Guardiola gegen Tuchel: Salz- und Pfeffer-Duell

4. Oktober 2015, 12:46
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Pep Guardiola und Thomas Tuchel stehen für eine annähernd gleiche Fußball-Philosophie. Bayern gegen Dortmund ist auch ein Duell der Taktik-Freaks

Dortmund/München – In München ist die Geschichte längst eine Legende. In seinem Sabbatjahr, so wird berichtet, habe sich Thomas Tuchel mit seinem großem Vorbild Pep Guardiola getroffen, zu einem Kennenlern-Gespräch über das Leben und natürlich den Fußball. Doch dieser Trainer-Treff sei schließlich ausgeartet – zu einer ausgiebigen Fachsimpelei der Taktik-Freaks, die sich am Sonntag (17.30 Uhr ) im Gipfel der deutschen Bundesliga zwischen Bayern München und Borussia Dortmund gegenüberstehen.

Kellner der Bar Schumann's am Odeonsplatz in München berichteten später, Tuchel und Bayern-Coach Guardiola hätten auf ihrem Tisch derart wild die Salz- und Pfefferstreuer hin und her geschoben, dass für Getränke kaum mehr Platz war. "Niemand konnte mir meinen Rotwein wegnehmen, das war mein Rechtsverteidiger", so Guardiola. "Wir haben allgemein gesprochen, über meine Ideen", relativierte der Katalane später.

Was Tuchel in Mainz und auch schon in Dortmund geschafft habe, "liegt an seiner Qualität, nicht an meinen Geheimnissen", erklärte Guardiola und drückte damit seinen Respekt vor dem noch vor Monaten begehrtesten deutschen Trainer aus. Nicht erst seit dem Treffen in jener Bar haben Experten zahlreiche Parallelen in der Spielausrichtung beider Trainer ausgemacht.

Matura in Fußballtaktik

"Das kommt mir alles bekannt vor. So wie Thomas Tuchel das System umgebaut hat – das hat Pep in seinem ersten Jahr in München auch brutal gemacht. Jetzt passen die Spieler zu seinen Wünschen", stellte der ehemalige Bayern-Profi Mehmet Scholl als ARD-Experte fest.

Tuchel ist wie sein großes Vorbild Guardiola – immer auf der Suche nach Lösungen, Verbesserungen und neuen Strategien. Immer auf der Jagd nach dem perfekten Spiel, auch wenn beide betonen, dass es das gar nicht gibt. Der studierte Betriebswirt Tuchel gilt wie der Bayern-Coach als exzellenter Theoretiker und akribischer Arbeiter. Für sein Training brauche man Matura, so komplex sei es, wurde einst ein Mainzer Profi zitiert.

Der "deutsche Guardiola" hat den von Vorgänger Jürgen Klopp in Dortmund kultivierten Vollgas-Fußball modifiziert. Mehr Ballbesitz, Tempowechsel mit flexiblem Spiel und schnellen Pässen in die Schnittstellen der gegnerischen Abwehr ist die Basis von Tuchels Spiel. Also mehr Effektivität mit weniger läuferischem Aufwand. Auch Guardiola lässt am liebsten den Ball und damit den Gegner laufen bis dieser müde ist – und seine Mannschaft zuschlagen kann.

Pep versteht Tuchel

"Ich verstehe, was dieser Trainer will. Thomas Tuchel hat mir gezeigt, was seine Idee ist, was er will. Er hat mir gezeigt, was diese Mannschaft spielt, mit hohem Pressing, viel Ballbesitz – jetzt können sie mit beiden Ideen spielen", sagte Guardiola.

Tuchel liegt bisher richtig. Hinter Bayern München (23 Tore) stellt der BVB (21) nach sieben Spieltagen die torgefährlichste Offensive der Liga, obwohl die Gegner gegen beide Teams ihr Heil zumeist mit einer massiven und tief stehenden Defensive suchen.

Es bleibt abzuwarten, ob Tuchel sein Vorbild ärgern kann. Dass der 42-Jährige gleich fünf Leistungsträger zwecks Regeneration nicht mit zum Europa-League-Spiel bei PAOK Saloniki am Donnerstagabend nahm, dürfte nur ein Teil von Tuchels Plan gewesen sein. Das weiß auch Guardiola. (sid, red, 4.10.2015)

  • Pep gegen Tuchel: Rasenschach.
    foto: reuters/fassbender/rehle

    Pep gegen Tuchel: Rasenschach.

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