Vormarsch der Taliban gefährdet Journalisten in Kunduz

1. Oktober 2015, 12:38
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Reporter ohne Grenzen verurteilt gezielte Angriffe auf Medienhäuser

Wien – Reporter ohne Grenzen (ROG) verurteilt die Angriffe der Taliban auf Journalisten in der afghanischen Stadt Kunduz als Kriegsverbrechen. "Die Entwicklung in Kunduz bestätigt leider die Warnungen, dass die afghanischen Journalisten durch den Abzug der NATO-geführten Truppen in erhöhte Gefahr geraten könnten", erklärte ROG-Österreich Präsidentin Rubina Möhring in einer Aussendung am Donnerstag.

Bei ihrer Eroberung der Provinzhauptstadt besetzten die Islamisten neben Regierungsgebäuden auch mehrere Medienhäuser. In den Räumen des unabhängigen Radio- und Fernsehsenders Roshani richteten sie durch ein Feuer Zerstörung an.

Ungeschützte Journalisten

Durch den Taliban-Vormarsch Anfang der Woche sind die afghanischen Regierungstruppen laut ROG nicht mehr in der Lage, Journalisten und Redaktionen zu schützen. Nach Angaben des Leiters des Afghanischen Verbands Unabhängiger Journalisten, Rahimullah Samandar, mussten sämtliche Medienredaktionen in Kunduz ihre Arbeit einstellen. Von mehreren Journalisten habe es bis zum Dienstagabend kein Lebenszeichen gegeben. Besonders gefährlich sei die Situation für Journalistinnen, wie ein Angriff auf die Redaktion von Roshani zeigt. Ihr Schwerpunkt liegt auf Frauenthemen und neun der zwölf Angestellten sowie die Gründerin sind Frauen.

Besonders seit dem Frühjahr diesen Jahres werden Medien laut ROG offen bedroht. In mehreren Provinzen im Nordosten des Landes – darunter Badahshan, Nangarhar, Baghlan und Nuristan – sei praktisch keine unabhängige Berichterstattung mehr möglich. Auch der Islamische Staat, lokale Warlords, Politiker und Regierungstruppen verschlimmerten die Sicherheitssituation und erschwerten die redaktionelle Arbeit. Seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes 2001 starben laut ROG mindestens 33 Journalisten, darunter 15 ausländische. (APA, 1.10.2015)

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