Warum ein Buch über Fliegen auf Amazon 23 Millionen Dollar kostet

30. September 2015, 15:58
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Automatische Preisalgorithmen können schnell für Chaos sorgen – so auch im Fall eines Sachbuches

Amazon-Zwischenhändler verlassen sich zusehends auf Computerberechnungen, um den Preis für ihr Angebot festzulegen. Diese sind allerdings fehleranfällig: Algorithmen führten beispielsweise vergangenen Dezember dazu, dass hunderte Händler Waren um einen britischen Penny anboten. Die Verkäufer hatten eingestellt, sich gegenseitig minimal zu unterbieten, ohne eine Untergrenze festzulegen. Jetzt ist einem Biologie-Professor auf der UC Berkeley in Kalifornien ein gegenteiliges Beispiel aufgefallen.

Preiskampf zwischen zwei Anbietern

Michael Eisen berichtet auf seinem Blog von einem 23 Millionen Dollar teuren Sachbuch über Fliegen. Einer seiner Studenten hatte vorgeschlagen, "The Making of a Fly: The Genetics of Animal Design" für das Labor nachzubestellen. Als sie daraufhin bei Amazon nach dem Buch suchten, sahen sie, dass zwei Anbieter das Buch um 1,7 Millionen respektive 2,2 Millionen Dollar verkauften. Eisen begann daraufhin, die Preisentwicklung zu beobachten. Über die nächsten Stunden steigerte sich der Betrag immer weiter, bis der Verkäufer schließlich 23 Millionen Dollar dafür verlangte.

Buch wohl nicht selbst besessen

Eisen begann, das Verhalten der zwei Verkäufer zu studieren. Relativ bald wurde klar, dass ein Verkäufer den rund 1,2-fachen Preis des anderen verlangte. Laut Eisen könnte das daran liegen, dass der zweite Verkäufer das Buch gar nicht selbst besaß, sondern hier schon die Kosten für den Erwerb als Mittelsmann einberechnete. Warum sich die Händler gegenseitig auf den Wert von 23 Millionen Dollar hochschaukelten, ist hingegen nicht ganz klar. Vermutlich wurden hier Kundenwünsche und Verfügbarkeit des Sachbuchs algorithmisch berechnet – und ein absoluter Mangel an Exemplaren festgestellt.

Extreme Beträge

Der Fall zeigt jedenfalls, dass automatische Preiserzeugung ohne menschliche Übersicht zu extremen Beträgen führen kann. Der Autor, der von Eisen kontaktiert wurde, freut sich jedenfalls: So teuer wurde auf Amazon wohl noch kein Buch angeboten. Mittlerweile ist das Preisniveau übrigens wieder auf normalen Wert gesunken. (fsc, 30.9.2015)

  • Der Preis des Sachbuchs schaukelte sich immer weiter hoch
    foto: michael eisen

    Der Preis des Sachbuchs schaukelte sich immer weiter hoch

  • Amazon setzt – wie seine Zwischenhändler – auf Algorithmen
    foto: reuters/galbraith

    Amazon setzt – wie seine Zwischenhändler – auf Algorithmen

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