Jörg Kachelmann: Ein Wetterfrosch klettert wieder die Leiter hinauf

1. Oktober 2015, 10:49
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Die angebliche Vergewaltigung 2010 spaltete das Leben des Wettermoderators in ein Davor und ein Danach. Heute schlägt der 57-Jährige zurück

Vielleicht ist er ja gar kein Wetterfrosch, sondern ein Chamäleon. Kaum ein Prominenter hat der Öffentlichkeit in den vergangenen Jahren so viel Farbenspiel gezeigt wie Jörg Kachelmann. Am Mittwoch kam noch eine Facette dazu: Der Wetterexperte erstritt von "Bild" eine Rekordentschädigung von 635.000 Euro, weil das Springer-Blatt über Kachelmanns Vergewaltigungsprozess rufschädigend berichtet hatte.

Die angebliche Vergewaltigung im Jahr 2010 war es, die Kachelmanns Leben in ein Davor und ein Danach aufspaltete. Davor war er ein beliebter Moderator und Wetterexperte. Er wächst im schweizerischen Schaffhausen auf. Nicht viel los dort. Also starrt der junge Kachelmann stundenlang in den Himmel und beobachtet das Geschehen. Später studiert er Geografie, Mathematik, Physik sowie Meteorologie und gründet 1991 die Meteomedia AG.

Doch er ist keiner, der sich bloß im stillen Kämmerlein an trockenen Fakten ergötzt. Kachelmann will ins Fernsehen und schafft es dort auch bis ganz nach oben. In der ARD, kurz vor der "Tagesschau", schwärmt er von "Blumenkohlwölkchen" und präsentiert das Wetter so lässig, dass er auch noch Talkshows moderieren darf ("Riverboat", "Kachelmanns Spätausgabe").

Und dann beginnt das Danach. Am 20. März 2010 wird Kachelmann festgenommen. Er soll seine ehemalige Partnerin vergewaltigt und gewürgt haben. Kachelmann kommt in U-Haft. "Ich bin unschuldig", ruft er, bevor er im Gefängnis verschwindet.

Von ihm hört man dann längere Zeit nichts, über ihn aber liest man umso mehr. Der Boulevard stürzt sich mit Wonne auf Kachelmann und leuchtet dessen Privatleben bis in die dunkelsten Winkel aus. Aus dem lustigen Wetterfrosch mit dem Bubencharme wird der brutale Betrüger, der stets mehreren Frauen gleichzeitig das Blaue vom Himmel verspricht.

Vor allem "Bunte" und "Bild" – Letztere mithilfe von Alice Schwarzer – geizen nicht mit Details. 2011 wird Kachelmann freigesprochen, sein Leben aber liegt in Trümmern. Er verliert seine TV-Jobs, sein Vermögen, Teile seiner Firma, der Ruf ist ohnehin ruiniert.

Doch der heute 57-Jährige schlägt mit seiner neuen Frau, mit der er auch einen Sohn hat, zurück. Er erstreitet von "Bild" und der "Bunten" Schmerzensgeld, er will von der Ex-Freundin Schadenersatz. Denn während seiner U-Haft, erzählt er dem "Spiegel", habe er sich eines geschworen: "Allen auf den Sack gehen, die mir das Leben schwergemacht haben." (Birgit Baumann, 1.10.2015)

  • Jörg Kachelmann erstreitet eine Rekordentschädigung von "Bild".
    foto: apa/dpa/oliver berg

    Jörg Kachelmann erstreitet eine Rekordentschädigung von "Bild".

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