Impfung gegen Typ-1-Diabetes bald auch für Kleinkinder

5. Oktober 2015, 11:48
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Die Studie um eine Insulinimpfung bei Kindern aus mit Typ-1-Diabetes vorbelasteten Familien geht in die zweite Runde

Die Impfung gegen Typ-1-Diabetes gibt es demnächst auch für Kleinkinder. Die deutsche Impfstudie "Pre-Point Early" nimmt bundesweit Kinder aus Familien mit einem erstgradigen Verwandten mit Typ-1-Diabetes im Alter zwischen sechs Monaten und zwei Jahren auf.

In der Vorgängerstudie "Pre-Point" konnte mithilfe von Insulinpulver eine positive Immunreaktion bei Kindern zwischen zwei und sieben Jahren ausgelöst werden. In der Nachfolgestudie soll nun getestet werden, ob sich dieser Effekt mit oralem Insulin bei Kleinkindern bestätigen lässt und ob ein Typ-1-Diabetes dauerhaft verhindert werden kann.

Die Studie zur Insulinimpfung kann als vorbildlich für die herausragende Zusammenarbeit von Universitäten und Forschungseinrichtungen gelten: Daran beteiligt sind das Institut für Diabetesforschung, Helmholtz-Zentrum München, das Paul-Langerhans-Institut an der Technischen Universität Dresden, das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD), die Technische Universität München (TUM) und die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU).

Zwölf Monate orales Insulin

Die neue Impfstudie behandelt Kinder im Alter von sechs Monaten bis zwei Jahren, die ein familiäres und genetisches Risiko für Typ-1-Diabetes aufweisen, jedoch noch keinen Autoimmunprozess entwickelt haben. Wie in der Vorgängerstudie schlucken die Teilnehmer zwölf Monate lang täglich Insulin, das sie als Pulver mit der Nahrung aufnehmen. Die Dosis wird von 7,5 Milligramm schrittweise auf 67,5 Milligramm gesteigert. Im Abstand von drei Monaten erfolgen medizinische Untersuchungen, um den Gesundheitszustand zu überwachen. In der Vorgängerstudie erwies sich das orale Insulin in gleicher Dosierung als gut verträglich und sicher. Unterzuckerungen und andere Nebenwirkungen wie Allergien traten nicht auf.

Warum orales Insulin als Impfstoff? Oral verabreicht wird das Insulin über die Mund- und Darmschleimhaut aufgenommen und während des Verdauungsprozesses in kleinere Bestandteile aufgespalten. Daher hat es – anders als das Insulin, das gespritzt wird – keinerlei Einfluss auf den Blutzuckerspiegel.

Immunsystem trainieren

Stattdessen wirkt es wie ein Impfstoff, der das Immunsystem trainieren soll. "Die Autoimmunreaktion, die zum Typ-1-Diabetes im Kindesalter führt, richtet sich oftmals zuerst gegen das Insulin", sagt die Direktorin des Instituts für Diabetesforschung, Anette-Gabriele Ziegler. "Ziel der 'Pre-Point Early'-Studie ist deshalb, eine Immuntoleranz gegenüber dem Insulin aufzubauen und damit den Autoimmunprozess zu verhindern." Das Insulinpulver soll die Entwicklung von schützenden Immunzellen anregen, die die Zerstörung der Insulin produzierenden Betazellen verhindern. (red, 5.10.2015)

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