Werner Schlager lobt das Tischtennisteam

1. Oktober 2015, 17:18
17 Postings

Der letzte nichtchinesische Champion über Erfolg und Kontinuität, Umstände und Ziele: "Möchte meine Künste auch international wieder zeigen"

Jekaterinburg/Schwechat – Werner Schlager krächzt. "Ich hab' meine Stimme verloren." Das Opfer hat er gern gebracht, schließlich ging sie, die verlorene Stimme, mit gewonnenem Gold einher. Als seine österreichischen Kollegen bei der Tischtennis-EM in Jekaterinburg, Russland, am Dienstag mit einem 3:2 über Deutschland den Mannschaftstitel gewannen, hat Schlager außer geschrien nur geschrien. Wieder zurück in Österreich und auch mit zeitlicher Distanz hält er fest: "Es war ein historischer Erfolg in einem hochkarätigen Finale. Nach meinem WM-Titel die beste Werbung für den österreichischen und den europäischen Tischtennissport."

Seit 2003, da er sensationell in Paris zuschlug, ist Schlager der letzte nichtchinesische Champion. Seit 2013 trat der seit kurzem 43-jährige Niederösterreicher international nicht mehr an, er betont aber, dass er seine Karriere noch nicht beendet habe. Seit zwei Wochen trainiert er wieder intensiver. "Sobald es die Umstände zulassen, möchte ich meine Künste auch international wieder zeigen." Zuletzt war er in Schwechat beruflich angehängt, die Malversationen um das Multiversum machten auch der WSA (Werner-Schlager-Academy) zu schaffen. Schlager hofft, "dass sich die Situation bald stabilisiert".

Seit 1998, bei vierzehn EM-Bewerben en suite, hat Österreich zumindest eine Medaille geholt, insgesamt gab's 31 Podestplätze, davon sechs ganz oben. Zum ersten Triumph des Teams trug auch die WSA bei. Seit 2010 finden Spielerinnen und Spieler des Nationalteams dort beste Trainingsbedingungen vor. "Es ist ein Ort", sagt Schlager, "an dem sich jeder, und sei er noch so gut, weiterentwickeln kann."

Die drei Rufzeichen

Besonders entwickelt haben sich Robert Gardos, Daniel Habesohn und Stefan Fegerl, jeder steuerte zum, nun ja, Córdoba-Resultat im Finale einen Zähler bei. Schlager: "Robert ist ein echter Teamleader, er hat kaum Aussetzer, kann zu jeder Tages- und Nachtzeit stabil auf hohem Niveau spielen. Seine Siege nehmen Druck von den anderen, er ebnet den Weg. Stefan hat sich enorm entwickelt, ist ein fleißiger Trainierer und ein guter Taktiker. Mittlerweile ist er auf einem Level, dass er gegen jeden Spieler auf der Welt bestehen kann. Und Daniel kann auch einen Einbruch, wie er ihn im Semifinale hatte, wieder wegstecken. Alle drei sind Weltklasse." So gesehen lässt sich auch bei den Olympischen Spielen 2016 (Rio) einiges erwarten, derzeit liegt Österreichs Herrenteam in der Weltrangliste auf Rang sieben.

In Jekaterinburg haben am Donnerstag die Einzel- und Doppelbewerbe begonnen. Den Österreichern, auch den Österreicherinnen um Liu Jia, die Europameisterin 2005, ist einiges zuzutrauen. "Es kann noch sehr viel passieren", sagt Schlager, "aber es kann auch überhaupt nichts passieren. So ist das im Tischtennis." Schlager wird so oder so daheimbleiben. Schreien ist derzeit eh nicht drin. "Die schaffen das", krächzt er, "auch ohne mich." (Fritz Neumann, 1.10.2015)

  • Schlager, der das Team lobt, will sich selbst bald wieder zeigen.
    foto: epa / yoan valat

    Schlager, der das Team lobt, will sich selbst bald wieder zeigen.

  • Schlager über Robert Gardos (rechts): "Er ist ein echter Teamleader, er hat kaum Aussetzer, kann zu jeder Tages- und Nachtzeit stabil auf hohem Niveau spielen."
    foto: reuters / leonhard foeger

    Schlager über Robert Gardos (rechts): "Er ist ein echter Teamleader, er hat kaum Aussetzer, kann zu jeder Tages- und Nachtzeit stabil auf hohem Niveau spielen."

Share if you care.