Presserat ermahnt "Krone" und "Österreich" wegen IS-Bildern

1. Oktober 2015, 13:53
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Bilder über Ermordung von Gefangenen verletzten Menschenwürde und verstießen gegen Ehrenkodex der Presse

Wien – Der Österreichische Presserat sieht in mehreren Berichten über die Ermordung von Gefangenen durch die Terrormiliz "Islamischer Staat", die im Juli und Juni in der "Kronen Zeitung" und der Gratiszeitung "Österreich" sowie auf deren Onlineportalen krone.at und oe24.at erschienen sind, wegen der Verletzung der Menschenwürde einen Verstoß gegen den Ehrenkodex für die österreichische Presse. Die Medien hatten Bild- und Videomaterial von Gefangenen kurz vor ihrer Exekution gezeigt.

Entscheidend ist das Wie

Berichte über die IS-Gräueltaten seien von öffentlichem Interesse, und es sei wichtig, über die schrecklichen Verbrechen zu informieren, erklärte der Presserat in einer Aussendung. "Entscheidend dabei ist jedoch, wie derartige Berichte aufbereitet sind und welches Bildmaterial dafür verwendet wird." In den vorliegenden Artikeln werden nach Auffassung des Presserats vor allem die Sensationsinteressen der Leser bedient, Aufklärung stehe nicht im Vordergrund.

"Gerade bei derart brutalem und daher heiklem Bildmaterial ist es aus ethischer Sicht wichtig, dass Journalisten die Filterfunktion der Medien ernst nehmen." Der Moment des Todes gehöre zur Privatsphäre der Sterbenden, betonte der Presserat.

Zu berücksichtigen sei auch noch, dass der IS bewusst auf die Verbreitung von brutalem Bildmaterial durch Medien setzt und exzessive Gewalt inszeniert, um in demokratischen Gesellschaften für Aufmerksamkeit und Verunsicherung zu sorgen. "Der Zweck der barbarischen Hinrichtungen ist es, brutale Bilder zu erhalten und diese in die Welt hinaus zu tragen. Unabhängige Medien müssen darauf achten, sich nicht vom IS instrumentalisieren zu lassen und zu dessen Propagandawerkzeug zu mutieren." (APA, 1.10.2015)

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