Heideggers Nichts hilft keinem

2. Oktober 2015, 09:00
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Personale erinnert im Künstlerhaus, der Halle für Kunst und Medien, an Jörg Schlick

Graz – Ihre 1985 gegründete Künstlerloge war ein Männerverein. Sein Wahlspruch lautete: "Keiner hilft keinem". Sein Logo: ein Hammer und eine Sonne mit Busen. Das "Zentralorgan" dieser Lord Jim Loge, "Sonne Busen Hammer", verantwortete der Grazer Jörg Schlick (1951-2005), dem nun im Künstlerhaus eine Personale gewidmet ist.

Neben Schlick gehörten Martin Kippenberger, Albert Oehlen und Wolfgang Bauer zu den Gründern der legendären Loge, die nach einem Roman des britischen Autors Joseph Conrad benannt ist. Darin geht es um ein Schiff, das in Seenot gerät und mitsamt seinen Passagieren von der Besatzung im Stich gelassen wird: Keiner hilft keinem.

Die von Sandro Droschl und Christian Egger kuratierte Ausstellung hilft sehr wohl – dem Witz und der Vielfalt des Schaffens von Jörg Schlick näherzukommen. Dafür wurden 51 Arbeiten teils großzügig, teils in bedrückender Dichte in Bezug zueinander gesetzt: zum Beispiel der 18-teilige Heidegger Zyklus (2005) passend mit einer dreiteiligen, unbetitelten Arbeit, die den Logenwahlspruch auf gesprungenem Sicherheitsglas trägt (und im Ausstellungsbegleitheft mit falschen Materialangaben versehen ist).

Schlicks Heidegger-Zitate werden, mit Sprayfarbe bewusst ungelenk auf bunten, schlierigen Grund geschrieben, zu Kalauern: "Wollen ist Ursein" oder "Das Nichts nichtet". Die (Bild-)Musik dazu macht die ebenfalls 18-teilige Gruppe Bachfuge. Eine Übersetzung von Schrift in Bild zeigt ein "Flaggenalphabet", das unmittelbar vor fünf schwarze, mit eingefrästen Zeichen versehene Platten mit dem Titel "Zwischen Euphrat und Tigris" gesetzt ist.

Im Untergeschoß ist neben mehreren Leuchtkastenarbeiten unter anderem das Video eines Tanzstücks mit Georg Blaschke zu sehen, für das Schlick die visuelle Gestaltung und die Musik geschaffen hat: "Ein Bild und sein Schatten. Kronos und Freud, zwei Zeugen für die Lösung", uraufgeführt 2001 in der Studiobühne.

Daneben, beiläufig an einer Säule, hängt ein Paar Kinderballettschuhe (Untitled, 1991). Fazit: eine plausible Präsentation für ein hinreißendes Werk. (Helmut Ploebst, Spezial, 2.10.2015)

Halle für Kunst und Medien (Künstlerhaus), bis 22. 11.


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  • Das Werk des zu früh verstorbenen Künstlers  Jörg Schlick strahlte über seine legendäre Lord Jim Loge in Graz hinaus. Eine Personale würdigt ihn zehn Jahre nach seinem Tod.
    foto: jörg schlick, studio lascaux 972

    Das Werk des zu früh verstorbenen Künstlers Jörg Schlick strahlte über seine legendäre Lord Jim Loge in Graz hinaus. Eine Personale würdigt ihn zehn Jahre nach seinem Tod.

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