Schätzwert 40.000 Euro: Handtaschen unterm Hammer

12. Oktober 2015, 14:19
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Mit Handtaschen verdienen Luxusmodehäuser ihr täglich Brot. Auch Auktionshäuser wie Christie's räumen ihnen einen immer höheren Stellenwert ein

Das Modehaus Liska am Wiener Graben, Treppe rauf ins Obergeschoß. An den Bügeln hängen schwere Pelze, doch die sind heute nur Statisten. Auf zwei Tischen sind Handtaschen, selbstverständlich nicht irgendwelche, zu Stillleben arrangiert: hier eine Birkin, da eine Kelly Bag, daneben eine flaschengrüne Clutch.

Drum herum wirbelt Cyril Pigot-Kessler, Anzug, Krawatte, französischer Akzent, seines Zeichens Handtaschenexperte aus Paris. Selbstverständlich auch nicht irgendeiner. Pigot-Kessler arbeitet für das Auktionshaus Christie's. Eine rauchen muss er zwischendurch trotzdem. Denn er hat einiges zu tun. Er ist hier, um den Wert von Handtaschen zu schätzen, die interessierte Damen aus ihren Sackerln ziehen. Und er ist hier, um Werbung zu machen für die Taschenauktion von Christie's während der Pariser Modewoche.

Ständig wechselnde Handtaschen

Denn ja, Handtaschen kommen seit einiger Zeit auch unter den Hammer. Sie spielen für Auktionshäuser eine immer bedeutendere Rolle. "Um das Jahr 2000 herum begannen die Modefirmen Saison für Saison neue Minitaschen auf den Markt zu bringen", erklärt Pigot-Kessler. Damals begann der Hype um das ständig wechselnde Accessoire für die Frau. Seither hat auch der Markt für Secondhand-Luxusmode expandiert. Online-Händler wie Vestiaire Collective schossen aus dem Boden, das amerikanische Auktionshaus Heritage Auctions launchte vor fünf Jahren sein Accessoire-Business.

Das sei seither, so dessen New Yorker Accessoire-Spezialist Max Brownawell gegenüber "Business of Fashion", mehr als fünfzig Prozent pro Jahr gewachsen. Auch Sotheby's veranstaltete im Sommer seine erste Couture-Versteigerung. Und für Christie's sind Luxushandtaschen "ein schmaler, aber wichtiger Markt", bestätigt der französische Experte.

Warum Taschen sich besser als Sammlerstück eignen als Kleidung? Das sei wohl in erster Linie ihrer Objekthaftigkeit geschuldet, meint Pigot-Kessler. Das Business zieht in jedem Fall an, zumal Auktionshäuser die Echtheit der Modelle garantieren. 1978 versteigerte Christie's in London die erste Chanel-Tasche, und nachdem in den Nullerjahren Handtaschen noch Seite an Seite mit Mode verkauft worden waren, launchte man 2012 dann eine eigene Kategorie für "Handtaschen und Accessoires". Mit Jeremy Langmead optimierte zuletzt bezeichnenderweise ein Modeexperte vom Luxus-Onlineshop Net-a-Porter den Online-Verkauf von Luxushandtaschen von Christie's.

Höchstwerte für Hermès

Ohne Events geht es allerdings nicht. Seit 2014 veranstaltet das Auktionshaus außerdem parallel Live-Auktionen – speziell für Handtaschen. Zwar spielten da Modelle von Louis Vuitton, Chanel, Céline, Fendi durchaus eine Rolle, doch die Höchstwerte, die erzielten unangefochten die Taschen von Hermès, erklärt Cyril Pigot-Kessler, selbst Fan der handgefertigten exklusiven Modelle des Pariser Modehauses. Entscheidend für den Wert einer Handtasche sei schließlich immer deren Qualität. Was das heißt? Die Modelle für die Pariser Auktion sind jedenfalls großteils aus Krokodil- oder Straußenleder gefertigt. Wie Sammler solche Raritäten aufbewahren sollen? Der Experte: "Manche Leute schließen die Taschen im Safe ein, ich rate immer: die Handtasche bloß nicht dem Regen aussetzen. Und: Eine Frau sollte ihre Tasche niemals auf den Boden stellen, wenn sie kein Geld verlieren will."

Abgesehen von Fragen des alltäglichen Handlings scheint das Geschäft aber recht berechenbar. Denn mit einem Modell von Hermès, für das Kunden meist lange Wartezeiten in Kauf nehmen, gehen Sammler, die bei Christie's "von überall her, aus Frankreich, Russland oder dem Nahen Osten, kommen", ökonomisch auf Nummer sicher. Und mit manch rarem Objekt auch mehr als das. In Hongkong erzielte im Sommer das Modell "Birkin 35" aus fuchsiafarbenem Krokodilleder mit Details in 18 Karat Weißgold und Diamanten eine Rekordsumme von 1,72 Millionen Hongkong-Dollar, das sind satte 201.240 Euro.

Türöffner in die Welt der Auktionshäuser

Im Vergleich zu den Versteigerungen von Kunstobjekten mag das ein Klacks sein. Aber den Handtaschen kommt neben dem Geschäftemachen noch eine ganz andere Aufgabe zu. Sie sind ein charmanter und vergleichsweise niederschwelliger Türöffner in die Welt der Auktionshäuser. Und erschließen diesen, wie vor einigen Jahrzehnten die Uhren, neue Klientelen. Denn Kunden, die viel Geld für exklusive Hermès-Taschen ausgeben, warum sollten die nicht auch Appetit auf Weine, Schmuck und Kunst haben? In Wien hat das schon ganz gut geklappt: Zehn Einlieferungen für die Auktion in Paris folgten der Schnupperaktion im Modehaus Liska: alle von Hermès.

Und der Taschenexperte Cyril Pigot-Kessler persönlich? Bevorzugt die kompakte Form kleiner Fünfzigerjahre-Modelle, wie sie Jackie Kennedy oder auch Madame de Gaulle am Arm hatten. Die trage er selber nicht, mais non! Er schaue sie sich nur gerne an. Interessierten Sammlern rate er im Übrigen, Taschen nach persönlichem Geschmack zu kaufen. Wobei, es gebe da diese Kelly Bag, bis ins letzte Detail schwarz. Die zu tragen, das sei, ach, als habe man das schwarze Quadrat von Malewitsch unterm Arm. (Anne Feldkamp, Rondo, 12.10.2015)

foto: christie's
Schätzwert ab 15.000 Euro
  • Handtaschen sind für Christie's "ein schmaler, aber wichtiger Markt", sagt Cyril Pigot-Kessler.
    foto: christie's

    Handtaschen sind für Christie's "ein schmaler, aber wichtiger Markt", sagt Cyril Pigot-Kessler.

  • Schätzwert ab 12.000 Euro
    foto: christie's

    Schätzwert ab 12.000 Euro

  • Schätzwert ab 20.000 Euro.
    foto: christie's

    Schätzwert ab 20.000 Euro.

  • Schätzwert ab 1.000 Euro.
    foto: christie's

    Schätzwert ab 1.000 Euro.

  • Schätzwert ab 4.000 Euro.
    foto: christie's

    Schätzwert ab 4.000 Euro.

  • Schätzwert ab 40.000 Euro.
    foto: christie's

    Schätzwert ab 40.000 Euro.

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