Matti Bunzl: Sex und Pratergeschichte im Wien-Museum

1. Oktober 2015, 16:11
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Der neue Direktor gab zum Amtsantritt einen Ausblick auf kommende Ausstellungen

Wien – "Wir Amerikaner sind sehr begeisterungsfähig", sagte Matti Bunzl bei seiner Antrittsrede und schränkte dies sofort ein, wohlwissend, dass die Wiener Seele derlei "enthusiasm" gerne mit ein bisschen Argwohn betrachtet. Der gebürtige Wiener, der nach der Matura in die USA ging und dort als Kulturwissenschafter Karriere machte, ist seit gestern neuer Direktor des Wien-Museums.

Er trete nicht in Wolfgang Kos' Fußstapfen, um alles "umzuhauen" oder "anders zu machen", denn dieser habe das Wien-Museum hervorragend geleitet. Nun gelte es, das Haus "systematisch zu internationalisieren", "Wien aus globaler Sicht, sowohl historisch als auch aktuell, zu zeigen". Ein "Labor der Zivilgesellschaft" und "Ort des Diskurses" soll das Museum am Karlsplatz sein.

Als Beweis für diese Ausrichtung hat Bunzls Team vor dem Museum einen transparenten "Asylraum" installiert, an dessen Wänden eine Zeitschiene zur Migrationsgeschichte abgebildet ist. Auch zum Diskurs bat Bunzl schon am ersten Abend seiner Direktion. Zu Gast: Pieter Judson, renommierter Österreich-Historiker am European University Institute in Florenz, den Bunzl auch als Vorsitzenden des wissenschaftlichen Beirats gewinnen konnte. Ab 1. Dezember beginnt das Gesprächsformat "2 x 45 Minuten", bei dem Experten jeweils zwei brisante Themen diskutieren sollen. Erste Einheit: "Antisemitismus und Islamophobie".

Unterstützt durch einen Trickfilm (beispielgebend für Präsentationsformen, die künftig zum Einsatz kommen) erläuterte Bunzl unterhaltsam die Geschichte der frühgotischen Virgilkapelle unter dem Stephansplatz. Seit 2008 wegen Restaurierung geschlossen, soll sie am 12. Dezember mit einer neu gestalteten Mittelalter-Ausstellung wiedereröffnet werden.

Die erste große Ausstellung unter Matti Bunzls Direktion startet im März 2016, das Thema: "250 Jahre Wiener Prater", mit "so coolen" Objekten, wie Bunzl spitzbübisch versicherte. Im September desselben Jahres soll mit "Sex in Wien" ein "Markstein" der kulturhistorischen Aufarbeitung der Stadt gesetzt werden. Spannend auch die für Juni geplante Schau "Chapeau!", eine Sozialgeschichte der Kopfbedeckung.

Umbau ab 2017

Ab 2017 wird das Wien-Museum dann großzügig umgebaut. Der Architekt wird im November feststehen. Matti Bunzl will bis zur geplanten Wiedereröffnung 2020 Außenstellen bespielen und Sammlungen "on tour" schicken. Die Schlüssel dazu bekam Bunzl nun symbolisch überreicht. (stew, 1.10.2015)

  • Es gibt viele Schlüssel zur Wiener Kulturgeschichte.
    foto: apa/herbert pfarrhofer

    Es gibt viele Schlüssel zur Wiener Kulturgeschichte.

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