Die Diesel-Falle

4. Oktober 2015, 16:51
43 Postings

In den USA versucht man, die ungeliebten Heizöl-Pkws über technische Reglements fernzuhalten

Es gibt in den USA eine breite Übereinstimmung, dass Dieselmotoren im Pkw nicht sinnvoll seien. Und zwar aus einer ganz einfachen Milchmädchenrechnung der Mineralölindustrie heraus: Diesel wird benötigt für den Schwerverkehr – Lkw, Eisenbahn, Schiff. Da bei der Destillation in der Raffinerie in einem bestimmten Verhältnis zum Diesel aber auch Benzin entsteht, muss auch Benzin verbraucht werden, wenn Diesel verbraucht wird. Wenn Pkws nun vermehrt mit Diesel fahren, bleibt Benzin übrig.

Diese Situation haben wir schon in Europa. Europäische Raffinerien verschiffen fertiges Benzin in die USA, wo aufgrund des niedrigen Erdölpreises immer noch sehr viel davon verbraucht wird. Diese kaufmännische Balance ist sehr fragil. Aus dieser Sicht ist es also brandgefährlich, sich ausgerechnet mit Diesel einen Wettbewerbsvorteil auf dem US-Markt erkämpfen zu wollen.

Umweltschutz als Hebel

Da die USA Erfinder und unbändige Verfechter des freien Warenverkehrs sind, können sie natürlich nicht die Einfuhr oder den Bau von Dieselautos unterbinden. So versucht man eben, die ungeliebten Heizöl-Pkws über technische Reglements fernzuhalten, und das schon seit Jahrzehnten erfolgreich.

Der Umweltschutz ist ein sehr guter Hebel. Der Dieselmotor ist seitens der Rußpartikel und der Stickoxide schwierig zu bändigen. Die Grenzwerte dafür sind in den USA besonders niedrig. Und der Ehrgeiz deutscher Autohersteller, wieder einmal das technisch schier Unmögliche zu schaffen, ist besonders ausgeprägt. In diesem Zusammenhang ist Volkswagen nun offenbar in eine Falle gegangen. (Rudolf Skarics, 4.10.2015)

  • Wenn Pkws vermehrt mit Diesel fahren, bleibt Benzin übrig.
    foto: apa/hans klaus techt

    Wenn Pkws vermehrt mit Diesel fahren, bleibt Benzin übrig.

Share if you care.