Moto G 3: Solides Mittelklasse-Smartphone im Test

3. Oktober 2015, 09:52
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Die dritte Generation des Motorola-Handys überzeugt mit verbesserter Kamera und handlicherem Design

Seit Sommer ist die mittlerweile dritte Generation von Motorolas günstigem Android-Smartphone Moto G im Handel erhältlich. Seit 2. Oktober bietet es auch "3" als einziger Mobilfunker in Österreich samt Handyvertrag ab 0 Euro an. Der WebStandard wirft einen Blick auf das neue Modell, das sich im Test als solides Budget-Smartphone präsentiert. Vor allem im Vergleich zum Vorgänger sorgt das Moto G 3 jedoch nur für wenige Überraschungen.

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Das Motorola Moto G in der dritten Generation.

Motorola legt Preislatte höher

Die zweite Generation des Moto G dürfte vor allem in den letzten Monaten in Österreich Bekanntheit erlangt haben. Zur Bewerbung seines Mobilfunkanbieters HoT bietet Hofer das Gerät zu besonders günstigen Kampfpreisen an – knapp unter 170 Euro. Der Nachfolger mit seiner etwas besseren Ausstattung legt die Preislatte nun höher. Die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers liegt bei 229 Euro – im Einzelhandel sind die Preise inzwischen jedoch bereits auf rund 200 Euro abgerutscht.

Top-Modell um 259 Euro

Dafür erhält man beim Moto G 3 laut Datenblatt einen moderneren Prozessor, eine leistungsfähigere Kamera, eine höhere Akkukapazität und ein wasserfestes Gehäuse. Der interne Speicher besitzt mit 8 GB so viel Platz wie der Vorgänger, der RAM bleibt ebenfalls bei einer Größe von 1 GB. Um 259 Euro bietet Motorola jedoch auch ein besser ausgestattetes Modell an, das derzeit jedoch kaum verfügbar ist. Bei diesem ist doppelt so viel interner Speicherplatz und RAM vorhanden.

Mittelklasse-Hardware

Das Moto G 3 ist mit einem Snapdragon 410, dessen vier Prozessorkerne mit 1,4 GHz takten, ausgestattet. Der Vorgänger musste noch mit einem Quad-Core-Prozessor des Typs Snapdragon 400 mit einer Taktfrequenz von 1,2 GHz auskommen. Der Mittelklasse-Prozessor erledigt die durchschnittlichen Anforderungen an ein Smartphone dabei mit Bravur – Internetsurfen, E-Mail, Kamera oder Navigation stellen für das Gerät keine besonderen Herausforderungen dar und werden weitgehend ruckelfrei dargestellt.

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Links das Moto G 3, rechts der Vorgänger

RAM-Ausstattung

Ins Schwitzen brachten wir die Hardware lediglich bei der Darstellung von aufwändigeren 3D-Spielen. Als kleiner Flaschenhals erwies sich zudem der mit 1 GB nicht allzu üppig ausgestattete RAM. Vor allem bei längerer Nutzung und mehrerer im Hintergrund geöffneter Apps beeinträchtigten Ruckler die Benutzererfahrung. Zwar bietet Motorola für etwas mehr Geld auch die doppelte Menge an Arbeitsspeicher, bei unserem Testmodell handelte es sich jedoch um die günstigere Variante.

Benchmarks

In ein paar gängigen Benchmarks haben wir die Leistung des Moto G 3 auf den Prüfstand gestellt. Beim AnTuTu-Benchmark erreicht das Gerät 22.729 Punkte. Zum Vergleich: Die 2013 erschienenen HTC One und Samsung Galaxy S4 erreichen rund 26.000 Punkte, das Moto G 2 erreicht 18.970 Zähler. Im "Epic Citadel"-Grafikbenchmark, der auf der Unreal Engine 3 basiert, kommt das Moto G 3 bei höchsten Grafikeinstellungen auf durchschnittlich 30,6 Bilder pro Sekunde.

Außerdem haben wir das Moto G 3 noch im populären Geekbench 3 etwas ins Schwitzen gebracht. Das Motorola-Handy erreicht dort im Single-Core-Test 496 und im Multi-Core-Test 1.472 Punkte. Der Vorgänger lieferte im Benchmark 343 bzw. 1.168 Punkte ab. Das Ergebnis des Moto G 3 ist in etwa vergleichbar mit einem LG Nexus 4 (488 Punkte Single-Core) bzw. dem Samsung Galaxy Note II (1.434 Punkte Multi-Core).

