Perfides Interview: Rezas "Ihre Version des Spiels"

5. Oktober 2015, 07:33
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Yasmina Rezas Drama auf Volkstheater-Tour

Wien – Aus scheinbaren Nichtigkeiten, mückenhaft kleinen Vorfällen wahre Komödienelefanten wachsen zu lassen – das ist das Spezialgebiet von Yasmina Reza. Im Stück Kunst (1994) beispielsweise bekriegen sich drei Männer wegen unterschiedlicher Betrachtungsweisen eines Gemäldes. In Drei Mal Leben erschüttert ein um einen Tag zu früh absolvierter Besuch die Befindlichkeiten zweier bürgerlicher Eheleute. Und ein läppischer Streit ihrer Schulkinder bringt in Der Gott des Gemetzels zwei Elternpaare neurosenschwer auf Konfrontationskurs.

Diese meisterhaft um eine magisch leere Mitte hin arrangierten, zunächst lachhaft dünkenden Drangsalierungen der gehobenen Mittelschicht stecken voller Abgründe. Das gute Benehmen bröckelt, das Antlitz des Bösen, der Gleichgültigkeit, der Überlegenheit kommt zum Vorschein. Davon handelt auch das 2012 uraufgeführte Drama Ihre Version des Spiels. Darin interviewt eine Kulturjournalistin und Möchtegernmuse (Birgit Stöger) bei der Leseveranstaltung eines Büchereileiters und Hobbylyrikers (Dominik Warta) eine Bestsellerautorin (Anja Herden). Sie folgt dabei allen Unarten des perfiden Medien- und Literaturbetriebs.

In der österreichischen Erstaufführung, der Volkstheater-Inszenierung von Sebastian Kreyer für das Bezirke-Tourprogramm (Premiere war im Volx/Margareten), bleibt diese Insiderkomödie Rezas jedoch seltsam fahl. Das zentrale Podiumsgespräch des Stücks, in dem die peinlich unsachliche Journalistin in prächtigen Marlene-Dietrich-Hosen vor allem dem Privatleben des Stargastes auf den Fersen ist, leidet an der Schlagseite hin zur Provinzposse. Zu sehr tendieren die Schauspieler in Richtung Karikatur, ganz der Opposition "gute Schriftstellerin – blöde Veranstalter" folgend.

Umzingelt von mintgrünen Spannleinwänden (Bühne und Kostüme: Prisca Baumann), von irren Musikjingles begleitet, wirkt von Anfang an alles zu lächerlich, jeder (vorgesehene) Versprecher eine knallige Pointe. Lustiger sein zu wollen als der Text, ihn auf performativ-komödiantischem Weg zu überholen war kein wirksamer Zugriff. Indes ging auch die Idee nicht auf, ausgerechnet den Schluss, die Eskalation mit üblen Backstagemomenten (samt hervorragender Bürgermeisterrede Günther Wiederschwingers), auszubremsen. (Margarete Affenzeller, 5.10.2015)

Derzeit auf Bezirke-Tour

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