Flüchtlinge in Österreich: Längst fälliger Weckruf

Kommentar1. Oktober 2015, 17:53
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Damit auf dem Arbeitsmarkt Platz für Flüchtlinge ist, muss die Wirtschaft in Schwung kommen

Keine Frage: Die Ankunft von zigtausenden Flüchtlingen in Österreich stellt das Land vor eine große Herausforderung. Und auf den ersten Blick kommt sie genau zur falschen Zeit: Die Arbeitslosigkeit ist auf einem historischen Höchststand, und die Wirtschaft schwächelt. Das Ganze könnte aber auch genau in die andere Richtung gehen, denn lange versteckte Probleme kommen jetzt deutlich stärker zum Vorschein als zuvor.

Wird es Jobverdrängung geben? Ja. Bedroht sind vor allem schon lange hier lebende Zuwanderer und Niedrigqualifizierte. Stellen, die man ohne ordentliche Deutschkenntnisse oder eine Ausbildung erhält, verschwinden früher oder später mit oder ohne Flüchtlinge. Die Wahrscheinlichkeit, arbeitslos zu werden, ist für hier lebende Türken doppelt so groß wie für österreichische Staatsbürger. Das wurde viel zu lange hingenommen.

Damit am Arbeitsmarkt Platz für Flüchtlinge ist, muss die Wirtschaft in Schwung kommen. Die Konjunktur könnte man durch niedrigere Lohn- und höhere Grundsteuern ankurbeln. Die Reform des Schulsystems ist nun unabdingbar – wenn die Flüchtlingskinder nicht gleich wieder benachteiligt werden sollen. Die nötigen Milliarden für die Integration liegen im Pensionssystem brach.

All das lässt sich durch die Ankunft der Flüchtlinge nicht länger unter den Teppich kehren. Vielleicht kommt dieser Weckruf ja genau zur richtigen Zeit. (Andreas Sator, 1.10.2015)

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