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Das neue Moto G 3 liegt durch die neue Rückseite besser in der Hand als der Vorgänger.

Display

Beim Bildschirm des Moto G 3 hat sich im Vergleich zum Vorgänger, dessen Display bereits auf einem recht anständigen Niveau war, kaum etwas verändert. Es misst in der Diagonale weiterhin 5 Zoll bei einer Auflösung von 1.280 x 720 Bildpunkten (720p). Die Pixeldichte liegt damit bei 294 ppi (Pixel pro Zoll). Das ist zwar nicht auf einer Ebene mit aktuellen Top-Smartphones, aber durchaus ein sehr akzeptabler Wert. Auch sonst zeichnet sich das Display mit satten Farben und guten Helligkeitswerten aus.

Design

Die Front des Smartphones wird von einer Glasabdeckung aus widerstandsfähigem Gorilla Glass 3 geschützt, die Rückseite besteht aus einer abnehmbaren Kunststoffabdeckung. Durch die Wölbung der Rückseite liegt das Smartphone sehr gut in der Hand, lässt sich dadurch aber wiederum nicht plan auf dem Tisch ablegen. Die Kunststoffabdeckung des Moto G 3 ist fein gerillt, wodurch selbst bei feuchten Händen ein sicherer Halt garantiert sein sollte.

Die etwas griffigere Rückseite stellt dabei gleichzeitig auch den größten Unterschied beim Design des Moto G 3 im Vergleich zum Vorgängermodell dar. Dieses lag mit seiner nur leicht gummierten Kunststoffabdeckung noch rutschiger in der Hand. Insgesamt hinterlassen Design und Verarbeitung des Moto G 3 einen etwas wertigeren Eindruck. Vor allem der Alu-Rahmen und die Alu-Zierleiste an der Rückseite setzen Akzente, die beim Moto G 2 noch gefehlt haben.

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Das Kunststoff-Cover an der Rückseite bietet durch die Rillen sicheren Halt.

Unter der Haube

Nimmt man die Kunststoffrückseite ab, offenbart sich das Aluminiumgehäuse des Moto G 3. Zwei Öffnungen sind für die Micro-SIM und die MicroSD vorgesehen. Sonst gibt es hier kaum etwas zu entdecken. Der Akku ist wie beim Vorgänger nicht zugänglich. Der SIM-Einschub ist zwar mit "SIM 1" beschriftet, eine Dual-SIM-Variante wie beim Vorgänger gibt es jedoch nur in ausgewählten Märkten.

Erhöhte Akkukapazität

Den Akku hat Motorola erfreulicherweise ausgebaut, obwohl bereits das Moto G 2 nicht unter einer schlechten Akkulaufzeit litt. Die Kapazität beträgt nun 2.470 mAh statt 2.070 mAh. Bei unseren Tests begleitete uns das Smartphone selbst bei anspruchsvoller Nutzung durch den Tag. Bei normaler Verwendung hält der Akku des Moto G 3 ohne Probleme eineinhalb bis zwei Tage durch – tolle Leistung.

Abmessungen

Dafür wird das Gerät jedoch keine Schlankheitspreise gewinnen. An der dicksten Stelle misst das Moto G 3 11,6 Millimeter und ist damit sogar noch geringfügig dicker geworden als der Vorgänger. Vor allem im Vergleich zu Premium-Smartphones fällt der Unterschied sehr stark auf. Mit einem Gewicht von 155 Gramm ist der 5-Zöller zudem nicht gerade ein Fliegengewicht. Die angenehme und handliche Form kaschiert das Gewicht jedoch sehr gut.

Speicherplatz knapp bemessen

Über eine MicroSD-Karte lässt sich der interne Speicherplatz erweitern, Motorola unterstützt offiziell Speicherkarten bis mit zu 32 GB. Das ist auch bitter notwendig. Vor allem beim 8-GB-Modell ist der Speicherplatz äußerst knapp bemessen. Neben den Systemdateien und den von Motorola vorinstallierten Apps stehen nur noch knapp 3 GB freier Speicherplatz zur Verfügung. Motorola hätte hier ruhig die 8-GB-Variante kippen können.

