Crowdinvesting: Wenn Unterstützer auch wirklich profitieren

3. Oktober 2015, 08:00
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Was in den USA nun angedacht wird, besteht in Österreich schon länger: Auf Crowdinvesting-Plattformen sind Unterstützer Investoren

Mehr als Tausend Dollar pro Minute. Selten wurde ein Crowdfunding-Ziel so schnell erreicht wie bei Oculus Rift, einer Virtual Reality-Brille. Binnen vier Stunden waren die 250.000 US-Dollar gesammelt, am Ende standen den Entwicklern mehr als zwei Millionen US-Dollar zur Verfügung. Letztes Jahr wurde das Unternehmen für 400 Millionen Dollar von Facebook gekauft. Bei vielen Kickstarter-Unterstützern sorgte das natürlich für Unmut, hatten sie mit ihren Beiträgen doch den Grundstein gelegt.

Bei einer Crowdinvesting-Plattform wäre das wahrscheinlich anders abgelaufen. Hier sind die Zahlenden keine Spender, sondern Investoren und am Erfolg des Projektes auf unterschiedliche Weisen beteiligt.

Österreichische Pioniere

Was in den USA von großen Crowdfunding-Plattformen wie Indiegogo nun angedacht wird, besteht in Österreich schon mehrere Jahre. Mit Conda gründeten Daniel Horak und Paul Pöltner 2013 die erste europäische Plattform, auf der jeder zum Investor werden kann – der Mindestbetrag liegt bei 100 Euro. 32 Projekte wurden bis jetzt erfolgreich finanziert.

"Die Idee dahinter ist wirklich eine Art Demokratisierung der Finanzierung", sagt Horak. Durchschnittlich investieren Geldgeber bei Conda 850 Euro, über 80 Prozent bleiben aber bei Beträgen unter 500 Euro.

Reaktionen "typisch österreichisch"

Die Reaktionen auf die alternative Finanzierungsform seien bei der Gründung "typisch österreichisch" gewesen: "Negativ auf Grund von Unwissenheit", sagt Horak. Jetzt sei das Gegenteil der Fall. Selbst Banker würden sich nicht bedroht sehen, von dieser Seite kämen häufig sogar Tipps, welche Unternehmen besonders geeignet für das Eigenkapital durch Conda wären, um von den Banken mit Fremdkapital ausgestattet zu werden. Die Bonität verbessert sich durch eine hohe Eigenkapitalquote. "Wir sehen uns nicht als Ersatz klassischer Finanzierung, sondern als Ergänzung", sagt Horak.

Gesetzlicher Rahmen da

Seit 1. September gibt es in Österreich für "Schwarmfinanzierung" einen gesetzlichen Rahmen: Das Alternativfinanzierungsgesetz. Statt wie bisher ab 250.000 Euro muss jetzt erst ab fünf Millionen Euro ein voller Kapitalmarktprospekt erstellt werden. Unterhalb dieses Werts gelten reduzierte Offenlegungspflichten. In der Szene war das Echo über die neuen rechtlichen Regelungen durchaus positiv. Steuerliche Erleichterungen, etwa in Form von Freibeträgen wie in Großbritannien, steht bei vielen als nächstes auf der Wunschliste.

Mit dem neuen Gesetz hofft Horak auch bei kleinen und mittleren Unternehmen verstärkt wahrgenommen zu werden, um nicht immer nur mit Start-ups in Verbindung gebracht zu werden. "Obwohl es den ganzen Crowdfunding-Hype gibt, sind wir eigentlich noch eine Nische in Österreich. Wir wollen eine breitere Masse erreichen.

Beliebtheit nimmt europaweit zu

Europaweit geht es bereits steil nach oben: Laut einer aktuellen Cambridge-Studie ist das Crowdfunding-Volumen in Europa um 144 Prozent auf fast drei Milliarden Euro gesteigen. Für dieses Jahr wird ein weiterer Ansteig von sieben Milliarden vorausgesagt. Am beliebtesten ist die Schwarmfinanzierung in Großbritannien: 2014 investierten die Briten 90 Mal so viel in Crowdfunding-Projekte, wie Österreicher. Meist dominieren die großen Plattformen wie Kickstarter und Indiegogo.

Das war mit ein Grund, weshalb Horak und Pöltner sich für Crowdinvesting im Gegensatz zum klassischen Crowdfunding entschieden. "In der Eigenkapitalfinanzierung herrschte außerdem Marktversagen. Crowdinvesting war da eine spannende Antwort. (lhag, 7.10.2015)

  • Während man bei Crowdfunding-Plattformen mit seiner Unterstützung eigentlich nicht mehr als ein Spender ist (der manchmal dafür kleinere Geschenke bekommt), kann man mit Crowdinvesting vom Erfolg des unterstützen Projektes auch längerfristig profitieren.
    foto: istock

    Während man bei Crowdfunding-Plattformen mit seiner Unterstützung eigentlich nicht mehr als ein Spender ist (der manchmal dafür kleinere Geschenke bekommt), kann man mit Crowdinvesting vom Erfolg des unterstützen Projektes auch längerfristig profitieren.

  • Daniel Horak, Co-Gründer der Crowdinvesting-Plattform Conda, sieht die neuen gesetzlichen Regelungen als "Schritt in die richtige Richtung", wünscht sich aber vor allem beim Thema Steuern noch Bewegung, etwa in Richtung Freibeträge.
    foto: anja grundböck

    Daniel Horak, Co-Gründer der Crowdinvesting-Plattform Conda, sieht die neuen gesetzlichen Regelungen als "Schritt in die richtige Richtung", wünscht sich aber vor allem beim Thema Steuern noch Bewegung, etwa in Richtung Freibeträge.

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