Ehefrau von inhaftiertem saudischem Blogger ruft in Wien zu Freilassung auf

6. Oktober 2015, 14:04
213 Postings

Amnesty organisierte mit Ensaf Haidar Kundgebung für Raif Badawi vor saudischer Botschaft – Glawischnig: Müssen politischen Druck aufrechterhalten

Wien/Riad – Ensaf Haidar, die Frau des inhaftierten saudischen Bloggers Raif Badawi, hat Dienstagmittag gemeinsam mit 20 bis 30 Personen vor der saudischen Botschaft in Wien für die Freilassung ihres Mannes demonstriert. Amnesty International Österreich organisierte die Kundgebung. Mit den Parolen "Stop Torture" und "Free Raif" wollten sie ein lautstarkes Zeichen setzen.

Zuvor hatte die 35-Jährige, die auf Einladung der Grünen am Montag ihr Buch "Freiheit für Raif Badawi, die Liebe meines Lebens" im Palais Epstein präsentierte, im APA-Interview angekündigt, den Kampf um die Freilassung ihres Mannes fortzuführen.

"Einsatz der Regierung stark nachgelassen"

Grünen-Chefin Eva Glawischnig versprach Haidar ihre Unterstützung. "Wir werden uns weiterhin für die Freilassung von Raif Badawi einsetzen. Bedauerlich ist, dass der Einsatz der Regierung für ihn stark nachgelassen hat", sagte Glawischnig. Der Auftrag in Österreich sei daher, den politischen Druck aufrechtzuerhalten, um zu verhindern, dass Badawis Schicksal als Gewissensgefangener und Gefolterter in Vergessenheit gerate.

Amnesty-Österreich-Generalsekretär Heinz Patzelt zitierte den Blogger und lobte dessen Mut: "Moslems, Juden, Christen – alle sind gleichwertig. Und es muss möglich sein, an verschiedene Gottheiten zu glauben. Das hat uns Badawi vermittelt, und das ist eine wichtige Botschaft."

Badawi war von einem saudi-arabischen Gericht zu einer Geldstrafe, zehn Jahren Haft und 1.000 Peitschenhieben verurteilt worden. Die ersten 50 hatte er Anfang Jänner erhalten. Eine weitere Auspeitschung wurde bisher "aus medizinischen Gründen" verschoben. Sein Schicksal bleibt ungewiss. Derzeit wartet er auf das Berufungsurteil der saudischen Gerichte. (APA, 6.10.2015)

  • Ensaf Haidar beim Demonstrieren in Wien.
    foto: epa/georg hochmuth

    Ensaf Haidar beim Demonstrieren in Wien.

Share if you care.