Weitere Schwachstelle im HI-Virus entdeckt

1. Oktober 2015, 10:51
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Forscher entdeckten zwei Proteine, die die Infektionsfähigkeit von Retroviren deutlich beeinflussen können

Trento/Worcester – Dass das Protein Negative Regulatory Factor (Nef) das HI-Virus und auch andere Retroviren dabei unterstützt, Immunzellen zu infizieren, ist schon länger bekannt. Nun entdeckten Forscher aus Italien und den USA zwei Proteine, die diese gefährliche Wirkung offenbar zumindest teilweise unterdrücken können: Wie die Wissenschafter in zwei Studien im Fachblatt "Nature" berichten, beeinflusst die Anzahl der Moleküle von SERINC5 und SERINC3 die Infektionsfähigkeit des HI-Virus deutlich.

Dem ersten Team um Massimo Pizzato von der Universität Trento gelang es, Nef in HI-Viren künstlich auszuschalten und so herauszufinden, welche Zellen für eine Infektion mehr oder weniger anfällig sind. Es zeigte sich, dass jene Zellen am wenigsten leicht infiziert werden, in deren Membranhüllen das Protein SERINC5 in großen Mengen vorhanden ist.

Die Forscher um Heinrich Göttlinger von der University of Massachusetts Medical School in Worcester wiederum bestätigten dieses Resultat auch für ein zweites Protein, SERINC3. Den Mechanismus erklären die Forscher in etwa so: Ein HI-Virus mit ausgeschaltetem Nef-Protein kann eine Immunzelle zwar problemlos infizieren, und das Virus reproduziert sich normal. Tritt es aber wieder aus, um eine weitere Zelle zu infizieren, nimmt es einen Teil der infizierten Zellmembran mit, um seine eigene Membran zu bilden.

Mit der Membran wandern aber auch die besagten Proteine mit, die sich dort befinden. Sobald das Virus nun aber eine weitere Zelle infizieren will, fungieren die Proteine wie Alarmsignale: Sie warnen die betroffene Zelle vor der Ankunft des Erregers und machen sie weit weniger anfällig. Nun soll untersucht werden, wie dieser Mechanismus für neue therapeutische Ansätze nutzbar gemacht werden kann. (APA, red, 1.9.2015)

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