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Hinter der Abdeckung an der Rückseite verbergen sich SIM- und MicroSD-Slot. Austauschbaren Akku gibt es keinen.

Tauchgang

Insgesamt präsentiert sich das Innere des Moto G 3 sehr zugeknöpft. Verwunderlich ist das aber nicht. Immerhin ist das neue Modell nach dem IPX7-Standard wassergeschützt. Genauer gesagt bedeutet dies, dass das Moto G 3 einen 30-minütigen Tauchgang in bis zu einem Meter Tiefe unbeschadet überstehen kann. Darauf ankommen lassen wollten wir es in unserem Test aber nicht – eine gewisse Hemmschwelle, ein Smartphone baden zu schicken, ist ja doch noch vorhanden.

Kamera

Größte Änderung beim Moto G 3 dürfte die Kamera darstellen. Die erste Generation des Moto G litt noch unter einer vergleichsweise schlechten Kamera, mit dem Vorjahresmodell hat Motorola in diesem Bereich bereits deutlich nachgebessert. Beim Moto G 3 wurde die Kameraqualität nun erneut verbessert. Die Auflösung wurde von 8 auf bis zu 13 Megapixel hochgefahren, Videos nimmt das Moto G 3 in Full-HD mit 30 Bildern pro Sekunde statt in 720p auf.

Dual-LED

Im Vergleich zum Vorjahr wirkt die Farbdarstellung genauer und die Fotos hinterlassen insgesamt einen etwas schärferen Eindruck. Auch die Frontkamera wurde nicht ausgelassen – sie nimmt Selfies nun mit 5 statt wie bisher 2 Megapixel auf. Der LED-Blitz an der Rückseite wurde gegen einen Dual-LED-Blitz getauscht, der durch verschiedenfarbige Dioden für eine etwas wärmere Ausleuchtung der Szenerie sorgt. Kurzum: Für ein Smartphone dieser Preisklasse liefert das Moto G 3 sehr anständige Bilder.

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Selbst von sehr kurzer Entfernung kann das Moto G 3 noch fokussieren.

Selbst von sehr kurzer Entfernung kann das Moto G 3 noch fokussieren.

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Bei der Innenaufnahme unter Kunstlicht entstand ein recht körniges Bild.

Fast "nacktes" Android

Android-Puristen wird es freuen, dass sich Motorola softwareseitig mit Anpassungen sehr zurückgehalten hat – das Interface entspricht fast exakt einem reinen Android. Lediglich ein paar hauseigene Programme, die jedoch bereits auf Material-Design umgestellt wurden, sind vorinstalliert. Zudem gibt es ein paar sinnvolle Ergänzungen. So lässt sich etwa durch eine schnelle Handbewegung, als würde man mit einem Smartphone schlagzeugspielen, die Taschenlampe ein- und wieder ausschalten.

Unser Testgerät läuft mit Android-Version 5.1.1 "Lollipop", das Update auf das kürzlich veröffentlichte Android 6.0 "Marshmallow" soll angeblich noch in diesem Jahr erscheinen. Das Moto G 2 in unserer Redaktion läuft hingegen noch unter Android 5.0.2, Updates auf 5.1.1 und 6.0 sollen jedoch ebenfalls noch erscheinen.

Fazit

Motorola präsentiert mit dem Moto G 3 ein solides Mittelklasse-Smartphone, das sich letztendlich jedoch nur in wenigen Punkten vom Vorgänger ausreichend absetzen kann. Allen voran wäre hier die Kamera zu nennen, die für ein Smartphone dieser Preisklasse sehr ordentliche Ergebnisse liefert. Wünschenswert wäre gewesen, dass 16 GB interner Speicher und 2 GB RAM zum Standard werden, stattdessen hat sich der Hersteller jedoch dazu entschlossen die Modelle aufzusplitten.

Denn 8 GB Speicherplatz und nur 1 GB RAM erscheinen für ein Android-Smartphone der Mittelklasse mit einer Preisempfehlung jenseits der 200 Euro für das Jahr 2015 kaum noch zeitgemäß. Preisbewusste Kunden wären damit wohl besser beraten, im Abverkauf zum noch günstigeren Moto G 2 zu greifen, das nur geringfügig weniger Leistung bietet. Ansonsten ist das etwas teurere, dafür aber auch zukunftssicherere Moto G 3 in der Top-Ausstattung eine gute Wahl. (Martin Wendel, 3.10.2015)

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