Die Toronto Maple Leafs

6. Oktober 2015, 11:11
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Seit 48 Jahren wartet Michael Grabners neuer Arbeitgeber auf den Gewinn des Stanley Cups. Nun sollen erfolgreichere Zeiten anbrechen

Wien – In Kanada sind die Toronto Maple Leafs das verhassteste Team der National Hockey League (NHL). Das brachte eine vom Meinungsforschungsinstitut Insights West durchgeführte Umfrage ans Tageslicht. Gleichzeitig werden die Ahornblätter von einer der größten und treuesten Fangemeinden der Liga unterstützt, Tickets für Toronto-Heimspiele sind eine schwer zu ergatternde Rarität. Für viele Eishockey-Liebhaber scheint es nur zwei Extreme zu geben: Entweder man verabscheut die Maple Leafs, oder man vergöttert sie. "Toronto ist der Klub in Kanada. Ich hatte keinen Lieblingsverein, als ich klein war, aber wenn du in Kanada zehn Kinder fragst, wollen acht für die Maple Leafs spielen", sagt Michael Grabner über seinen neuen Arbeitgeber.

13-mal stemmten die Kanadier den Stanley Cup in die Höhe. Das macht sie nach Montreal zum erfolgreichsten Klub der NHL-Geschichte. Allerdings ist es schon ein Weilchen her, dass Toronto sportlich für Furore sorgte. Der letzte Stanley-Cup-Triumph datiert aus dem Jahr 1967. Nach 2004 hat der laut dem "Forbes"-Magazin wertvollste NHL-Klub nur noch einmal (2013) die Playoffs erreicht. Grabner gibt sich dennoch optimistisch. "Sie wollen die Mannschaft von Anfang an aufbauen, die Fans hatten keine Freude mit dem letzten Jahr", sagt der 28-jährige Villacher zur APA. "Sie haben viel verändert, einen neuen Trainer und einen neuen General Manager geholt."

Eine Franchise im Umbruch

Der neue Trainer heißt Mike Babcock und zählt zu den Besten seiner Zunft. Der 52-jährige Kanadier ist der weltweit einzige Eishockey-Coach, der den Stanley Cup, olympische Goldmedaillen und eine Weltmeisterschaft (jeweils mit Kanada) gewonnen hat. 50 Millionen Dollar wird der langjährige Detroit-Coach in den kommenden acht Jahren verdienen, damit ist er der mit Abstand am besten bezahlte Trainer der Liga. Grabner über die Vorzüge Babcocks: "Das System, wie er spielt, das Eishockey, wie er es denkt, dazu eine gute Kommunikation. Er versucht, von jedem Spieler das meiste herauszuholen, seine Stärken auszunützen und nicht, den Spieler für sein System zu verändern." Babcock hoffe, sagt Grabner, "dass ich wieder so spiele wie vor drei, vier Jahren, mit Selbstvertrauen und viel Tempo. Sein System ist gut für meine Schnelligkeit, das ist ein Vorteil für mich."

Zwei weitere Männer sollen die Maple Leafs aus dem sportlichen Niemandsland hieven: Brendan Shanahan wurde im Frühjahr zum Präsidenten gewählt, Louis "Lou" Lamoriello übernahm das Amt des General Manager. Lamouriello, der vor drei Jahren in die Hall of Fame aufgenommen wurde, hat bereits starke Mannschaften aufgebaut, etwa die New Jersey Devils der 1990er- und frühen 2000er-Jahre. Unter seiner Ägide gewannen sie 1995, 2000 und 2003 den Stanley Cup und standen zwei weitere Male im Finale. Bekannt ist Lamoriello außerdem für seine strikten Regeln: Lange Haare und Bärte sind verboten. Bei Auswärtsspielen herrscht Anzugpflicht.

Grabners Wechsel markierte in Toronto den Schlusspunkt der Transferzeit. Um den Villacher an Bord zu holen, wanderten fünf Spieler nach New York zu den Islanders ab. Außerdem wurden Eishockey-Cracks wie Phil Kessel (Pittsburgh) und Korbinian Holzer (Anaheim) abgegeben. Neu verpflichtet wurden unter anderen Taylor Beck (Nashville), Martin Marincin (Edmonton) und Eric Brewer (Anaheim).

Grabner blickt auf enttäuschende Saison zurück

Für Grabner geht es darum, in Toronto an die starken Leistungen aus seiner Anfangszeit in der besten Eishockey-Liga der Welt anzuknüpfen. Seine Rookie-Saison bei den New York Islanders schloss er mit einer Ausbeute von 34 Toren und 52 Punkten ab. Das brachte ihm eine Nominierung für die Calder Memorial Trophy ein, mit der der beste Liganeuling des Jahres ausgezeichnet wird. In der vergangenen Spielzeit brachte es Grabner auf nur 34 Spiele und acht Tore. Eine Leistenoperation und Adduktorenproblemen warfen ihn zurück. Grabner: "Die letzten zwei Jahren waren wegen vieler Verletzungen nicht so gut. Das Ziel ist, wieder einmal ein ganzes Jahr gesund zu bleiben und der Mannschaft zu helfen. Ich bin froh, dass ich einen neuen Start habe, der Rest wird sich ergeben."

In der kommenden Saison will Grabner auf jeden Fall mehr als 20 Tore schießen. Insgesamt hält er bei 155 Punkten (Tore und Assists) in 317 NHL-Spielen. In der Preseason kamen die Maple Leafs auf drei Siege und fünf Niederlagen. Grabner wartet auf den ersten Treffer für seinen neuen Klub, ihm glückten bisher drei Assists in vier Spielen. Um in die Playoffs einzuziehen, werden sich die Kanadier steigern müssen. Sollte es gelingen, wird Louis Lamoriello vielleicht eine Ausnahme machen und seinen Spielern den traditionellen Playoff-Bart gestatten. Immerhin geht es um den ersten Stanley-Cup-Triumph einer kanadischen Mannschaft seit 22 Jahren. (pro, APA, 6.10.2015)

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