Nach 33 Monaten Gefängnis: Geständnisse eines Filmpiraten

10. Oktober 2015, 09:43
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Philip Danks hatte "Fast & Furious 6" als erster im Netz verbreitet – und zahlte für die Anerkennung in der Szene einen hohen Preis

Wegen Filmpiraterie verbrachte der Brite Philip Danks beinahe drei Jahre im Gefängnis. Sein Vergehen: Er hatte den Actionstreifen "Fast & Furious 6" kurz nach Kinostart online verfügbar gemacht.

Vor kurzem wurde er entlassen und gab Torrentfreak ein Interview, in dem er über sein Vergehen und sein Dasein als Mitglied der Piratenszene spricht. Er warnt potenzielle Nachahmer davor, seinem Beispiel zu folgen.

Wettlauf um ersten Upload

Danks wurde bestraft für das sogenannte "Camming". Darunter versteht man, sich in eine der ersten Vorstellungen neuer Filme zu setzen, diese von der Leinwand abzufilmen und anschließend zur Verbreitung ins Netz zu stellen.

Wer als erster einen neuen Film verfügbar macht, erhält innerhalb der Szene viel Anerkennung. Doch diese sei eine Gefängnisstrafe nicht wert, resümiert er nun. "Lasst die Finger davon und seid glücklich mit eurer Familie", rät er.

Vom flotten Upload neuer Produktionen erhoffte er sich neben dem Ruhm auch tausende neue Besucher für seine einstige Website, Bit Buddy. "Fast & Furious 6" hatte er dazu ausgewählt, weil das Rennspektakel zu dieser Zeit enorm populär war. Zu dieser Zeit hatte seine Seite knapp über 200 Mitglieder und war somit kaum von Bedeutung.

Ausgeklügelter Plan

Zur Aufnahme schritt er in einem Kino nur wenige Kilometer von seinem Wohnort entfernt und wählte die erste Vorführung, für die es noch Tickets gab. Die Entscheidung hatte er spontan getroffen, es war sein erstes Mal als "Cammer".

Achtzig Pfund, rund 108 Euro, investierte er in einen Camcorder, der in Online-Rezensionen besonders für seine lange Akkulaufzeit gelobt worden war. Um möglichst im Dunklen des Kinosaals nicht aufzufallen, überklebte er alle LEDs des Geräts mit Isolierband. Nachdem er im Filmtheater die Leinwand fokussiert hatte, nutzte er einen kleinen schwarzen Sack, um das LCD-Display der Kamera zu verstecken.

Auch auf seine Positionierung gab er genau Acht, spielt diese doch für die Betrachtbarkeit des Endergebnisses eine wichtige Rolle. Um dem Kinopersonal nicht aufzufallen, hatte er Freunde mitgebracht, die seitlich von ihm und hinter ihm saßen und den Sichtkontakt verhindern sollten. Am Ende konnte er die Kamera in seinem Schoß platzieren, gut ausrichten und einigermaßen versteckt halten.

Erfolg...

Angst davor, entdeckt zu werden, verspürte Danks während der folgenden zwei Stunden kaum. Viel zu gespannt war er auf die fertige Aufnahme und ihre Qualität.

Im Saal blieb er unentdeckt, doch für den Fall, dass er durch eine Überwachungskamera aufgeflogen war, versteckte er den Camcorder nach der Vorstellung in seiner Hose und die Speicherkarte in seinen Socken. Für den Fall, dass die Angestellten die Polizei für eine Durchsuchung seiner Kleidung rufen würden, hatte er sich vorgenommen, einfach die Beine in die Hand zu nehmen – denn die Mitarbeiter hätten ihn von Gesetzes wegen nicht festhalten dürfen.

Doch er konnte das Lichtspielhaus ohne Vorkommnisse verlassen. Das Video, das in mehreren ein GB großen Blöcken gespeichert worden war, musste zusammengesetzt, die Ton- und Bildspuren angeglichen und das Ergebnis für den Upload komprimiert werden. Nach sechs Stunden war die Aufnahme im Netz.

...mit Folgen

Bit Buddy wurde zur ersten Seite, die "Fast & Furious 6" im Angebot führte, dazu kurbelte er die Verbreitung auch an, in dem er auch Plattformen wie The Pirate Bay aktivierte. Am folgenden Morgen hatte der Besucheransturm die drei Server bei ihm zu Hause lahm gelegt. Der Plan war aufgegangen, er fühlte sich stolz.

Doch die Federation Against Copyright Theft hatte online genau aufgepasst. Fünf Tage später fand eine umfassend organisierte Hausdurchsuchung bei Danks statt und er wurde verhaftet. "Ins Gefängnis zu kommen ist die ultimative Strafe", sagt er über die Zeit nach der Verhandlung. Der kurzfristige Erfolg, den er erzielt hatte, sei nichts gegen den Verlust von Heim, Arbeit, Auto und Freiheit.

Er ist mittlerweile wieder auf freiem Fuß, jedoch unter Ausgangssperre. Zwischen 19 und sieben Uhr darf er sein Haus nicht verlassen. Seine Freizeit verbringt er mit Programmieren und versucht, sich mit Pokerspielen wieder Kapital aufzubauen. Dazu würde er seine Erlebnisse gerne in Form eines Dokumentarfilmes verewigen. (gpi, 10.10.2015)

  • Danks empfiehlt, der Filmpiraterie fern zu bleiben.
    foto: cc0/public domain

    Danks empfiehlt, der Filmpiraterie fern zu bleiben.

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