Umstand, dass die Herausforderungen am Mars nicht wenige sind, gut umzugehen: Überleben heißt, irdische Begebenheiten zu schaffen – oder zumindest zu simulieren. Die menschliche Interaktion ersetzt ein Videotagebuch.

Unbekannte Probleme

Die Rückbezüglichkeit auf Überlebenspraktiken verändert aber auch den Tonfall des Genres. Faszination für das Unbekannte kennt dieser Film nur im Verhältnis zu Problemen, die es zu lösen gilt. Dafür bedient Scott mit dem Überblick und Schwung eines erfahrenen Regisseurs die Klaviatur des Unterhaltungskinos. Noch der Rationalismus der Rettungsmission, zu der sich die Nasa irgendwann durchringt, ist personenkonzentriert, mit Freude an charakterlichen Schrullen inszeniert. The Martian profitiert von seinem vorzüglichen Ensemble, zu dem Chiwetel Ejiofor, Kristen Wiig und Jeff Daniels gehören.

Gemessen an Alien und Blade Runner ist The Martian Scotts mit Abstand bestgelaunter Science-Fiction-Film. Auch angesichts des Ernsts der Lage geht ihm nie der Humor aus. Watneys Marsausfahrten werden von Disco-Songs von Donna Summer oder Abba beschallt, sein Captain (Jessica Chastain) hat sie dort zurückgelassen. Mehr als all die Kalamitäten, die der Mars für ihn bereithält, beklagt sich der Space-Pirat über diese Musik. Die Sinne dieses Biologen sind immer auf die Erde ausgerichtet, der Mars bleibt unfruchtbar und fremd. (Dominik Kamalzadeh, 6.10.2015)

Ab Freitag im Kino

  • Auf dem Mars gibt es allerlei anstrengende Dinge zu  tun – da sei dem dort Gestrandeten auch einmal eine Verschnaufpause gegönnt: Matt Damon muss sich in Ridley Scotts "The Martian" auf einen längeren Aufenthalt auf einem fremden Planeten einstellen.
    foto: centfox

    Auf dem Mars gibt es allerlei anstrengende Dinge zu tun – da sei dem dort Gestrandeten auch einmal eine Verschnaufpause gegönnt: Matt Damon muss sich in Ridley Scotts "The Martian" auf einen längeren Aufenthalt auf einem fremden Planeten einstellen.

  • kinocheck

    Deutscher Trailer.

  • 20th century fox

    Englischer Trailer.

Share if you care.