Bevölkerung der Marshallinseln mit Right Livelihood Award geehrt

1. Oktober 2015, 10:30
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Auszeichnung im Zeichen von Minderheitenrechten und der Versorgung von Kriegsopfern

Stockholm/Majuro – Die Right Livelihood Awards, die sogenannten Alternativen Nobelpreise, stehen unter anderem im Zeichen der weltweiten Antiatombewegung. Der nicht dotierte Ehrenpreis geht in diesem Jahr an die Bevölkerung der Marshallinseln und deren Außenminister Tony de Brum, die versuchen, die weltweiten Atommächte mit völkerrechtlichen Mitteln zur Einhaltung ihrer Pflichten aus dem Atomwaffensperrvertrag zu zwingen.

Die mit jeweils einer Million schwedischen Kronen (106.000 Euro) dotierten Preise gehen an die kanadische Urbevölkerungsexpertin Sheila Watt-Cloutier, die Uganderin Kasha Jaqueline Nabagesera für ihren Einsatz für die Rechte sexueller Minderheiten in Afrika und an den italienischen Arzt und Antikriegsaktivisten Gino Strada.

"Unermüdliche Arbeit"

"Mit ihrer unermüdlichen Arbeit, an den Schauplätzen globaler Krisen und in Gerichtssälen, verteidigen sie die Werte, die vor 70 Jahren zur Gründung der Vereinten Nationen führten", sagte der Geschäftsführer der Stiftung, Ole von Uexküll, über die vier Preisträger. "Im Angesicht sich zuspitzender humanitärer Notstände bieten sie konkrete Antworten auf die großen Herausforderungen unserer Zeit wie Krieg, Klimawandel und Diskriminierung."

Die Alternativen Nobelpreise wurden vor 35 Jahren vom Onkel des Geschäftsführers, dem Philanthropen und Vordenker Jakob von Uexküll, ins Leben gerufen. Im Vorjahr hatte die Verleihung an den US-Aufdecker und ehemaligen NSA-Mitarbeiter Edward Snowden für Aufregung gesorgt, weil die Information einen Tag vorher an das schwedische Außenministerium durchgesickert war. Die traditionelle Bekanntgabe der Preisträger wurde daraufhin gestrichen. Inoffiziellen Informationen zufolge kam die Anweisung dazu direkt vom damaligen Außenminister Carl Bildt. (APA, 1.10.2015)

Die Right-Livelihood-Stiftung führt in der Begründung für die Auszeichnung folgende Kurzbiografien der Geehrten an:

foto: reuters / darren ornitz
Tony de Brum hat sein Leben der Unabhängigkeit, Sicherheit und Zukunftsfähigkeit der Marshallinseln gewidmet. Er hat der Vision seiner Landsleute von einer atomwaffenfreien Welt international Geltung verschafft. Nachdem er als Jugendlicher die amerikanischen Atomtests auf den Marshallinseln erlebt hatte, unternahm de Brum 2014 als Außenminister den noch nie da gewesenen Schritt, Klagen gegen alle neun Atomwaffenstaaten vor dem Internationalen Gerichtshof einzureichen, da sie ihren Abrüstungspflichten im Rahmen des Atomwaffensperrvertrags nicht nachkommen. Als Architekt der Majuro-Deklaration von 2013 war de Brum auch maßgeblich daran beteiligt, dass sich die pazifischen Inselstaaten zu konkreten Klimaschutzmaßnahmen verpflichteten.



foto: ap / chris windeyer
Sheila Watt-Cloutier ist eine erfolgreiche Vorkämpferin für die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte der arktischen Inuit. Als gewählte Vertreterin ihres Volkes sorgte sie dafür, das Bildungssystem der Provinz Nunavik in Nordquebec besser an das Leben und die Bedürfnisse der Inuit anzupassen. Sie war eine einflussreiche Kraft hinter der Verabschiedung der Stockholm-Konvention für das Verbot langlebiger organischer Schadstoffe, die sich in der arktischen Nahrungskette besonders stark anreichern. Und sie hat durch ihren Einsatz maßgeblich den Diskurs über den Klimawandel beeinflusst, indem sie der internationalen Gemeinschaft vor Augen führte, wie ungehemmte Treibhausgasemissionen die kollektiven Menschenrechte der Inuit verletzen.



foto: apa / epa / tobias boley
Kasha Jacqueline Nabagesera gilt als eine der mutigsten Menschenrechtsaktivistinnen Afrikas. In einem aggressiven und repressiven Umfeld prangert sie Menschenrechtsverletzungen an und nutzt erfolgreich das Justizsystem, um die Rechte von LGBTI-Menschen voranzubringen. Unter Gefahr für das eigene Leben geht sie gegen diskriminierende Gesetze vor und schafft es mit ihrer kreativen und richtungsweisenden Arbeit, Mythen und Stereotype über LGBTI in Uganda und weltweit abzubauen.


foto: apa / epa / emergency
Gino Strada ist ein italienischer Chirurg, der mit der Organisation Emergency seit zwei Jahrzehnten für eine hochwertige medizinische und chirurgische Versorgung der Opfer von Kriegen und Verfolgung arbeitet. Von Afghanistan bis zum Sudan betreibt Emergency mehr als 60 Krankenhäuser, Kliniken und Erste-Hilfe-Stationen, oft in Zusammenarbeit mit den Regierungen vor Ort. Dabei sorgt die Organisation dafür, dass die aufgebauten Strukturen und medizinischen Kenntnisse auch nach Ende der Notsituation im Land bleiben und sich dort weiterentwickeln. Strada und Emergency haben sich auch mit Nachdruck gegen die Krieg und menschlichem Leid zugrunde liegenden Ursachen eingesetzt und sich unüberhörbar gegen die militärische Beteiligung Italiens an den Kriegen in Afghanistan und im Irak ausgesprochen. Sie spielten eine führende Rolle in der Kampagne gegen die Verbreitung von Landminen, die 1997 in Italien in ein Verbot der Produktion und Nutzung von Landminen mündete.
  • Atomtest im Juli 1964 nahe dem Bikini-Atoll, einem Teil des Territoriums der Marshallinseln.
    foto: reuters

    Atomtest im Juli 1964 nahe dem Bikini-Atoll, einem Teil des Territoriums der Marshallinseln.

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