Eva Janko: Geschichte einer zupackenden Werferin

Porträt6. Oktober 2015, 09:49
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Eva Janko, 1968 in Mexiko Olympiadritte mit dem Speer, hat als Aktive zwei große Karrieren gemacht. Österreichs Sport dient sie noch mit 70 Jahren voll Leidenschaft als Funktionärin

Maria Enzersdorf – Die Generalsekretärin strahlt liebenswürdige Strenge aus – Betonung auf liebenswürdig. Ihr Büro unweit des Leistungszentrums Südstadt am Liese-Prokop-Platz 1 verrät in seiner leichten Unaufgeräumtheit Beschäftigung, manches Telefonat enden wollende Geduld der Chefin. Draußen vor der Tür trainieren die nationalen Tennishoffnungen, der Lautstärke ihres Stöhnens nach schon auf bestem Weg zur Weltklasse. Drinnen gräbt Eva Janko in Kartons und stellte für den Besuch eine Kollektion der Zeitschrift Sportphysiotherapie zusammen. Die ist das Organ der Vereinigung Österreichischer Sportmasseure und Sporttherapeuten (VÖSM) sowie der Österreichischen Gesellschaft für Sportphysiotherapie (ÖGS).

Flenners Initiative

Eva Janko ist für den Inhalt verantwortlich und der VÖSM schon seit bald 40 Jahren verbunden. Gegründet wurde die Vereinigung 1976 während der Olympischen Spiele in Montreal von einer Gruppe um den legendären Masseur Pepi Flenner, der nicht nur Österreichs olympische Muskeln, sondern jahrelang auch jene der Edelfersler des Fußballteams pflegte. "Es ging darum, auf diesem Gebiet professionelle Strukturen zu schaffen" , sagt Janko.

Für die Leichtathletin Eva Janko kam das beinahe zu spät, denn 1976 warf die Mutter einer Tochter namens Claudia zum dritten und letzten Mal olympisch den Speer, wurde noch einmal Neunte. Ihre Karriere hatte 1960 im Bundesgymnasium St. Pölten begonnen, wo die 15-jährige Eva, 1,80 Meter hoch, von einem wesentlich kleineren, sehr ehrgeizigen Trainer namens Gunnar Prokop als Hochsprungtalent entdeckt und zur SV Union St. Pölten gelotst worden war. Eva hieß da noch Egger, war in Floing, Steiermark, geboren. Die Mutter war Polin, der österreichische Vater Ingenieur beim Autobahnbau. Die Familie folgte dem Baufortschritt, lebte aber auf dem Land, der besseren Versorgungslage wegen: "Wir Kinder", sagt Eva, das zweite von vier, "waren abgehärtet." Auch vom stets langen Schulweg.

Mit der Bim in den Prater

Die Härte half später, Prokops Regime zu erdulden. Der wechselte mit seinen Athletinnen – neben Eva noch Liese, seine spätere Frau, und Maria Sykora – des Geldes wegen zum Verein des in Vösendorf ansässigen Energieversorgers Newag-Niogas, zu dem bald auch die Hochspringerin Ilona Gusenbauer stieß. Trainiert wurde im Keller der Newag-Niogas oder auf der Trasse der entstehenden Autobahn, wo Eggers Speer fliegen durfte. Zum Techniktraining reiste die Athletin mit der Straßenbahn zur Spenadlwiese in den Prater. Ihren Metallspeer gab sie nie aus der Hand, "der hat schließlich 3000 Schilling gekostet". Die Basis blieb nahe dem Gelände des heutigen Leistungszentrums, das die Ex-Speerwerferin Herma Bauma aufbaute, die Österreichs bis heute einziges Olympiagold in der Leichtathletik geholt hatte – 1948 in London.

Eva Egger, deren Vater ein guter Fußballer und dessen Bruder der erste Sieben-Meter-Weitspringer des Landes gewesen war, folgte Bauma nach und wurde 1967 mit 53,33 Meter erstmals Meisterin und statt Erika Strasser nationale Rekordlerin im Speerwurf. Im Jahr darauf verbesserte sie ihre Marke auf 58,20 Meter und reiste als Jahresweltbeste zu den Olympischen Spielen nach Mexiko City. Für die Favoritin reichte es zu Bronze. Dass das eine Enttäuschung gewesen sei, bestreitet sie: "Wie kann man bei einer Medaille von einer Enttäuschung sprechen?"

