Teure Vorbereitung ohne Aussicht auf einen Studienplatz

Mit den Aufnahmeprüfungen wächst der Markt für kostenpflichtige Vorbereitungskurse. Das Wissenschaftsministerium ist gegen die Kurse, Studentenvertreter sehen darin soziale Selektion

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1. Oktober 2015, 09:00

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, wenn man blind eine Kugel mit einer Zahl darauf aus einer Urne nimmt und sie zurücklegt, dieselbe zu ziehen? Das musste Marie recht oft berechnen. Die Maturantin besuchte im Sommer einen Vorbereitungskurs für die Aufnahmeprüfung des Psychologiestudiums. An vier Terminen wollte sie alles Nötige für den dreiteiligen Test lernen: psychologisches Wissen, Englisch und eben Methodik. "Bei der Prüfung kam keine einzige Wahrscheinlichkeitsrechnung", sagt Marie.

illustratoin: armin karner

Dennoch würde die 18-Jährige den Kurs empfehlen: "Wenn man vorher aus dem Buch gelernt hat, ist es eine gute Vertiefung." Eine Probeklausur schloss den Kurs ab. Allerdings ohne Feedback, wie Marie bedauert. Sie wollte "alle möglichen Angebote nutzen, um die Prüfung zu schaffen". Zusätzliche Bücher, Onlinekurse und Vorbereitungstests – alles um etwa 450 Euro – sollten den Weg zum Traumstudium ebnen.

Die Antwort des Marktes

Seit 2005 gibt es zugangsbeschränkte Studiengänge. In vielen Fällen müssen Studienanwärter eine Aufnahmeprüfung bestehen, um studieren zu dürfen. Die Antwort des Marktes: Vorbreitungskurse für die Prüfungen. "Diese kostenpflichtigen Kurse verschlechtern die soziale Durchmischung an den Unis", sagt Martha Eckl, Referentin für Hochschulpolitik der Arbeiterkammer. Für Menschen aus finanziell schlechter gestellten Familien seien die Vorbereitungskosten für einen Aufnahmetest "eine Investition, die sich nicht lohnt". "Die Kursinstitute sagen zwar, dass sich das auszahlt, aber es gibt keine konkreten Zahlen über tatsächliche Erfolgsquoten", sagt Eckl.

Bereits die Lernmaterialien seien für manche eine große Investition. Nach einem Entwurf für das neue Universitätsgesetz, sollen daher Lernunterlagen künftig gratis zur Verfügung gestellt werden. Zudem sollen Aufnahmeverfahren niemanden mehr aufgrund des Geschlechts oder seiner sozialen Herkunft diskriminieren. Die Unis sind zuständig dafür, dass das eingehalten wird.

Auch sollen die Tests so gestaltet sein, "dass keine zusätzlichen Kurse zu absolvieren sind", heißt es aus dem Wissenschaftsministerium. "Wir müssen schauen, dass Kinder von Nichtakademikern oder Migranten häufiger studieren", sagt Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) dem UniSTANDARD.

"Schieflage" in der Medizin

Erhebungen des Ministeriums zeigen "keine Verschlechterung der sozialen Zusammensetzung" durch die Einführung der Zugangsbeschränkungen. Ein Sonderfall sei die Medizin: Hier gebe es eine "Schieflage" der sozialen Zusammensetzung zugunsten bildungsnaher Studierender. Diese Situation gab es aber schon vor der Einführung der Beschränkungen.

"Je länger Zugangsbeschränkungen in Kraft sind, desto selektiver wirken sie", entgegnet ÖH-Vorsitzender Philip Flacke (FLÖ). So hätten die Kursinstitute Zeit, die Lernunterlagen besser an die Tests anzupassen. "Wenn man Kurse macht, hat man einen Vorteil gegenüber jenen, die sich das nicht leisten können oder keine Zeit dafür haben, weil sie arbeiten oder Kinder betreuen müssen."

Die finanziellen Mittel, die Studienanwärter für Aufnahmetests aufwenden, sind laut Studien des Wissenschaftsministeriums zwischen 2009 und 2014 stark gestiegen. Gaben 2009 nur 3,8 Prozent der Studienanwärter über 500 Euro aus, waren es im vergangenen Jahr 25,9 Prozent. Die Medizinanwärter zahlen dabei am meisten: Bis zu 1.357 Euro kostet ein Intensivkurs für Human- und Zahnmedizin. Eckl vermutet in der Medizin auch die meisten Teilnehmer. Denn: Für die 11.409 Bewerber für das Wintersemester gab es nur 1.561 Studienplätze. Auch in der Psychologie sind die Plätze knapp: Marie wird keinen davon belegen – wie sie vor zwei Wochen erfahren hat.



Acht Dinge, die den Uni-Start erleichtern

Die ersten Wochen des Studiums sind chaotisch, kompliziert und führen bei vielen Erstsemestrigen zur Verzweiflung.

Gründe gibt es viele: Orientierungslosigkeit in den vielen Unigebäuden und Hörsälen (Raum III ist nicht zu verwechseln mit Raum 3) ist für die Zugezogenen gleich eine doppelte Belastung.

