Koller und Baumgartlinger wollen kein Zünglein sein

5. Oktober 2015, 21:24
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Vorfreude, Duftmarke und Siegeswille vor den EM-Quali-Spielen gegen Liechtenstein und Montenegro

Wien – Julian Baumgartlinger ist als einer der Ersten in Wien im Trainingslager eingetroffen. Das hatte nichts mit Streberei oder vorauseilendem Gehorsam zu tun, der 27-Jährige war bereits am Freitag im Einsatz, Mainz gewann in Darmstadt 3:2 und ist in der deutschen Bundesliga voll im Plan. Das österreichische Fußballteam hat den Plan mehr als übertroffen, die beiden abschließenden EM-Qualifikationsspiele sind frei von Stress, der Gruppensieg steht fest. Baumgartlinger sagt, was Teamchef Marcel Koller gerne hört: "Unser Siegeswille ist ungebrochen. Wir müssen nicht, wir wollen. Die Vorfreude ist riesig."

Sogar die medizinische Abteilung sieht den Auftritten am Freitag (20.45 Uhr) in Podgorica gegen Montenegro und am Montag (18 Uhr) in Wien gegen Liechtenstein relativ entspannt entgegen. Sämtliche Kicker sind fit, kleinere Blessuren werden wegmassiert. Koller betont die Wichtigkeit, es gehe auch darum, am 12. Dezember aus Topf zwei gelost zu werden, um dann bei der EM in Frankreich noch bessere Chancen zu haben. Im Falle von zwei Siegen könnte Österreich in die Top Ten der Weltrangliste vordringen, derzeit ist man Elfter. Koller: "Platz elf ist eine Duftmarke, die die Burschen gesetzt haben. Aber es ist nicht das, worauf wir schauen. Wir wollen jedes Spiel gewinnen, durch Einsatz und unsere Spielweise begeistern." Montenegro besitzt große, im Sinne von großgewachsene, Fußballer. "Da müssen wir den Ball flachhalten, kombinieren. Aber das ist immer unser Ziel. Es gibt keinen Grund nachzulassen."

48.000 Zuseher gegen Liechtenstein

Baumgartlinger debütierte 2009, er hält bei 39 Einsätzen, hat die Schattenseiten, das Scheitern kennengelernt. Um am 8. September 2015 zu jubeln. "Das 4:1 in Schweden war ein euphorisierendes Erlebnis. Die totale Erleichterung." Man konnte in Stockholm zwar nicht ausgiebig feiern, die Pflicht, die Vereine riefen. Der Alltag lässt keinen Rausch zu. "Trotzdem waren die Gefühle intensiv." Zur Belohnung werden am Montag 48.000 Zuschauer ins Happel-Stadion strömen. Trotz Liechtenstein. "Wunderbar, was wir ausgelöst haben. Wir wollen diesen Zustand lange aufrechterhalten."

Montenegro hat geringe Chancen auf Platz drei, der zur Teilnahme am Playoff berechtigt. Baumgartlinger: "Wir möchten nicht das Zünglein an der Waage sein, sondern unseren Weg gehen." Im ÖFB-Kader tummeln sich 20 Legionäre, Baumgartlinger sieht darin den Hauptgrund für die positive Entwicklung. Er erinnert an seiner Zeit bei der Austria, die 2011 endete. "Ich will nicht despektierlich sein, aber dort hattest du deinen Stammplatz. Mainz war eine andere Welt, du musstest in jedem Training überzeugen, dich durchbeißen." Der Beißer ist mittlerweile Kapitän. In der Quali haben übrigens nur Offensivkräfte und David Alaba Tore erzielt, der defensive Mittelfeldmann sieht darin einen Verbesserungsbedarf. "Aber das ist wirklich nur eine Kleinigkeit." Koller: "Es gibt kein Verbot, Tore zu schießen."

Nach Liechtenstein werden erste Gespräche über eine Vertragsverlängerung geführt. ÖFB-Präsident Leo Windtner will lange vor der EM wissen, wer danach Teamchef ist. Koller lässt sich nicht hetzen. "Das Feuer für den Klubfußball ist nicht ganz erloschen." (Christian Hackl, 5.10.2015)

  • Julian Baumgartlinger hat ein Tor in 39 Länderspielen erzielt.
    foto: apa/jäger

    Julian Baumgartlinger hat ein Tor in 39 Länderspielen erzielt.

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