VP-Frauenchefin gegen Einschränkung bei Elternteilzeit

4. Oktober 2015, 13:45
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Schittenhelm ist gegen vorzeitige Angleichung beim Frauenpensionsantrittsalter

Wien – Mehr Sach- statt Geldleistungen, das wünscht sich ÖVP-Frauenchefin Dorothea Schittenhelm bei der Familienförderung und verwies etwa auf kostengünstige bis -freie Kinderbetreuung. Davon würden alle profitieren, zeigte sie sich im Gespräch mit der APA überzeugt. Betreffend Frauenpensionen wehrt sie sich weiter gegen eine frühere Angleichung beim Antrittsalter.

Die Familienförderungen seien "noch nie so hoch wie jetzt" gewesen, meinte Schittenhelm und forderte: "Man muss mehr zu Sachleistungen gehen." Derzeit stehe oft der Vorwurf im Raum, "was machen sie mit dem Geld eigentlich. Das fällt dann weg". Der Anteil von Sach- und Geldleistungen sollte ausgeglichen sein, schlug sie vor: "Man muss überlegen, ob man ihnen nicht mit Sachleistungen mehr hilft." Schittenhelm verwies auch auf die jüngste Steuerreform, die Familien durch die Aufstockung des Kinderfreibetrags 100 Mio. Euro Entlastung bringe. Grundsätzlich will sie auch die Mindestsicherung überdenken, denn diese dürfe nicht lukrativer als Erwerbsarbeit sein.

Schwierigkeiten für kleine Firmen

Die von Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) angekündigten Neuerungen beim Kinderbetreuungsgeld und das damit verbundene Ziel von mehr Väterbeteiligung begrüßt Schittenhelm grundsätzlich. Sie gibt aber zu bedenken, dass es kleinen Firmen im ländlichen Raum oft nicht möglich ist, Arbeitskräfte für einen längeren (Karenz-)Zeitraum zu entbehren.

Die im Regierungsprogramm niedergeschriebene und jüngst wieder diskutierte Verkürzung der Elternteilzeit lehnt Schittenhelm strikt ab: "Ich sage Nein, denn es gibt keine flächendeckenden Kinderbetreuungseinrichtungen." Derartige Überlegungen kann sie nicht nachvollziehen: "Es kann nicht sein, dass wir gerade im familiären Bereich Schlechterstellungen überlegen. Das ist für mich der total falsche Ansatz."

Ausweitung des Mutterschutzes

Gefordert wird von den ÖVP-Frauen hingegen eine Anrechnung der Elternkarenz als Vordienstzeiten sowie die Ausweitung des Mutterschutzes auch bei Fehlgeburten. Kommen sollte auch eine anonyme Statistik über Schwangerschaftsabbrüche.

Was die frühere Angleichung des Pensionsantrittsalters der Frauen an jenes der Männer betrifft, räumt Schittenhelm kontroverse Diskussionen innerhalb der Partei ein: "Die Wirtschaft will das." Die Frauenchefin ist aber strikt dagegen: "Ich bezweifle, dass die Anhebung des Antrittsalters das Pensionssystem entlastet." Sie schlägt umgekehrt vor, zunächst das faktische Antrittsalter bei den Männern zu steigern. Beim Thema Pensionen pocht sie außerdem auf die Anrechnung der Kindererziehungszeiten, und zwar von vier Jahren pro Kind, sowie die Aufhebung der Zuverdienstgrenze. "Das gesamte Pensionssystem muss man völlig neu aufstellen", fordert Schittenhelm.

Die ÖVP-Frauen haben heuer Anlass zum Feiern: Am 6. November begehen sie ihr 70-jähriges Bestehen im Beisein der Parteispitze mit einer Buchpräsentation und einem Festgottesdienst in der Michaelerkirche in Wien. Das Motto des Festakts lautet "Das Wichtige erkennen, das Richtige tun". (APA, 4.10.2015)

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