Schulreform: Mannerschnitten statt Gesamtschule

6. Oktober 2015, 15:56
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In der Debatte zur Bildungsreform diskutierten die Abgeordneten über österreichische Süßwaren und den Erhalt des Gymnasiums

Wien – Fünf Tage vor der Wien-Wahl bemühen sich die Grünen, abseits des Flüchtlingsthemas Punkte zu machen. In einer eigens einberufenen Sondersitzung im Parlament stellten die Abgeordneten Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) fünfzig Fragen zur Bildungsreform, die in weniger als sechs Wochen auf dem Tisch liegen soll.

"Wir haben Sie hier ins Parlament gerufen, weil wir in großer Sorge sind", sagte Grünen-Chefin Eva Glawischnig zu Beginn der Sitzung. Sie befürchte, dass am 17. November kein großer Wurf gelinge, sondern ein "kleines Reförmchen". Heinisch-Hosek beantwortete die Fragen ausweichend. Sie könne dem Verhandlungsergebnis nicht vorgreifen und bitte um "ein bisschen Geduld". Das System leiste schon jetzt viel, und sie sei es leid, "dass ich immer wieder höre, wie furchtbar und schrecklich alles ist".

Hohe Kosten für Verländerung

Für die Reform habe sich die Arbeitsgruppe jedenfalls vorgenommen, dass die Schulverwaltung einfacher "vielleicht auch kostengünstiger" und transparenter für die Eltern werde. Größter Streitpunkt war bisher die Frage, ob künftig der Bund für alle Lehrer zuständig sein soll oder die Länder diese Kompetenz haben sollen. Derzeit sind die Länder für die Pflichtschulen zuständig, und der Bund ist für die höheren Schulen zuständig. Man habe bereits berechnet, dass die "Verländerung" zu Mehrkosten führen würde, "nämlich zu ziemliche hohen". Gleichzeitig warnte sie davor, sich an die Vorstellung zu klammern, dass es wichtig sei, "wer den Gehaltszettel unterschreibt".

Ob es den westlichen Bundesländern Vorarlberg und Tirol künftig ermöglich werden soll, die Gesamtschule zu testen, wollte die Bildungsministerin nicht sagen. "Vorarlberg soll ein Modell vorlegen, ich warte darauf, und dann werden wir das beraten." Sie selbst habe jedenfalls wie die Grünen die gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen als Ziel und werde einer Modellregion nicht im Wege stehen.

Von Lehrern trennen

Am konkretesten waren die Antworten Heinisch-Hoseks zur Schulautonomie. Die Öffnungszeiten könnten demnach flexibler gestaltet werden. Man schaue sich in der Arbeitsgruppe auch an, ob Schuldirektoren sich künftig auch von Lehrern trennen können sollen. "Da kann dann der Schulleiter sagen, es passt mit dir nicht, oder er kann ihn zu einer Ausbildung verpflichten." Zudem sollen Fächer leichter miteinander kombiniert werden können.

Die Budgetlücke im Unterrichtsministerium von 340 Millionen Euro bestätigte Heinisch-Hosek indirekt. Sie habe dem Finanzministerium einen Plan vorgelegt und sei zuversichtlich, dass Hans Jörg Schelling (ÖVP) zustimmen werde.

Die Volkspartei ließ sich die Gelegenheit zum Wien-Wahlkampf im Parlament nicht nehmen. Bildungssprecherin Brigitte Jank unterstütze "die ÖVP Wien von ganzem Herzen" in ihrem Vorschlag, sechs zusätzliche Gymnasien in der Hauptstadt zu errichten, sagte sie. Es sei klar, dass die ÖVP auf das Gymnasium nicht verzichten werde. "Manner wird auch nicht die Manner-Schnitten aus dem Sortiment nehmen." Darauf, dass die ÖVP in Tirol und Vorarlberg auf die Gesamtschule drängt, ging Jank nicht ein.

"Bildungssystem im Sinne der DDR"

Neos-Bildungssprecher Matthias Strolz nahm die Mannerschnitten auch gleich mit zum Rednerpult. "'Seit 125 Jahren' steht da drauf", stellte er fest. "So kommt es mir hier herinnen auch mit der Bildungsdebatte vor." Die Trennung der Schüler im Alter von zehn Jahren müsse ein Ende haben.

Dem widersprach Walter Rosenkranz (FPÖ). "Sie wollen ein Bildungssystem im Sinne der DDR", warf er den Grünen vor. Das Augenmerk der Bildungspolitik Heinisch-Hoseks liege zu stark darauf, ob sich Schüle wohlfühlen und nicht darauf, was sie lernen, kritisierte der freiheitliche Bildungssprecher. (Lisa Kogelnik, 6.10.2015)

  • Schüler lauschen der Debatte über das Bildungssystem.
    foto: standard/cremer

    Schüler lauschen der Debatte über das Bildungssystem.

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