Roaming-Aus: EU mit halbgarem Konzept, Apple verspricht Lösung

Analyse3. Oktober 2015, 09:47
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Das Ende für Roaming-Gebühren gilt laut EU-Kommission nur bis zu einem gewissen Punkt

Während sich die EU-Kommission weiterhin mit der Abschaffung der Roaming-Gebühren und einer Absicherung der Netzneutralität plagt, hat Apple eine "Lösung" für das "weltweite Problem der Roaming-Gebühren" angekündigt. Damit stellt sich – wie oft bei netzpolitischen Themen, etwa Überwachung – einmal mehr die Frage, ob die politische Sphäre die von einer Vielzahl an Menschen gewünschten Veränderungen vorantreiben kann oder ob IT-Konzerne mit innovativen Lösungen die Sache selbst in die Hand nehmen.

Netzneutralität beinahe geopfert

So kündigte die EU-Kommission schon vor Jahren vollmundig an, eine komplette Abschaffung der Roaming-Gebühren im EU-Raum vorzuschlagen. Doch dieser Plan wurde zusehends verwässert, außerdem wurde beinahe die Netzneutralität geopfert, was in Punkto Konsumentenschutz heikle Auswirkungen hätte – etwa wenn Nutzer für schnelles Netz bei gewissen Diensten mehr zahlen müssen. Die Regeln für Netzneutralität sind nach heftigen Protesten zwar etwas strenger, unter dem Druck von Telekomkonzernen wurden aber Schlupflöcher offengelassen.

Roaming-Befreiung wird gedeckelt

Auch beim Roaming-Aus gibt es Ausnahmen: Mobilfunker können die Befreiung von Roaming-Gebühren deckeln und ab einem bestimmten Punkt wieder mehr für länderüberschreitende Gespräche, SMS oder Daten verlangen. Damit wollen EU-Kommission und EU-Rat offenbar Bedenken der Telekomkonzerne zerstreuen. Diese hatten befürchtet, dass es zu einem Preissturz kommen könnte, wenn keine Roaming-Gebühren anfallen – und Kunden dann etwa bulgarische Mobilfunker in Österreich nutzen könnten.

Bis Mitte 2016

Bis zu welchem Betrag keine Roaming-Gebühren verlangt werden, muss nun ausgehandelt werden. Die Regeln sollen Mitte 2017 in Kraft treten. Bis dahin könnte aber IT-Konzern Apple einen alternativen Vorschlag ausgearbeitet haben. Dessen Vizepräsident Eddy Cue sprach in einem Interview mit dem britischen Evening Standard davon, dass er während seines Aufenthalts in London verzweifelt versucht habe, Roaming-Gebühren zu vermeiden.

Apple: "Trauriges Problem"

"Es ist ein sehr trauriges Problem", so Cue. Allerdings wolle Apple versuchen, das zu beheben: "Wir machen etwas Fortschritt, müssen aber viele Leute überzeugen." Schon in der Vergangenheit gab es laut TheVerge viele Gerüchte, dass Apple einen eigenen Mobilfunker für iPhone-Nutzer starten könnte. Es hieß, der IT-Konzern wolle sich in das Netz von Mobilfunkern einmieten und international gleiche Konditionen anbieten. Bislang wurden die Spekulationen von offizieller Seite aber dementiert. (fsc, 2.10.2015)

  • Roaming-Gebühren sollen nur bis zu einem gewissen Betrag nicht bezahlt werden müssen
    foto: apa/pfarrhofer

    Roaming-Gebühren sollen nur bis zu einem gewissen Betrag nicht bezahlt werden müssen

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