Symetium: "Super-Smartphone" verspricht "Continuum" für Android

2. Oktober 2015, 17:48
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Highend-Hardware und große Versprechungen – starke Zweifel an Echtheit des Projektes

Ein Android-Smartphone, das sich an reguläre Bildschirme anschließen lässt und mit einer eigenen Oberfläche als eine Art leichtgewichtiger Desktop-PC fungiert – sieht man sich die Crowdfunding-Kampagne des Projekts "Symetium" an, werden Erinnerungen an Ubuntu Edge wach.

Vor zwei Jahren hat Ubuntu-Entwickler Canonical ebenfalls Geld gesammelt, um auf Basis des eigenen Betriebssystems ein Telefon mit diesen Möglichkeiten zu entwickeln. Von den angestrebten 32 Millionen Dollar wurden letztlich knapp 13 zugesagt. Aus dem Vorhaben wurde dementsprechend nichts, doch zumindest sicherte man sich für eine kurze Zeit viel Aufmerksamkeit.

Unter dem Schlagwort "Continuum" sollen Windows 10-Smartphones in naher Zukunft einen angepassten Desktop-Modus bieten. Auch bei Apple arbeitet man an einem flüssigeren Workflow zwischen den Bildschirmen.

foto: symetium
Symetium soll mit brandaktueller Hardware und Android 6.0 laufen.

"Kompromisslose" Lösung für 1,25 Millionen Dollar

Eine ähnlich kompromisslose Lösung wie Canonical bei Edge versprechen die Macher von Symetium, nun eben auf Basis von Googles Mobil-Betriebssystem und Highend-Hardware. Mit 1,25 Millionen Dollar fällt das Finanzierungszeil bei Indiegogo allerdings deutlich bescheidener aus.

Die vorgesehene Hardware wirkt beeindruckend. Als Plattform will man Qualcomms Snapdragon 820 verbauen, ein Highend-Chip, der aktuell noch gar nicht für die Massenproduktion verfügbar ist und sich am Markt wahrscheinlich erstmals in den kommenden Frühjahrs-Flaggschiffen von HTC, Samsung und Co. manifestieren wird. Ihm sollen stolze sechs Gigabyte Arbeitsspeicher zur Seite stehen, primär gedacht für die Verwendung als Klein-PC.

Dazu soll es bis zu 256 GB Onboarspeicher nebst microSD-Slot zur Erweiterung geben. Als Display ist ein OLED-Panel mit Full HD-Auflösung und einer Diagonale von fünf Zoll vorgesehen, gelistet werden außerdem eine 24-Megapixel-Hauptkamera, ein USB-C-Anschluss und Stereolautsprecher. Symetium soll außerdem nach IP 67 staub- und wasserfest sein. Die Firmware soll am demnächst erscheinenden Android 6.0 "Marshmallow" basieren. Feilgeboten wird das Handy je nach Speichergröße und Accessoirs gegen Investments ab 499 Dollar.

foto: symetium
Das Gerät soll sich auch drahtlos mit großen Bildschirmen verbinden und wie ein PC verwenden lassen.

Roadmap

Nach erfolgreichem Crowdfunding möchte man im November das Design des Gerätes finalisieren und bis Ende des Jahres die Hauptplatine fertig entworfen und alle Komponenten getestet haben. Im März 2016 sollen die ersten Prototypen vom Band laufen, ehe nach Produktionsoptimierung und Zertifizierung zwischen Mai und Juni die Massenfertigung beginnen soll.

Die Auslieferung ist laut aktueller Roadmap dann für Juli und August des kommenden Jahres geplant. Das Geld der Unterstützer geht laut den Betreibern zu knapp 70 Prozent in den Fertigungsprozess, der Rest teilt sich auf Design und administrative Kosten auf. Die 1,25 Millionen Dollar müssen allerdings erreicht werden, andernfalls fließt kein Geld von den Unterstützern an die Kampagne. Bisher wurden über 40.000 Dollar in drei Tagen zugesagt.

Zahlreiche Renderings existieren bislang von dem Gerät, dazu gibt es Fotos von einem vorab produzierten Dummy, mit dem die Umsetzung des Designs demonstriert wird. Unterstützt wird die Kampagne außerdem von Smart Crowdfunding, Marketing-Experten die seit 2013 mit Indiegogo zusammen arbeiten.

foto: symetium
Ein Design-Dummy von Symetium.

Kampagne lässt Alarmglocken läuten

Es gibt jedoch berechtigte Zweifel an der Echtheit bzw. Umsetzbarkeit des Vorhabens. So verwundert einige Beobachter der für ein solch komplexes Hardwareprojekt vergleichsweise niedrige Zielbetrag. Zweifel geäußert werden auch an den vorgesehenen Abmessungen. Trotz sehr schlanker Randbereiche und einem Akku mit üppigen 4.000 mAh an Kapazität soll das Gerät lediglich sechs Millimeter dünn ausfallen. Ein Kunststück, das bisher selbst großen Smartphone-Herstellern noch nicht gelungen ist.

Unter dem Punkt "Risiken und Herausforderungen" merken die Symetium-Macher allerdings selber an, dass es zu Änderungen hinsichtlich der Maße und Spezifikationen kommen kann. Bei wichtigen Komponenten, die jedoch nicht näher definiert sind, soll dies aber ausschließlich passieren, wenn bessere oder "innovativere" Optionen gewählt werden können.

Erfinder von Symetium ist der schwedische Designer Jonathan Gustafsson. Der Göteborger arbeitet an dem Konzept schon länger, verifiziert wurde er von Indiegogo über seinen Facebook Account. Abseits von Symetium gibt es keine Hinweise darauf, dass er über Erfahrung im Hardware-Geschäft verfügt.

melissa styles

Erneuter Beweis für mangelhafte Kontrolle

Dass das "Super-Smartphone" tatsächlich umgesetzt werden soll, ist zwar nicht ganz auszuschließen. Angesichts der umfassenden Versprechungen, des unangemessen niedrigen Kampagnenziels so wie der anderen vorliegenden Informationen ist ein Scheitern dieses Unterfangens als sehr wahrscheinlich anzunehmen. Ebenso ist denkbar, dass es sich schlicht um einen PR-Gag handelt.

Damit reiht sich Symetium in eine immer länger werdende Liste von problematischen Crowdfunding-Projekten – siehe Comet Core – ein, die einen groben Mangel von Kontrollmechnismen auf Plattformen wie Indiegogo oder Kickstarter offenlegen. (gpi, 02.10.2015)

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