Gouverneur von Kunduz beklagt verfrühten Nato-Abzug

2. Oktober 2015, 06:55
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Gouverneur Daneshi: "Haben den Deutschen mehrfach gesagt, dass wir sehr besorgt über ihren Abzug sind"

Kunduz – Nach der Taliban-Offensive in Kunduz hat der amtierende Gouverneur der Provinz den Abzug der im Rahmen der Nato-Mission für die Region verantwortlichen deutschen Bundeswehr vor zwei Jahren als verfrüht kritisiert. "Wir haben den Deutschen mehrfach gesagt, dass wir sehr besorgt über ihren Abzug sind", sagte Gouverneur Hamdullah Daneshi der Deutschen Presse-Agentur.

"Wir wussten, dass wir die Lage nicht alleine würden kontrollieren können. Aber sie haben uns alleine gelassen. Die Entscheidung, aus Kunduz abzuziehen, war verfrüht." Die Taliban hatten die Stadt Kunduz am Montag eingenommen. Am Donnerstag hatten Regierungstruppen die Taliban wieder vertrieben.

Zentralregierung ignorierte Sorgen in Kunduz

Mit Blick auf die Deutschen sagte Daneshi: "Wir machen sie nicht für den Fall von Kunduz verantwortlich, aber wir sind enttäuscht darüber, dass sie uns alleine gelassen haben. Wir brauchten sie hier, aber sie sind gegangen." Der Gouverneur fügte hinzu: "Wir würden uns sehr wünschen, dass die Deutschen zurückkommen." Die Bundeswehr war vor zwei Jahren aus Kunduz abgezogen. Kunduz war die erste Provinzhauptstadt, die seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001 von den Aufständischen erobert wurde.

Daneshi erhob Vorwürfe gegen die Zentralregierung von Präsident Ashraf Ghani in Kabul. "Warum hat die Regierung nicht aufgepasst, als wir unsere Sorgen ausgedrückt haben?" Daneshi hatte bereits im April davor gewarnt, die gesamte Provinz Kunduz könne von den Taliban erobert werden.

Ghani hatte den bisherigen Gouverneur von Kunduz, Mohammad Omar Safi, während der Gefechte um die Stadt seines Amtes enthoben. Zugleich hatte er Daneshi per Dekret zum amtierenden Gouverneur ernannt. Daneshi war davor zwölf Jahre lang stellvertretender Gouverneur gewesen. (APA, 2.10.2015)

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