Neue Studie: 39.000 Mädchen werden täglich zur Ehe gezwungen

6. Oktober 2015, 12:46
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Alle zwei Sekunden wird ein Mädchen unter 18 verheiratet – gleichzeitig gehen 62 Millionen Mädchen nicht zur Schule

Wien / Bishnupur – In 26 Ländern dieser Welt ist eine Zwangsehe für Mädchen unter 18 Jahren wahrscheinlicher als eine weiterführende Schule zu besuchen. Dies zeigt eine neue Studie, die von der Hilfsorganisation Care veröffentlicht wurde. Die Hilfsorganisation fordert ein Ende der Kinderehe bis 2013. "Dass mehr Mädchen verheiratet werden als den Klassenraum einer weiterführenden Schule von innen zu sehen, ist in vielen Ländern Alltag", sagt Care Österreich Geschäftsführerin Andrea Wagner-Hager in einer Aussendung.

Laut Studie werden jeden Tag 39.000 Mädchen zur Ehe gezwungen – das heißt, dass alle zwei Sekunden eine Kinderehe geschlossen wird. Gleichzeitig gehen 62 Millionen Mädchen nicht zur Schule.

Vor allem die geringe Anzahl der Einschreibungen an weiterführenden Schulen von Mädchen ist laut des Care-Berichts kritisch. "In vielen Ländern besuchen Mädchen mittlerweile die Grundschule – häufig ist das im nationalen Gesetz auch so verankert. Aber sobald Mädchen in die Pubertät kommen, sind sie Risiken wie Zwangsehe, Gewalt, Schwangerschaft und sexuellen Übergriffen ausgesetzt. Auch ihre Schulausbildung endet dann", erklärt Wagner-Hager.

Mädchen abwertende Normen

Der Bericht will einige Lösungsansätze für die Abschaffung der Kinderehe aufzeigen, die sich in Ländern wie Bangladesch, Nepal, Äthiopien oder Malawi bereits bewährt haben. Dazu zählt etwa eine Initiative von Care in Äthiopien, bei dem die Gesundheit von über 5.000 Mädchen verbessert und ihnen eine Ausbildung gewährt werden konnte.

Hauptursachen für Kinderehen sind vor allem soziale, junge Mädchen abwertende Normen, Mädchenhandel, Abhängigkeiten von Mitgift sowie Bürgerkriege wie in Afghanistan oder Mali. Im Niger heiraten 76 Prozent der Mädchen unter 18 Jahren: so viele wie nirgendwo sonst auf der Welt. Nur 10 Prozent sind in einer weiterführenden Schule eingeschrieben. Im Tschad, der Zentralafrikanischen Republik, im Südsudan und in Somalia übersteigt die Zahl der Mädchen, die vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet werden, die Zahl derjenigen, die eine weiterführende Schule besuchen, um jeweils 40 Prozent. (red, 6.10.2015)

  • Vor allem die geringe Anzahl der Einschreibungen an weiterführenden Schulen von Mädchen sei laut des Care kritisch.
    foto: ap/rebecca blackwell

    Vor allem die geringe Anzahl der Einschreibungen an weiterführenden Schulen von Mädchen sei laut des Care kritisch.

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