Türkei: Polizei schändet Leiche

5. Oktober 2015, 16:59
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Mutmaßlicher PKK-Kämpfer durch Straße geschleift

Ankara/Wien – Der türkische Regierungschef Ahmet Davutoglu hat die Untersuchung einer Leichenschändung durch Kampfeinheiten der Polizei in der Kurdenstadt Sirnak angekündigt. Polizisten hatten am Samstag die Leiche eines 24-jährigen mutmaßlichen Kämpfers der Untergrundarmee PKK mit einem Seil an ein gepanzertes Fahrzeug gebunden und durch ein Stadtviertel geschleift. Ein Video war über Twitter verbreitet worden und empört seither vor allem die kurdische Minderheit in der Türkei. Davutoglu nannte das Vorgehen der Polizisten inakzeptabel.

Bei der Leiche handelt es sich um den Schwager der Parlamentsabgeordneten Leyla Birlik von der kurdisch orientierten Minderheitenpartei HDP. "Schaut euch genau dieses Bild an. Wir werden es nicht vergessen", twitterte der HDP-Vorsitzende Selahattin Demirtas mit drohendem Unterton.

Immer wieder Gefechte

Haci Lokman Birlik wurde türkischen Medien zufolge bei Gefechten zwischen Sondereinheiten der Polizei und Mitgliedern der PKK-Jugendorganisation getötet. Diese verschanzen sich immer wieder in Städten im Südosten der Türkei, wo nun Ausgangssperren gelten. Eine Delegation internationaler Beobachter, der auch die grüne Nationalratsabgeordnete Berivan Arslan angehört, erhielt am Montag erst nach langen Verhandlungen Zutritt zur Stadt Cizre in der Provinz Sirnak.

Zwei türkische Kampfjets sind unterdessen bei einem Luftzwischenfall an der türkisch-syrischen Grenze von russischen Maschinen mit dem Zielradar erfasst worden, wie die türkische Armee am Montag bekanntgab. Die Zielradarerfassung gilt als feindlicher Akt, sie geht einem Abschuss voraus. Zwei der zehn türkischen F-16-Kampfjets, die am Samstag eine russische Militärmaschine zurückdrängten, seien fünf Minuten und 40 Sekunden lang mit dem Radar verfolgt worden. Der russische Kampfjet sei aufgrund eines Navigationsfehlers kurzzeitig auf türkisches Gebiet geflogen, erklärte die russische Regierung dem türkischen Militärattaché in Moskau. Russland stationierte zwei Dutzend Kampfjets nahe der syrischen Hafenstadt Latakia und begann, Stellungen verschiedener Rebellengruppen zu bombardieren, die gegen das Regime von Bashar al-Assad kämpfen. (mab, 5.10.2015)

  • "Werden Bild nie vergessen": HDP-Chef Selahattin Demirtas.
    foto: reuters/umit bektas

    "Werden Bild nie vergessen": HDP-Chef Selahattin Demirtas.

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