Himalaya: In fünf Jahren über 200 neue Arten entdeckt

6. Oktober 2015, 11:12
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WWF-Experte: "Ich bin begeistert, dass diese Region nicht aufhört, die Welt mit Neuentdeckungen fantastischer Tierarten zu überraschen"

Kathmandu – Ein niesender Affe, ein Fisch, der gehen kann, und ein Frosch mit strahlend blauen Augen: Das sind nur einige der über 200 neu entdeckten Arten, die in dem neuen Report des World Wide Fund For Nature (WWF) vorgestellt werden. Der Bericht "Hidden Himalayas: Asia’s Wonderland" unterstreicht die Bedeutung des Ost-Himalayas als eine der biologisch vielfältigsten Regionen der Welt. Allein zwischen 2009 und 2014 waren 211 neue Arten entdeckt worden, davon 133 Pflanzen, 39 Wirbellose, 26 Fische, zehn Amphibien, und jeweils eine Reptilien-, Vogel- und Säugetierart. Ravi Singh, der Leiter des WWF in Indien: "Ich bin begeistert, dass diese Region nicht aufhört, die Welt mit Neuentdeckungen fantastischer Tierarten zu überraschen."

Skurrile Lebenskünstler

Tatsächlich finden sich unter den Arten, die bei Expeditionen in Bhutan, Nordostindien, Nepal, Nordmyanmar und dem südlichen Tibet entdeckt wurden, einige skurrile Arten und Lebenskünstler. Zum Beispiel der "Dracula-Fisch" Danionella dracula aus dem Norden Myanmars: Der nur 1,6 Zentimeter große Fisch verdankt seinen Namen winzigen vampirartigen Fangzähnen. Ein anderer faszinierender Fisch wurde 2013 in den westbengalischen Sümpfen entdeckt: Der Blaue Schlangenkopffisch Channa andrao. Der kleinste der bisher bekannten Vertreter der Gattung der Schlangenkopffische kann seine Flossen zur Fortbewegung an Land benutzen, Luft atmen und so bis zu vier Tage außerhalb des Wassers überleben.

Die einzige Neuentdeckung unter den Säugetieren sorgte bereits im Jahr 2010 für Aufsehen: Rhinopithecus strykeri, der "niesende Affe", wurde in den Wäldern weit im Norden Myanmars entdeckt. Aufgrund ihrer nach oben gerichteten Nasenöffnungen läuft den Vertretern der Stumpfnasenaffen bei Regen leicht Wasser in die Nase, was sie zum Niesen bringt. Einheimischen Jäger können sie daher auch sehr leicht aufspüren: Die Tiere verbringen Regentage immer im Sitzen, den Kopf sicher eingeklemmt zwischen den Knien. Da die Tiere Jägern leicht zum Opfer fallen, aber auch aufgrund des durch Abholzungen schwindenden Lebensraumes, wurden die niesenden Affen als kritisch gefährdet eingestuft.

Bedrohte Ökosysteme

Wohl mit Bedacht wurde der WWF-Report genau am "World Habitat Day", dem Habitat-Tag der Vereinten Nationen, veröffentlicht: Seit 1986 soll die Welt an diesem Tag an ihre kollektive Verantwortung für den Schutz und die Erhaltung von Lebensräumen für zukünftige Generationen erinnert werden. Daher unterstreicht der Bericht neben den vielen beeindruckenden Tier- und Pflanzenarten auch die immensen Bedrohungen, denen die Ökosysteme am Dach der Welt ausgesetzt sind.

Nur noch etwa ein Viertel der ursprünglichen Lebensräume der Region sind intakt, hunderte Arten werden bereits als gefährdet eingestuft. Die größte Gefahr geht hierbei vom Klimawandel aus, aber auch Bevölkerungswachstum, Waldrodungen, die Ausbreitung von Ackerflächen, nebst vielen weiteren Faktoren, bedrohen die empfindliche Flora und Fauna.

"Die Herausforderung ist das bedrohte Ökosystem zu erhalten, bevor all diese Arten und auch jene, welche wir noch nicht entdeckt haben, verloren sind", sagt Sami Tornikoski, Leiter der WWF "Living Himalayas" Initiative. (APA/rede, 6.10.2015)

  • Nur noch an die 350 Expemplare der "niesenden Affen" Rhinopithecus strykeri leben im Norden Myanmars.
    foto: ho

    Nur noch an die 350 Expemplare der "niesenden Affen" Rhinopithecus strykeri leben im Norden Myanmars.

  • Die vampirartigen Fangzähne verhalfen dem "Dracula-Fisch" Danionella dracula zu seinem Namen.
    foto: natural history museum, london

    Die vampirartigen Fangzähne verhalfen dem "Dracula-Fisch" Danionella dracula zu seinem Namen.

  • Bis zu vier Tage können die blauen Schlangenkopffische Channa andrao an Land überleben.
    foto: henning strack hansen

    Bis zu vier Tage können die blauen Schlangenkopffische Channa andrao an Land überleben.

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