Zweifel an Platinis Erklärung für Millionenzahlung

30. September 2015, 15:43
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Der Uefa-Chef will auf jeden Fall für das Fifa-Präsidentenamt kandidieren

Paris/Zürich – Während die Rücktrittsforderungen gegen Fifa-Boss Joseph Blatter immer lauter werden, droht dem Fußball-Weltverband ein Machtvakuum, weil des Schweizers einstiger Kronprinz ebenso in den Korruptionsskandal verwickelt zu sein scheint, "Platini en danger" – Michel Platini in Gefahr, titelte die französische Tageszeitung "L'Équipe" am Mittwoch.

Trotz der drohenden Sanktionen durch die Fifa-Ethikkommission – in der Schweiz wird angeblich sogar ein Strafverfahren vorbereitet – strebt der 60 Jahre alte Präsident der Europäischen Fußball-Union weiter nach der Macht. "Ich bin immer noch entschlossen, für das Präsidentenamt der Fifa zu kandidieren, damit ich die Führungsreformen, die zur Wiederherstellung der Ordnung und Glaubwürdigkeit des Weltfußballs notwendig sind, veranlassen kann", sagte Platini der Nachrichtenagentur AFP.

Am 26. Februar soll Blatters Nachfolger gewählt werden, bis zum 26. Oktober läuft die Bewerbungsfrist. Neben Platini wollen unter anderen der südkoreanische Milliardär Chung Mong-Joon (63) und Brasiliens Idol Zico (62) zugelassen werden. Die Zeit läuft.

Mangel an integren Kandidaten

Das Horrorszenario, in dem keiner entweder den vorgeschriebenen "Integritätscheck" der Fifa-Ethiker besteht (Platini, Chung) oder die fünf nötigen Unterschriften vorbringt (Zico), ist derzeit sogar wahrscheinlich – dann würde Blatter (79) wegen fehlender Kandidaten Präsident bleiben. Die Hoffnung würde auf Außenseitern wie dem früheren südafrikanischen Freiheitskämpfer Tokyo Sexwale (62) ruhen. Ein wirklich guter Kandidat scheint zu fehlen.

Platini war ins Zwielicht geraten, weil in der Strafanzeige gegen Blatter, die den Weltverband ins Chaos gestürzt hatte, von einer "treuwidrigen" Zahlung in Höhe von zwei Millionen Schweizer Franken (1,83 Millionen Euro) die Rede ist, die Anfang 2011 auf Platinis Konto landete. Die Ermittler gehen von Schmiergeld aus, weil Platini seinen einstigen Ziehvater Blatter bei der Präsidentenwahl im selben Jahr unterstützte. Der Franzose streitet nicht die Zahlung, sondern den Verwendungszweck vehement ab.

Platini bekräftigte die Rechtmäßigkeit der Zahlung, er habe sie für seine Beratertätigkeit bei der Fifa (1999 bis 2002) nur mit Verspätung erhalten – das sei an der damaligen finanziellen Situation der Fifa gelegen. "An meiner Integrität besteht kein Zweifel. Ich habe nichts Falsches getan", sagte er.

Von der Schweizer Bundesanwaltschaft wurde Platini als "Auskunftsperson" vernommen. Der Uefa-Chef sei eben nicht bloß als Zeuge im Visier der Justiz, sondern als "etwas zwischen Zeuge und Beschuldigter", sagte Bundesanwalt Michael Lauber. Zudem schloss Lauber nicht aus, dass nach der Fifa-Zentrale auch das Hauptquartier der Uefa nach Beweisen durchsucht werden könnte. Auch die Eröffnung eines Strafverfahrens gegen Platini erscheint keineswegs unmöglich. (sid, 30.9.2015)

  • Sepp Blatter (li.) und sein potenzieller Nachfolger Michel Platini.
    foto: reuters/arnd wiegmann

    Sepp Blatter (li.) und sein potenzieller Nachfolger Michel Platini.

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