Industrie warnt erneut vor Abwanderung

1. Oktober 2015, 13:54
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Hohe Arbeits- und Energiekosten werden schon lange als Wettbewerbsnachteil ins Treffen geführt, eine neue Studie will das belegen

Wien/Linz – Wenn eine Studie im Auftrag der Industriellenvereinigung (IV) und der Voest erstellt wird, kann das Ergebnis nicht überraschen: Deutschland und Österreich werden als Standort für Industriebetriebe einer solchen Erhebung zufolge immer unattraktiver. Die Arbeits- und Energiekosten in den beiden Ländern zählten weltweit zu den höchsten, so das deutsche Handelsblatt Research Institute.

In Deutschland beliefen sich die Arbeitskosten im verarbeitenden Gewerbe 2013 auf 36,20 Euro pro Stunde, in Österreich auf 33,20 Euro. Damit lagen sie deutlich über dem EU-Schnitt von 24,40 Euro und auch über dem Niveau in China, Japan und den USA. Zudem stiegen die Arbeitskosten in den beiden Ländern seit einigen Jahren stärker als die Produktivität. Bei den zu zahlenden Industriestrompreisen liege Deutschland deutlich über Österreich und auch über dem EU-Durchschnitt. Sie waren 2014 auch doppelt so hoch wie in den USA.

Schleichende Abwanderung

Energieintensive Unternehmen "wandern schleichend ab", teilte der heimische Stahlkonzern Voestalpine am Donnerstag unter Verweis auf die genannte Studie mit. Durch die schleichende Verlagerung der Produktion ins Ausland werde "der industrielle Kern beider Länder sukzessive aushöhlt", konstatiert Dirk Heilmann vom Handelsblatt Research Institute.

Die EU-Klimaschutzpolitik und der Mangel an nicht-akademischen Fachkräften verschärften das "schwierige Umfeld für die Industrie" noch weiter, so die Voestalpine. In Deutschland habe sich 2014 bereits mehr als die Hälfte der Schulabgänger (52 Prozent) für ein Studium anstelle einer dualen Berufsausbildung entschieden, 1997 war es nur knapp ein Drittel (31 Prozent) gewesen. Erschwerend komme hinzu, dass die Zahl der verfügbaren Arbeitskräfte generell rückläufig sei.

Das EU-Ziel, den Industrieanteil am Bruttoinlandsprodukt bis 2020 von 15,1 Prozent (2013) auf 20 Prozent zu steigern, scheine vor diesem Hintergrund in weite Ferne gerückt. In Deutschland und Österreich liegt der industrielle Wertschöpfungsanteil laut Studie mit immerhin 21,8 bzw. 18,3 Prozent am BIP noch weit über dem EU-Durchschnitt.

Es bestehe ein enger Zusammenhang zwischen hohem Industrieanteil und niedriger Arbeitslosigkeit. Die deutsche Arbeitslosenrate lag den Angaben zufolge im Juli 2015 bei 4,7 Prozent, die österreichische bei 5,8 Prozent. Der EU-Durchschnitt war mit 9,5 Prozent rund doppelt so hoch. Die Industrie sei auch ein wichtiger Financier von Forschung und Entwicklung in der Privatwirtschaft. (APA, 1.10.2015)

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