Erich-Fried-Tage: Erzählungen, die wahr sind

5. Oktober 2015, 17:54
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Die Erich-Fried-Tage widmen sich der literarischen Reportage. In das Festival geleiten V. S. Naipaul und Christoph Ransmayr

Wien – Autoren, sagt Mario Vargas Llosa, seien die heimlichen "Sprengmeister der Welt". Schreiben, wie es Llosa versteht, hat mit Auflehnung zu tun, mit sprachlicher Genauigkeit, präzisem Blick und einer Hingabe an jene gebrechliche, aber nicht unveränderbare Einrichtung der Welt. In diesem Sinne sind die Romane des peruanischen Autors, der lange als Journalist arbeitete, immer wohldokumentierte Fiktion.

"Facts and Fiction" lautet der Übertitel der Wiener Erich-Fried-Tage, die sich bis Sonntag im Akademietheater und dem Literaturhaus Wien der literarischen Reportage widmen. Einem Genre, das zwischen Journalismus und Literatur liegt und im besten Fall die Stärken beider Formen vereint.

Literarische Reportagen – Gabriel García Márquez definierte sie als "Erzählungen, die wahr sind" – stellen, indem sie in wenig thematisierte Milieus oder Länder blenden, Zusammenhänge her zwischen vermeintlich disparaten gesellschaftlichen, historischen und ökonomischen Fakten.

Um solche Zusammenhänge und persönliche Zugänge geht es heute in der Auftaktveranstaltung bei einem Gespräch zwischen dem britisch-indischen Nobelpreisträger V. S. Naipaul und Christoph Ransmayr (Akademietheater, 19.30).

Das ist einer der Höhepunkte der Fried-Tage, die sich in den vergangenen Jahren von einer Veranstaltung mit Tagungscharakter zu einem der interessantesten Literaturfestivals weiterentwickelt haben.

Viele der anreisenden Autoren waren noch nie in Österreich. Andere wie etwa Phil Klay, der unter anderem über seine Zeit als US-Soldat in Irak schrieb, lesen zum ersten Mal in Europa (Samstag, 20 Uhr). Nicht verpassen sollte man den nach Deutschland geflüchteten chinesischen Autor Liao Yiwu (Donnerstag, 20 Uhr), dessen Werke in China seit 1987 verboten sind, oder Klays Landsmann William T. Vollmann, dessen Bücher sich um die Themen Gewalt und Ethnie drehen (Freitag, 20 Uhr).

Es ist ein breiter Bogen, den das Festival in Diskussionen, Festvorträgen und Gesprächen (unter anderen mit Fritz Orter, Donnerstag, 18.30 Uhr) aufspannt, denn neben erfahrenen und preisgekrönten Reportageschreibern wie Martin Pollack und Angelika Kuzniak (beide Mittwoch, 18.30 Uhr) werden Filmemacher, Reisezeichner und Graphic-Novel-Künstler ihre Positionen vertreten. Am Sonntag um 11 Uhr wird der Erich-Fried-Preis 2015 an Dorothee Elmiger übergeben. Alle Veranstaltungen außer die Eröffnung am Dienstag im Akademietheater finden im Literaturhaus bei freiem Eintritt statt. (Stefan Gmünder, 6.10.2015)

  • Christoph Ransmayr widmet sich bei den Erich-Fried-Tagen der literarischen Reportage.
    foto: corn

    Christoph Ransmayr widmet sich bei den Erich-Fried-Tagen der literarischen Reportage.

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