Iran unterstützt Russlands Luftangriffe in Syrien

1. Oktober 2015, 16:23
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USA und Russland wollen Luftschläge besser koordinieren, Saudi-Arabien fordert einen sofortigen Stopp der russischen Angriffe

New York – Der Iran hat am Donnerstag den Einsatz russischer Kampfflugzeuge in Syrien begrüßt und seine Unterstützung angekündigt. "Das ist ein erster praktischer Schritt im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat, um eine Lösung zu ermöglichen", sagte Außenministeriumssprecherin Marziyeh Afkham. Der russische Einsatz sei auch im Einklang mit völkerrechtlichen Standards, weil er offiziell von der syrischen Regierung angefordert worden sei. Daher werde der Iran dem russische Engagement auch Hilfe leisten.

Der oberste religiöse Führer des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, forderte am Vormittag die Streitkräfte seines Landes auf, ihre Kampfbereitschaft zu erhöhen, um so potenzielle Angreifer abzuschrecken. Wie Russland steht auch der Iran auf der Seite des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad. Der Iran plädiert für sofortige Verhandlungen aller Streitparteien, um eine diplomatische Lösung im Syrien-Konflikt zu erreichen. Von dem Chaos im Land würde nur weiterhin der IS profitieren.

Russland und USA vor eiligen Gesprächen

Militärexperten aus den USA und Russland sollen sich unterdessen so schnell wie möglich wegen der Luftschläge in Syrien koordinieren. Die Außenminister John Kerry und Sergej Lawrow sagten am Mittwochabend, entsprechende Gespräche könnten bereits am Donnerstag stattfinden. Sie sollen verhindern, dass die USA und Russland einander versehentlich in die Quere kommen.

Die jüngsten russischen Luftangriffe haben für Kritik gesorgt. US-Regierungsvertreter bezweifelten, ob der Einsatz tatsächlich dem IS galt oder nicht doch den Rebellen, die seit mehr als vier Jahren versuchen, den mit Russland verbündeten Präsidenten Bashar al-Assad zu stürzen. Die USA fliegen bereits mit Frankreich und anderen Verbündeten Angriffe gegen den IS in Syrien und dem Irak.

Zweifel an Angaben aus Moskau

Nach der massiven Verstärkung seiner Militärpräsenz in Syrien hatte Russland am Mittwoch erstmals Luftangriffe geflogen. Auch am Donnerstag setzte Moskau die Einsätze fort: Laut Medienberichten bombardierten Kampfflugzeuge die nordwestliche Stadt Dschisr al-Schughur, wo auch Verbände des Al-Kaida-Ablegers Nusra-Front stationiert seien. Die Rede war gegen Mittag von ungefähr 30 neuen Luftschlägen.

Die Regierungen Frankreichs, Großbritanniens und der USA sowie die Nato meldeten schon am Mittwoch massive Zweifel daran an, dass die Schläge dem IS gelten. Auch syrische Aktivisten sagten, die Angriffe hätten die Gegner Assads, nicht aber den IS getroffen. Es habe Dutzende zivile Opfer gegeben. US-Verteidigungsminister Ashton Carter erklärte, es sehe nicht danach aus, dass die Angriffe Jihadisten-Gebiete getroffen hätten. Er warf Russland vor, mit dem Einsatz "Öl ins Feuer" zu gießen. "Das russische Vorgehen ist zum Scheitern verurteilt", so Carter.

Putin verteidigt Angriffe

Kremlchef Wladimir Putin hat Berichte über den Tod von Zivilisten bei russischen Luftangriffen in Syrien als feindliche Propaganda bezeichnet. "Die ersten Informationen darüber waren schon aufgekommen, bevor unsere Kampfflieger in den Himmel gestiegen waren", sagte Putin vor dem russischen Menschenrechtsrat in Moskau am Donnerstag. Er sprach von "Informations-Attacken".

Lawrow verteidigt Angriffe

Das russische Verteidigungsministerium bestätigte hingegen "Präzisionsangriffe" auf militärische Ausrüstung sowie Waffen- und Munitionslager des IS. Demnach gab es 20 Angriffe auf acht Ziele, darunter "eine Kommandostellung der Terroristen". Diese seien vollständig zerstört worden.

Auch Außenminister Lawrow wies Zweifel an den Zielen der Luftangriffe zurück. Die Gerüchte, dass sie nicht dem IS gelten, seien unbegründet, sagte er am Donnerstag nach dem Treffen mit Kerry. Es gebe auch keine Hinweise darauf, dass bei den Angriffen Zivilisten getötet wurden.

Harte Kritik auch aus Saudi-Arabien

Saudi-Arabien forderte Russland unterdessen am Donnerstag auf, die Luftangriffe einzustellen. Die Regierung sei sehr besorgt über die Militäreinsätze rund um die Städte Homs und Hama, sagte der saudische Botschafter Abdallah al-Mouallimi am Mittwoch vor den Vereinten Nationen in New York.

Die Angriffe hätten Gebiete getroffen, in denen der IS gar nicht präsent sei. Bei den Einsätzen seien zahlreiche unschuldige Menschen ums Leben gekommen, sagte er laut dem saudischen Staatsfernsehen. "Wir fordern, dass sie eingestellt und nicht wieder aufgenommen werden." (Reuters, APA, dpa, 1.10.2015)

  • Weiterer Abstimmungsbedarf: Außenminister Sergej Lawrow (li.) und John Kerry.
    foto: reuters / darren ornitz

    Weiterer Abstimmungsbedarf: Außenminister Sergej Lawrow (li.) und John Kerry.

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