Pinker Stimmenfang im Wiener Keilerviertel

6. Oktober 2015, 05:30
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Auf der Mariahilfer Straße kämpft Neos-Kandidatin Beate Meinl-Reisinger um Stimmen. Nicht alle sind begeistert von ihren Ideen

Wien – An der Ecke zur Neubaugasse ist das Keilerviertel. Wenn auch noch Wahlkampf ist, kommen sich auf der Mariahilfer Straße in Wien schon einmal die Spendensammler für den WWF und Stimmensammler für die Neos in die Quere. Für die Fußgänger gibt es kaum ein Entkommen, nur die ganz schnellen werden nicht angesprochen. "Wir sind viel zu viele", ruft Beate Meinl-Reisinger.

Die Neos-Spitzenkandidatin für die Wien-Wahl nimmt sich trotzdem einen Stapel Flugzettel vom Wahlkampfstand und mischt sich unter das gute Dutzend freiwilliger Wahlhelfer, die hier vor der Wahl am 11. Oktober die Bürger von einer Stimme für die Neos überzeugen wollen.

Kritik an FPÖ-Kritik

Ein älterer Herr in hellblauer Windjacke kommt auf Meinl-Reisinger zu. "Lassts den Strache in Ruh. Er schimpft über euch auch nicht", sagt er zu ihr. "Strache schimpft über andere Menschen", antwortet eine Neos-Aktivistin. "Nein, der hat gesehen, was wir, das Volk, wollen. Die Flüchtlinge sind zu viele." Meinl-Reisinger macht den wütenden Passanten, der FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache verteidigt, auf die Korruptionsskandale der Freiheitlichen aufmerksam. "Das machen die Roten und die Schwarzen auch, und ihr habt bis jetzt nichts Besseres gemacht. Mit der Hetze gegen Strache werdet ihr nur verlieren", sagt er und geht. "Ich fürchte, ihn hätten wir eh nicht als Wähler gehabt", sagt Meinl-Reisinger.

Das erklärte Ziel der Neos in Wien ist es, in den Landtag einzuziehen. Den Pinken in Oberösterreich ist das nicht gelungen, trotzdem ist die Wiener Spitzenkandidatin weiterhin zuversichtlich. "Auch das Ergebnis in Oberösterreich war bei diesen Rahmenbedingungen gut", sagt sie. "Ich habe schon im Juni gesagt, dass es bei dieser Wahl um Strache gehen wird." Die Neos seien die Einzigen, die ein Rezept gegen den FPÖ-Chef hätten, meint Meinl-Reisinger. SPÖ und ÖVP seien versteinert, nur mit den Neos seien Reformen möglich.

Umfragewerte am Flugblatt

Auf den Flugblättern, die sie verteilt, ist eine steigende Kurve mit Umfragewerten der FPÖ abgebildet. Mit den Neos könne man Strache verhindern, wird potenziellen Wählern versprochen.

Auch der nächste Passant, der Meinl-Reisinger anspricht, ärgert sich über sie. "Ihr fordert die Halbierung der Gemeinderäte. Ist das richtig?" Die Spitzenkandidatin bestätigt das. "Die Abgeordneten werden doch nicht selbst für ihre Abschaffung stimmen", sagt er. "Das ist doch unrealistisch. Ich mag keine unrealistischen Forderungen." Die Neos müssten eben stark genug werden, um diese und die Forderung nach der Halbierung der Parteienförderung umsetzen zu können. "50 Prozent, oder was? Träumer!", lautet die Antwort. Auch ihn kann die Spitzenkandidatin nicht überzeugen.

"Wasser nicht privatisieren"

Ein Mann Anfang dreißig mit münzgroßen Earplugs in den Ohren stellt Meinl-Reisinger eine Frage, die Neos-Funktionäre oft zu hören bekommen: "Wie ist das jetzt mit der Wasserprivatisierung?" Die Antwort: "Wir wollen das Wasser nicht privatisieren. Das war eine Geschichte während der Europa-Wahl. Für mich ist das überhaupt kein Thema. Das ist eine Kampagne der Grünen gegen uns." Dann stellt sich heraus, dass der Mann seit zehn Jahren selbstständig ist. Vor allem die hohen Lohnnebenkosten stören ihn. "Mein Angestellter bekommt nicht einmal die Hälfte von dem, was ich bezahle." Meinl-Reisinger nennt ihm die Neos-Vorschläge auf Wiener Ebene: Etwa die U-Bahn-Steuer aussetzen. "Die Masse macht es aber aus", antwortet er.

Trotzdem, für die Wien-Wahl sehe er aktuell nur die Neos als Option für ihn. Also doch eine Stimme für die Pinken an diesem Nachmittag. (Lisa Kogelnik, 6.10.2015)

  • Beate Meinl-Reisinger, Spitzenkandidatin der Neos in Wien, keilt auf der Mariahilfer Straße um Stimmen. Ziel der pinken Partei ist der Einzug in den Wiener Gemeinderat.
    foto: standard/cremer

    Beate Meinl-Reisinger, Spitzenkandidatin der Neos in Wien, keilt auf der Mariahilfer Straße um Stimmen. Ziel der pinken Partei ist der Einzug in den Wiener Gemeinderat.

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