Schweiz erlässt Zulassungsverbot für VW-Dieselfahrzeuge

2. Oktober 2015, 19:11
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Die Schweiz zieht strikte Konsequenzen aus dem Abgasskandal bei Volkswagen

Zürich/Wolfsburg – Nach dem Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Volkswagen verbietet die Schweiz vorläufig die Zulassung davon betroffener Fahrzeuge. Eine entsprechende Weisung des Bundesamts für Straßen (Astra) gelte ab Montag für Dieselwagen, die erstmals in der Schweiz zugelassen werden sollen, teilte die Behörde am Freitag mit.

Damit soll verhindert werden, dass von den Abgasmanipulationen betroffene Neu- und Gebrauchtwagen des VW-Konzerns auf die Schweizer Straßen kommen. Das Bundesamt für Straßen hatte das Zulassungsverbot bereits angekündigt.

Der VW-Aufsichtsrat wird am kommenden Mittwoch erneut in Wolfsburg zu einer Krisensitzung zusammenkommen. Das 20-köpfige Gremium wird auf dem Werksgelände erneut über die weitere Entwicklung in der Abgas-Affäre sprechen.

Auch Frankreich und Italien ermitteln

In Frankreich hat die Justiz indes im VW-Abgasskandal Vorermittlungen wegen schweren Betrugs eingeleitet. Die französischen Behörden wollen dazu auch Kontakt zu ihren deutschen Kollegen aufnehmen – die Braunschweiger Staatsanwaltschaft führt bereits Ermittlungen wegen der Affäre. Der für Verkehrsthemen zuständige Vizepräsident der Hauptstadtregion Ile-de-France hatte den Fall zuvor bei der Pariser Staatsanwaltschaft angezeigt.

In Frankreich sind rund 950.000 Autos von den Manipulationen mit der Abgas-Software betroffen. Die Regierung kündigte als Reaktion Stichproben der Abgaswerte von 100 Fahrzeugen an und erwägt auch, Fördergelder für umweltfreundliche Autos von VW zurückzufordern.

Die italienische Kartellbehörde ebenfalls ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Das Amt ermittle in dem Fall wegen unlauteren Geschäftsgebarens, wie die Behörde am Freitag in Rom mitteilte. Sie will demnach prüfen, ob Verbraucher durch Angaben zu Emissionen von VW-Autos in Werbekampagnen und Broschüren in die Irre geführt wurden.

Es geht um Modelle der Marken Volkswagen, Audi, Seat und Skoda, die von 2009 bis 2015 verkauft wurden. Das Kartellamt hat dazu nach eigenen Angaben in den vergangenen Tagen Hinweise von Verbraucherverbänden bekommen.

Aktie rutscht weiter ab

Der VW-Aktie findet indes weiter kaum Halt. Am Freitagvormittag rutschten die Vorzugsaktien zunächst auf 92,75 Euro ab – so tief wie seit Oktober 2011 nicht mehr. Seit Bekanntwerden des Abgasskandals vor zwei Wochen brachen die Aktien damit um rund 43 Prozent ein.

Die Unsicherheit um das Ausmaß der Belastungen durch den Skandal bleibt hoch – fast jeden Tag werden neue negative Analystenkommentare veröffentlicht. Aktuell strich Klaus Breitenbach von der Baader Bank seine seit Jahren gültige Kaufempfehlung und stampfte das Kursziel von 260 auf 100 Euro ein. Seine Gewinnerwartungen bis 2017 kürzte er im Schnitt um 60 Prozent.

USA-Chef vor Repräsentantenhaus zitiert

Der US-Chef von Volkswagen soll unterdessen wegen des Abgasskandals vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses aussagen. Ein Sprecher des Gremiums sagte, Michael Horn sei für den 8. Oktober vorgeladen worden. Zu der Anhörung kämen auch Vertreter der US-Umweltbehörde EPA, die die Affäre ins Rollen gebracht hatte.

VW hat zugegeben, Abgaswerte von Dieselfahrzeugen in den USA mit einer bestimmten Software manipuliert zu haben. Insgesamt sind nach Konzernangaben weltweit bis zu elf Millionen Fahrzeuge betroffen. Die EPA hatte den Betrug am 18. September öffentlich gemacht. Auf VW kommen nun Milliardenlasten zu, der langjährige Konzernchef Martin Winterkorn musste seinen Posten räumen.

VW-Kunden können ab sofort im Internet prüfen, ob ihr Wagen von der Abgas-Affäre betroffen ist. Dafür muss auf der Seite www.volkswagen.de/info die Fahrgestellnummer eingegeben werden. (APA, 2.10.2015)

Betroffene Fahrzeuge nach Märkten

  • Deutschland: mindestens 2,8 Millionen
  • Großbritannien: 1,2 Millionen
  • Frankreich: 950.000
  • Spanien: 680.000
  • Italien: 650.000
  • Belgien: 500.000
  • USA: 482.000
  • Österreich: 363.000
  • Mexiko: 32.000

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  • Die Schweiz mach nun um VW-Abgasskandal ernst.
    foto: apa/epa/boris rössler

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