Erdrutsch

3. Oktober 2015, 09:00
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Um den Ausgang von Wahlen zu erklären, werden oft seltsame Begriffe bemüht, etwa der Erdrutsch

Die Politik wird ob ihrer Floskeln und inhaltslosen Stehsätze beim Empfänger meist nur noch als mühsam wahrgenommen. In Vorwahlzeiten konzentrieren sich die Sprechblasen. Plakate an allen Straßenecken, und kaum eine Partei geizt mit Slogans, die die Trübnis des Herbstes widerspiegeln. "Autofahrer sind auch nur Menschen", jammert da etwa die ÖVP. Lernt sie das im Gymnasium, das sie retten will?

Doch selbst politische Beobachtung ist nicht frei von Unfug. Da gibt es traditionell die Elefantenrunde. Der Begriff bezeichnet eine Diskussion sogenannter Spitzenkandidaten. Ungeachtet des Umstandes, wie stumpf deren Argumente sind, ungeachtet der Tatsache, wie wenig sie mit der Größe, der Intelligenz und der Feinfühligkeit der Elefanten gemeinsam haben.

Einem Wahlausgang, der große Veränderungen verspricht, wird die Qualität eines Erdbebens untergejubelt. Das ist interessant, weil nach einem Erdbeben ja oft alles kaputt ist. Wer will so was?

Ebenfalls aus dem Umfeld der Tektonik stammt der Begriff des Erdrutschsieges. Ein Erdrutsch benennt den Abgang großer Mengen Erde über einen Hang, auch Mure genannt und oft ausgelöst von Regen, unterstützt von Rodung, fehlender Beforstung – kurz menschlicher Dummheit.

Nach der oberösterreichischen Landtagswahl am vergangenen Wochenende war der Erdrutsch wieder in aller Munde. Wie kommt man bloß drauf, die Zugewinne der FPÖ mit dem Abgang solch einer braunen Lawine zu vergleichen? (flu, 3.10.2015)

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    foto: ap /leodolter
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