Nach dem Opernball

3. Oktober 2015, 11:00
5 Postings

Christian W. Mucha: "Das hat mich von den Socken gehauen. Ich würde meiner Frau nie synthetische Rubine schenken!"

Eine Nacht beim Opernball kann so manches an den Tag bringen, was besser verborgen geblieben. Oder auch nicht – so genau lässt sich das nicht sagen, wenn es einen Branchenexperten wie Christian W. Mucha, gelegentlich auch etwas respektlos auf Christian Mucha reduziert, betrifft. Es kommt immer darauf an, was man in einschlägigen Medien an öffentlicher Aufmerksamkeit lukriert, das man durch persönliche Unaufmerksamkeit an seinem Ruf als perfekter Ehemann in böswilligen Augen eingebüßt haben könnte.

Vor dem Opernball war noch alles in Ordnung. Ehefrau Ekaterina kann sich glücklich schätzen: Ihr Gatte weiß, dass zu einer perfekten Ballrobe auch perfekt abgestimmte Ohrgehänge mit karminroten Rubinen gehören. Die kaufte man bei einem Wiener Juwelier – für 3000 Euro Bargeld und im Zuge von Gegengeschäften. Das wusste die "Kronen Zeitung" Dienstag von einem Prozess zu berichten, bei dem sich in der Folge dieses Gegengeschäftes der Gatte und der Juwelier gegenüberstanden. Doch nach dem Opernball das Erwachen: Es stellte sich laut einem Gutachter heraus, dass die Rubine synthetischer Natur sein sollen.

Ob sich die erwachte Ehefrau nach dieser Expertise post festum noch glücklich schätzte, war der "Krone" keine Zeile wert. Umso mehr die Reaktion des Ehemannes, der sagte, was in einer solchen Situation zu sagen ist. "Das hat mich von den Socken gehauen. Ich würde meiner Frau nie synthetische Rubine schenken!"

Kein Ehrenmann würde etwas anderes sagen, und erst recht als Ehemann muss man da einfach durch. Besonders dann, wenn man sich auf ein reines Gewissen berufen kann, wie das in "Heute" etwas besser herauspräpariert wurde als im Schwesterblatt. Für den Opernball hatte er seiner Ehefrau Ekaterina heuer Ohrgehänge mit 10 Edelsteinen (40 Karat) geschenkt. Aber der City-Juwelier Aviad Gadner habe ihm um rund 8.000 Euro Talmi angedreht.

Aus der Differenz der Zahlenwerte, so sie richtig sind, lässt sich schließen, dass das Gegengeschäft einen Wert von 5.000 Euro umfasst haben müsste, nicht hingegen, ob es sich bei diesem Teil ebenfalls um Talmi gehandelt hat. Die Empörung des City-Juweliers vor Gericht fokussierte sich aber auf einen anderen Aspekt. Verkäufer Gadner schrie dazwischen: "Echte Rubine würden doch Hunderttausende Euro kosten", schäumte er. "Natürlich sind das ,Kompositsteine' (künstliche Produkte)." Das zeige auch das beigelegte Zertifikat. Möglicherweise ging der Schäumende auch davon aus, dass ein Mann, der als Herausgeber des "Extradienstes" und lange gefürchteter, wenn nicht gar berüchtigter Branchenexperte einen Ruf zu verteidigen hat, ein beigelegtes Zertifikat zu interpretieren imstande sein müsste, wenn er sich schon nichts davon zu wissen macht, dass echte Rubine doch Hunderttausende Euro kosten. Was natürlich nur unter der Voraussetzung von Bedeutung wäre, dass das Gegengeschäft über die 5.000 Euro nicht um ein Vielfaches dieser Summe hinausgegangen ist.

Zurückhaltender drückte es die "Krone" aus. Der Juwelier leugnet die Betrugsvorwürfe strikt: "Nie habe ich in so einer Absicht gehandelt!" Er verweist auf ein Beiblatt zu den funkelnden Rubinen, demnach alles seine Richtigkeit habe und Mucha sehr wohl bekommen habe, was da draufstehe.

Die Stimmung vor Gericht beschrieb "Heute" so: "Ich habe zwei laute Buben daheim, aber das hier halte ich nicht länger aus", stöhnte Richterin Stephanie Wiedenhofer. Vor ihr kreischten zwei honorige Herren wie "Rumpelstilzchen" im Theater der Jugend. Das Flehen der Richterin fand Gehör. Nach wilden Debatten über "synthetische" oder "behandelte" Rubine, die man auch ohne Beiziehung eines Gerichts hätte klären können, gab's einen unerwarteten Vergleich: alles "ein Missverständnis". Kaufpreis und Schmuck gehen retour, das Gegengeschäft geplatzt. Oder nicht? Der finanzielle Teil wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit besprochen, zog die "Krone" einen Schlussstrich unter die Affäre.

Niemand hat einen Schaden, und darüber hinaus kam viel Schönes an die Öffentlichkeit. Nebst rührender Berichterstattung mehrere Fotos von Christian Mucha, seiner Ehefrau Ekaterina und den Rubinen, die Anlass zu dem Missverständnis wurden, das die eheliche Stimmung hoffentlich keinen Augenblick getrübt hat. Aber vor dem kommenden Opernball sollte sich der Ehemann beim Juwelenkauf zusammenreißen. Richard Lugner muss der Neid fressen. (Günter Traxler, 3.10.2015)

Share if you care.