Weiß man Bescheid, wo man hinmuss, ist das erste Hindernis schon überstanden. Ebenfalls wichtig: einen Plan zu haben, welche Veranstaltungen zu besuchen sind, wann sie stattfinden und ob man sich anmelden muss. Verpasste Fristen, Probleme mit dem Uni-Account, keine Seminarplätze – weitere Sorgen der ersten Tage. Folgende Tipps helfen weiter:

· Infos sammeln Das Erstsemester-Dasein fristet sich besonders gut in allen möglichen Infoveranstaltungen – sei es von der Studienrichtung, vom Institut oder der Uni. Hier gibt es nützliche Tipps, und man trifft auf Gleichgesinnte. Vielleicht hat der Sitznachbar ja auch Probleme beim Beantragen des Öffi-Tickets für Studierende?

· Anmeldung Kann man sich nicht zwischen Seminar X und Y entscheiden, sollte man sich gleich für beide anmelden – auch wenn sie sich zeitlich überschneiden würden. Das gilt besonders für Studierende beliebter Fächer. Ein guter Grundsatz während des Studiums ist: besser ein Seminarplatz zu viel – abmelden geht auch hinterher.

· Die erste Einheit Es mag auch andere Professorinnen und Professoren geben, aber bei den meisten gilt: Verpasse niemals die erste Einheit. Denn auch wenn die Freude über den ergatterten Platz groß war, an Tag eins werden diese Plätze erst fixiert.

· Warteliste Wer auf der Warteliste für das Wunschseminar landet, sollte zunächst nicht enttäuscht sein. Auch hier gilt der Tipp, auf jeden Fall zum ersten Termin zu erscheinen. Auch für Platz 50 könnte durch Absagen ein Stuhl frei werden.

· Eingangsphase erweitert Das Wort "Steop" klingt nicht nur ähnlich wie "Stopp", bis jetzt war es Erstsemestrigen auch kaum möglich, andere Lehrveranstaltungen außer der Studieneingangs- und Orientierungsphase zu belegen. Mit der aktuellen Novelle des Universitätsgesetzes ändert sich das: Studierende haben nun die Möglichkeit, Kurse vorzuziehen – je nach Curriculum bis zu 22 ECTS.

· Hilfe Wer nicht weiß, was ein Studienplanpunkt ist, warum (keine) Punkte zur LV-Anmeldung aufscheinen, was ein Präferenzsystem ist oder keine Lehrveranstaltungen findet, ist bei der Studien-Service-Stelle des eigenen Studiums immer gut aufgehoben. Hier laufen die organisatorischen Fäden hinter Lehrveranstaltungen zusammen.

· Mehr Hilfe Bei allen anderen Problemen oder Fragen gibt es meistens kompetente Hilfe bei der jeweiligen Studierendenvertretung. Die ÖH weiß Tipps und Tricks und bietet in vielen Fällen Beratung.

· Abseits des Hörsaals Die Uni spielt sich natürlich nicht nur in den Hörsälen und Bibliotheken ab. Es lohnt sich, sich über Zusatzangebote zu informieren: Sprachkurse oder Sportangebote von Anaerobem Krafttraining bis Zumba sind meist günstig (oder sogar gratis) und vielfältig. Auch nachts ist das Semesterstartangebot groß. Ganz so schrecklich sind die ersten Wochen dann doch nicht. (Lara Hagen, Oona Kroisleitner, Selina Thaler, 1.10.2015)

Info: Mit der App zum Traumstudium

Endlich ist die Matura bestanden. Aber was jetzt? In Österreich stehen über 2000 Studienrichtungen an über 50 Hochschulen zur Auswahl. Da fällt die Wahl schwer. Eine App soll Abhilfe schaffen. Unispotter soll bei der Suche nach der Traumuni helfen.

Von knapp 45.000 Studienanfängern und 20.000 Masterstudierenden brechen rund 30 Prozent ihr Studium vorzeitig ab. Viele geben als Grund an, andere Erwartungen gehabt zu haben. Den Staat kosten die Abbrüche nach Berechnungen von Unispotter jährlich 160 Millionen Euro. Die App, die ab Oktober downgeloadet werden kann, will vor allem eines: das Studienangebot überschaubar machen. "Ich war die Erste aus meiner Familie, die studiert hat. Es war schwierig, sich an der Uni einzufinden", sagt Mitbegründerin Verena Mai. Die Gründer wollen Beginner abholen und falsche Erwartungen abfangen.

User klicken Angaben an wie jene, dass sie in einer Stadt mit mehr als 200.000 Einwohnern leben wollen oder ob ihnen die Reputation der Uni wichtig ist. Danach kann man angeben, in welche Richtung es inhaltlich gehen soll. Das Ergebnis ist eine Reihung des Studienangebots nach den passendsten Treffern. Neben der Matching-Funktion erinnert die App an Fristen und vernetzt mit anderen, die sich für dieselbe Uni entschieden haben.