Versuchskaninchen, aber kein Hasenfuß

Liese, inzwischen Ehefrau von Trainer Prokop, ging quasi den umgekehrten Weg, hatte nur mit Ach und Krach die Qualifikation für den Fünfkampf geschafft, dann aber eine verblüffende Silbermedaille geholt. Im Jahr davor hatte die spätere Innenministerin bei der Universiade in Tokio triumphiert, "die beiden", sagt Eva Janko über Liese und Gunnar Prokop, "waren viel unterwegs". Der Trainer brachte von seinen Reisen neue Ideen mit, "etwa das Krafttraining. So etwas hat es bei uns davor gar nicht gegeben." Auf die Idee, dass im Sport "je mehr, desto besser" nicht der Weisheit letzter Schluss sein könnte, wurde nicht mitgebracht. Eva, inzwischen mit dem Hochspringer Herbert Janko verheiratet, erlitt 1971 einen Achillessehnenriss, "wegen Überlastung. Wir waren ja Versuchskaninchen, was Trainingslehre und -methode betraf."

Aber die Speerwerferin war kein Hasenfuß, sondern schon drei Monate nach der Verletzung wieder Meisterin. Sie verbesserte ihren Rekord auf 60,48 und dominierte auch den Fünfkampf – vor Liese Prokop. Bei Olympia in München, wo sie mit Befremden die extreme körperliche Veränderung ihrer ostdeutschen Kollegin Ruth Fuchs registrierte, reichte es zu Rang sechs. Fuchs holte wie auch vier Jahre später Gold.

61,80 Meter

Am 27. Juli warf Eva Janko in Innsbruck den Speer auf 61,80 Meter. "Diesen Rekord nimmt mir keine weg." Denn als sich der internationale Leichtathletikverband vor die Wahl gestellt sah, entweder die Weiten durch Veränderung des Speers zu reduzieren oder größere Stadien zu suchen, entschied er sich dafür, die Griffwickelung und damit den Schwerpunkt des Speers Richtung Spitze zu verlegen. Den österreichischen Rekord seit der Reglementänderung bei den Frauen (1999) hält Elisabeth Pauer mit 61,43.

Eva Janko war bis 1983 stets Österreichs Meisterin des Speeres – nur nicht 1979, als ihr erster Sohn Jan zur Welt kam. Sie war da bereits mit ihrer zweiten Sportkarriere beschäftigt. 1977 stand sie im Gründungsteam des Handballvereins Hypo Südstadt. 1978 gelang der erste Meistertitel, dem bis dato weitere 38 (en suite) folgen sollten. Bis 1983 sorgte Eva Janko für Tore, dann stellte Gunnar Prokop auf Profitum um und begann, Legionärinnen zu holen. "Das war dann nicht mehr meines."

Des Sohnes Fußballtalent

Es gab aber noch einen Grund, den Ball aus der Hand zu legen – er heißt Marc, ist mit dem Fußballtalent des Großvaters gesegnet und wurde von der Mutter gefördert, indem sie in die Nachwuchsarbeit von Admira Wacker, wo Marc Janko Torjäger lernte, Koordinationstraining und Laufschulung implementierte. Gleichzeitig tankte der niederösterreichische Tennisnachwuchs bei Eva Janko Kondition, namentlich etwa Jürgen Melzer.

Fit hält sich die 70-Jährige, die seit 1997 das Goldene Verdienstzeichen der Republik trägt, mit einem Programm, das Heini Bergmüller ausgearbeitet hat – kontrolliertes Training, "denn ich muss mein Herz steuern, nicht das Herz mich".

Eva Janko ist in blendender Verfassung, so blendend, dass sie kürzlich zwei Männer in die Flucht schlagen konnte, die ihr die Handtasche entreißen wollten – in diesem Fall lag die Betonung mit Sicherheit nicht auf liebenswürdig, sondern auf Strenge. (Sigi Lützow, 5.10.2015)

  • Eva Janko war nicht nur eine geborene Egger, sondern quasi auch eine geborene Speerwerferin.
    foto: lichtbildstelle newag-niogas / inzinger

    Eva Janko war nicht nur eine geborene Egger, sondern quasi auch eine geborene Speerwerferin.

  • Generalsekretärin Eva Janko im Büro, das für ihr Training wirklich ideal gelegen ist.
    foto: lützow

    Generalsekretärin Eva Janko im Büro, das für ihr Training wirklich ideal gelegen ist.

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