Symphoniker: Leistungsdemonstration zum Start

5. Oktober 2015, 07:46
1 Posting

Die Wiener Symphoniker zaubern unter Philippe Jordan

Wien – Und auch für die Wiener Symphoniker hat die neue Saison begonnen. Die Zahlen dazu: Das Konzertorchester der Stadt Wien wird hierzustadt knapp 100 Auftritte haben (inklusive der Kammerkonzerte), durch acht Ländern wird getourt und dort 33 Mal aufgespielt. Dabei werden die 126 Orchestermitglieder von 28 Gastdirigenten dirigiert. Der 29. Orchesterleiter ist Chefdirigent Philippe Jordan, der 40-Jährige darf sein Orchester ganze 39 Mal leiten. Und natürlich dirigierte der Musikdirektor der Pariser Oper auch das Eröffnungskonzert der Saison im Musikverein, mit Pierre-Laurent Aimard als Solisten.

Satte Farben und Bilder

Beethoven und Bartók – so lautet ja ein Schwerpunkt der aktuellen Wiener-Symphoniker-Saison. Mit dem französischen Pianisten werden alle fünf Klavierkonzerte des Wiener Klassikers musiziert, drumherum werden wichtige Orchesterwerke des ungarischen Komponisten präsentiert. Den Auftakt machte Beethovens C-Dur Klavierkonzert, welches von Bartóks frühen, grenzimpressionistischen Deux Images op. 10 und seinem späten, famosen Konzert für Orchester umrahmt wurde.

In satten Farben wurde das erste der Klangbilder gemalt, En plein fleur, kernig wurde die Danse villagoise getanzt. Das komplette Kontrastprogramm dazu boten die ersten Takte der Orchestereinleitung von Beethovens Klavierkonzert Nr.1: Zuckersüß, fräuleinhaft, wie im zartrosa Tütü tänzelten sie daher. Umso kraftstrotzender fiel dann die Tutti-Variante des ersten Themas aus. Philippe Jordan, ein Mann, der ganz ohne Zweifel die Gegensätze liebt.

Maßvoller Ausgleich

Aimard fühlte sich in seinem Solopart mehr dem maßvollen Ausgleich verpflichtet: Der Wunderwuzzi des zeitgenössischen Klavierrepertoires wandelte seine sichtlich in ihm kochenden vulkanischen Emotionen auf einem weich intonierten Steinway meist in ein wohltemperiertes Bächlein um, das munter durch akkurat gepflegte Gefühlslandschaften floss. Niedlich. Zuviel des Respekts vor dem Klassiker? Da hatte Martha Argerich an selber Stelle vor zwei Wochen bei Beethovens B-Dur Konzert deutlich weitere Panaromen der Emotion aufgemacht.

Bartóks Konzert für Orchester ist ein Werk, bei dem alle Sektionen des Orchesterapparats endlich einmal in die Auslage treten und ihre Leistungsfähigkeit demonstrieren dürfen. Nach der so fulminanten wie souveränen Interpretation des Orchesters und ihres vor Energie beinahe berstenden Chefs kann man nur sagen: Läuft alles ganz hervorragend bei den Wiener Symphonikern. Die Saison kann beginnen. (Stefan Ender, 5.10.2015)

Share if you care.