Christoph Wiederkehr: Mit den Neos raus aus der Monarchie

Video3. Oktober 2015, 12:00
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Der Neos-Jungkandidat will die Wiener Politik verjüngen. Thematisch setzt er dabei auf Bildung

Wien – Wenn Christoph Wiederkehr über Politik spricht, merkt man, dass er selbst schon lange ein Teil davon ist. Bei dem Jugendkandidaten der Neos für die Wien-Wahl am 11. Oktober sitzt jeder Spruch. Er ist ein Junger, aber kein Neuer im Politikgeschäft.

Erfahrung sammelte der 25-Jährige bereits während seines Politikwissenschaftsstudiums: Als Spitzenkandidat der Jungen Liberalen, der Vorgängerfraktion der Jungen liberalen Studierenden (Junos), bei den ÖH-Wahlen 2013 beginnt sein politischer Lebenslauf. Er übernahm den Vorsitz der Junos und die Opposition in der Hochschülerschaft, Spielwiese für den Parteinachwuchs.

derstandard.at/von usslar

"Es wäre gut, einen stärkeren Anreiz für Menschen zu schaffen, auch für einzelne Strecken die Öffis zu nutzen", sagt Wiederkehr, der auf Listenplatz fünf der Neos um den Einzug in den Gemeinderat kämpft. Der Einzelfahrschein soll, wenn es nach ihm geht, um 1,90 Euro zu erstehen sein. Zudem solle ein Ticket für Jungfamilien eingeführt werden, da diese oft nicht viel verdienen und auf keine anderen Vergünstigungen zurückgreifen könnten.

Für die Öffi-Fahrt des STANDARD hat Wiederkehr einen besonderen Ausgangspunkt gewählt. "Schönbrunn ist ein wunderschöner Ort, aber er ist ein Überbleibsel der Monarchie", sagt Wiederkehr vor der gleichnamigen U4-Station: "Das Schloss symbolisiert für mich Wien, ein schöner Ort, aber politisch in der Monarchie steckengeblieben."

Bürgermeister Michael Häupl sei schon so lange im Amt, dass "manche Kaiser neidisch" würden. Auf der ehemaligen Stadtbahnstrecke geht es zum Schwedenplatz im ersten Bezirk – Heimat des Bermudadreiecks mit all seinen Lokalen und Bars. Den Endpunkt hat Wiederkehr bewusst als jungen Ort gewählt: "Der Schwedenplatz steht für mich für die Zukunft. Viele junge Menschen halten sich dort auf. Dort wollen wir auch politisch hin."

Lebendig, aber arbeitslos

Die Wiener Jugend sei tolerant, offen für Neues und lebendig, was auch dieser Platz widerspiegle. Das habe Wiederkehr auch am Wiener Westbahnhof gesehen, wo sich viele Studierende und Schüler für Flüchtlinge engagiert haben. Ihm ist dieses Thema auch privat ein Anliegen. Sein Vater sei selbst aus Ungarn nach Salzburg geflohen, erzählt Wiederkehr.

Gleichzeitig sei die Jugend von heute unzufrieden, weil sie sich politisch nicht vertreten fühle, sie sei pessimistisch und arbeitslos. "Die Jugendarbeitslosigkeit in Wien ist leider sehr hoch", sagt der pinke Jungkandidat.

Die Stadt müsse daher mehr "auf die neue Generation schauen", wünscht er sich. Das politische System müsse sich dafür grundlegend ändern: "Die jetzige Politik ist nur auf den eigenen Machterhalt aus." Durch weniger Gemeinderäte, eine geringere Parteienförderung und einen niedrigeren Schuldenstand könne dem entgegengewirkt werden.

Von Werbung zur Bildung

"Wir wollen 120 Millionen Euro aus dem politischen System rausnehmen – zum Beispiel durch Abschaffung von sinnlosen Posten und Senkung der Eigenwerbung der Stadt Wien – und in die Bildung investieren", sagt Wiederkehr.

Für das Wiener Bildungssystem wünscht sich Wiederkehr eine freie Schulwahl ohne Schulgeld. Es solle unterschiedliche Schultypen geben, konfessionelle, private und öffentliche. Diese sollen aber gleichgestellt und vor allem gratis für alle sein. Später soll die Bildung aber schon etwas kosten, sagt der ehemalige Studierendenpolitiker. Wiederkehr will, dass Studierende den Unis mittels nachgelagerter Studiengebühren "etwas zurückgeben".

foto: maria von usslar

Nachgelagert in dem Sinne, dass Absolventen erst zur Kasse gebeten werden, wenn sie bereits im Berufsleben stehen und es sich selbst leisten können, die Gebühren zu zahlen. "Hochschulbildung ist etwas, das man für sich macht. Mit einem Uniabschluss hat man Privilegien in der Gesellschaft, verdient mehr. Da kann man schon etwas zurückzahlen", sagt Wiederkehr.

In jedem Fall müsse sich etwas bewegen. Denn "Stillstand geht gar nicht". (Text: Oona Kroisleitner, Video: Maria von Usslar, 3.10.2015)

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