Mehr Deutschkurse, mehr Personal, mehr Geld

30. September 2015, 18:34
52 Postings

Salzburgs Vizebürgermeisterin Anja Hagenauer (SPÖ) fordert eine Integrationsstrategie

Durch den aktuellen Flüchtlingsdurchzug durch Österreich gehe total unter, "was machen wir mit denen, die da bleiben", sagt Salzburgs Vizebürgermeisterin Anja Hagenauer (SPÖ). Sie fordert: "Land und Bund müssen eine Strategie entwickeln für gelingende Integration." Es brauche einen umfassenden Maßnahmenplan mit klaren Zuständigkeiten und nicht wie bisher einen "Fleckerlteppich" an Projekten, verlangt Hagenauer. Vorderstes Ziel müsse sein, sowohl Asylwerbern als auch Asylberechtigten so schnell wie möglich Deutsch zu lernen.

Die Kursangebote müssten massiv ausgebaut werden, um die Deutschkenntnisse von Asylberechtigten auf B1- Niveau zu heben. Auch Asylwerber würden aus Sicht der Vizebürgermeisterin einen verpflichteten Deutschkurs von mindestens 15 Stunden pro Woche benötigen. Derzeit lernen sie nur zwei Stunden pro Woche Deutsch. Bei einem Syrer betrage die Verfahrensdauer noch immer vier bis sechs Monate, nennt Hagenauer ein Beispiel. "In dieser Zeit kann ich ihn schon auf A1-Niveau puschen und gleich nach der Asylzuerkennung zum AMS schicken und nicht in der Mindestsicherung parken."

22 Asylberechtigte absolvierten Deutschkurs

Die Stadt Salzburg hat 95.000 Euro in die Hand genommen, um für Asylberechtigte zusätzliche Deutschkurse auf A1 Niveau auf der Volkshochschule zu ermöglichen. Die ersten 22 Teilnehmer haben den Kurs bereits abgeschlossen und können sich sofort beim AMS melden. "Obwohl es nicht unsere Aufgabe ist", sagt Hagenauer. Eigentlich wäre der Bund für die Sprachausbildung von asylberechtigten Menschen zuständig.

Nur sei das Angebot nicht ausreichend und die Kurse zu kostspielig veranschlagt. Der Österreichische Integrationsfonds (ÖIF) etwa biete im gesamten Bundesland Salzburg 440 neue Deutschkursplätze an. Und würde pro Niveaustufe mit Kosten in der Höhe von 700 Euro pro Person rechnen. Der Stadt koste ein Platz 190 Euro. "Wir können also viermal mehr Personen um das Geld durchbringen", sagt Hagenauer.

Mehr Personal in der Grundversorgung

Gleichzeitig fordert die Salzburger Sozialstadträtin mehr Personal für eine schnellere Abwicklung der Asylverfahren. "Die Menschen warten noch immer Jahre bis ihr Status geklärt wird. Das Innenministerium hat noch immer nicht mehr Personal eingestellt", kritisiert Hagenauer. Mehr Arbeitsplätze im Sozialbereich sollten auch in der Grundversorgung geschaffen werden. Derzeit betreut eine Person 170 Asylwerber in der Grundversorgung. Der Betreuungsschlüssel müsste zumindest auf 85 Personen halbiert werden, fordert die Salzburger Vizebürgermeisterin.

"Integrationsministerium muss aufwachen"

"Das Integrationsministerium muss endlich aus der selbstverschriebenen Schockstarre aufwachen, auf teure Kampagnen verzichten und endlich konkrete Projekte mit den Kommunen umsetzten", sagt Hagenauer. Über die zusätzlichen Kosten für die Kommunen durch Integrationsmaßnahmen müsse auch in den Finanzausgleichsverhandlungen gesprochen werden. "Wir fordern vom Bund für das Jahr 2016 eine Million Euro um konkrete Maßnahmen umsetzten zu können."

"Krise fehlender Integrationsstrukturen"

Auch die Plattform für Menschenrechte kritisiert, dass der Bereich der Integration in Salzburg "chronisch unterdotiert" sei. Die Plattform fordert eine massive Aufstockung des Integrationsbudgets des Landes, das sich im Jahr 2015 auf 250.000 Euro belief. Ohne zusätzliche Maßnahmen drohe eine "Krise fehlender Integrationsstrukturen", sobald Menschen in großer Zahl aus der Grundversorgung fallen. Neben zusätzlichen Deutschkursen und Hilfe bei der Anerkennung von Bildungsabschlüssen, brauche es auch Beratung über Chancen am Arbeitsmarkt.

Zudem fordert die Plattform, dass nicht nur Konventionsflüchtlinge, sondern auch sogenannte Subsidiär Schutzberechtigte in Notlagern Zugang zur Mindestsicherung erhalten sollen. Dies ist in allen anderen Bundesländern mit Ausnahme Salzburgs und des Burgenlandes bereits der Fall. (Stefanie Ruep, 01.10.2015)

  • Salzburgs Vizebürgermeisterin Anja Hagenauer überreicht einem Asylberichtigten sein Deutschkurs-Zeugnis.
    foto: stadt salzburg/killer

    Salzburgs Vizebürgermeisterin Anja Hagenauer überreicht einem Asylberichtigten sein Deutschkurs-Zeugnis.

Share if you care.