Österreichs Exporteure spüren China-Schwäche

2. Oktober 2015, 13:48
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Ausfuhren sinken um 3,3 Prozent, Importe steigen um 11,5 Prozent

Wien/Shanghai – Das abgeschwächte Wirtschaftswachstum und der strukturelle Wandel in China schlagen auch auf die Geschäfte der österreichischen Exporteure durch. Das heimische Außenhandelsdefizit mit dem Land hat sich im ersten Halbjahr 2015 gegenüber der Vorjahresperiode von 1,7 auf 2,14 Mrd. Euro spürbar ausgeweitet, geht aus aktuellen Daten von Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und Statistik Austria hervor.

Die Warenexporte nach China sanken heuer zwischen Jänner und Juni um 3,3 Prozent auf 1,6 Mrd. Euro; die Importe aus dem Land der Mitte kletterten indes um 11,5 Prozent auf 3,7 Mrd. Euro. 2014 hatten die heimischen Ausfuhren noch um 7,8 Prozent (auf 3,4 Mrd. Euro) zugelegt. China ist der mit Abstand wichtigste Handelspartner Österreichs in Asien – weltweit liegt das Land auf Platz fünf – hinter Deutschland, Italien, den USA und der Schweiz.

Doch die tatsächlichen Auswirkungen des verlangsamten Wirtschaftswachstums der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt (hinter den USA) auf die heimischen Ausfuhren sind de facto noch schlimmer: "Das wird für uns als Kfz-Zulieferer auch unsere Exporte nach Deutschland beeinflussen – für Deutschland ist China einer der wichtigsten Märkte", verwies der Fernost-Experte Raymund Gradt von der WKÖ-Außenwirtschaftsorganisation heute, Freitag, vor Journalisten auch auf indirekte Folgen für Österreich. "Wenn der chinesische Markt hustet, kriegen die anderen Grippe." China sei seit 2010 der größte automotive Markt der Welt und auch der größte Autohersteller. Nur etwa ein Drittel des Marktanteils entfällt auf chinesische Automarken, der Rest auf Ausländer – vor allem Deutschland und die USA; hier dominieren VW und General Motors (GM). "Auswirkungen gibt es sicher – aber das ist Jammern auf hohem Niveau", relativierte Gradt.

Im aktuellen Fünfjahresplan (2011 bis 2015) der chinesischen Zentralregierung sind als Zielmarke für das Wirtschaftswachstum 6 bis 8 Prozent festgeschrieben (statt zuvor 10 bis 12 Prozent). Heuer peilt die Regierung einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 7 Prozent an, nach einem Plus von 7,4 Prozent im Vorjahr. Der in den Jahren zuvor extrem dynamische BIP-Anstieg soll eingedämmt werden, um eine Überhitzung der Wirtschaft zu vermeiden.

"Wir haben laufend gute Geschäfte, spüren aber bei den Autoziffern ein leichtes Minus", so der ehemalige Handelsdelegierte, der unter anderem sechs Jahre lang in Shanghai stationiert war. "China wird auch künftig ein schönes Wirtschaftswachstum haben – aber nicht zweistellig; ich glaube es wird bei 3 bis 5 Prozent liegen", erwartet Gradt. "Nach 2008/09 hat China uns alle aus dem Sumpf gezogen und auch 4 Prozent (BIP-Anstieg, Anm.) sind nicht schlecht."

Gute Marktchancen in dem Land attestiert Gradt nach wie vor österreichischen Unternehmen aus den Bereichen Automotive, Maschinenbau, Elektronik, Kommunikationstechnologie, Umwelttechnologie, Life Sciences und Nanotechnologie. 2022 finden im Raum Peking die Olympischen Winterspiele statt. (APA, 2.10.2015)

  • Das Handelsdefizit mit China weitet sich aus.
    foto: reuters/yuya shino

    Das Handelsdefizit mit China weitet sich aus.

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