EU-Kommission will Neustart für Verbriefungen

30. September 2015, 13:48
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EU-Kommissar Hill: Breitere Möglichkeit an Finanzierungsquellen für Unternehmen führt zu mehr Optionen bei Investitionen

Brüssel – Die EU-Kommission drängt nach der Bankenunion auf eine Kapitalmarktunion zur Vervollständigung des Binnenmarktes. Dabei setzt die Brüsseler Behörde auch auf einen Neustart des Verbriefungssektors, der aber robuster als vor der Wirtschaftskrise sein müsse. Verbriefen heißt: Einen oder mehrere Kredite zu einem Wertpapier machen, das dann weiterverkauft wird.

Auch der grenzüberschreitende Kapitalfluss soll gestärkt werden. Allein mit Verbriefungen, die nur die Hälfte des Vorkrisen-Umfangs erreichen, könnten 100 Mrd. Euro erlöst werden, davon 20 Mrd. Euro für Klein- und Mittelunternehmen (KMU). Der Vizepräsident der EU-Kommission für Wettbewerb, Investitionen, Arbeitsplätze und Wachstum, Jyrki Katainen, erklärte, das Wichtigste sei die Beseitigung von Hindernissen bei Investitionen. Er habe immer wieder gehört, dass Versicherer darum kämpfen, in Infrastrukturprojekte investieren zu können. Er hoffe, dass nun die richtigen Anreize für gesunde Investitionen geschaffen werden.

Barrieren niederschlagen

Der EU-Kommissar für Finanzstabilität und Kapitalmarktunion, Jonathan Hill, sagte, er wolle der europäischen Wirtschaft helfen, vor allem den KMU, eine breitere Möglichkeit an Finanzierungsquellen zu haben. Damit könnten KMU auch mehr Optionen zu Investitionen ihres Geldes haben. Er wolle Barrieren niederschlagen und den freien Kapitalmarktfluss innerhalb der 28 EU-Staaten erleichtern.

Laut Europäischer Investitionsbank EIB braucht die EU bis zu 2.000 Mrd. Euro an Investitionen in die Infrastruktur bis 2020. Die EIB verweist darauf, dass mittelgroße Unternehmen in den USA fünfmal mehr Finanzausstattung und Mittelfinanzierung von den Kapitalmärkten hätten als in der EU. Ein Risikokapitalmarkt ähnlich wie in den USA hätte für die EU allein in den vergangenen fünf Jahren zusätzliche 90 Mrd. Euro liefern können.

Alternative Finanzierungsformen

Um dem Ziel der EU-Kommission, mehr Arbeitsplätze und Wachstum zu schaffen und die Investitionen deutlich zu erhöhen, näherzukommen, sollen als alternative Finanzierungsquellen für Unternehmen ergänzend zu Banken, Verbriefungen und Risikokapital auch die Bereiche Crowdfunding (Einsammeln von Investorengeldern) sowie eine bessere Vermögensverwaltung kommen. Letztere werde in weiten Teilen der Welt häufiger genutzt und sollte vor allem für KMU und Start-ups genutzt werden, die Schwierigkeiten haben, Mittel aufzubringen.

Die Kommission plant auch Änderungen der Emissionsprospekt-Richtlinie bis Jahresende, um Kapitalaufstockungen leichter und billiger für KMU zu machen. Darüber hinaus hat die Brüsseler Behörde zwei Konsultationen über Risikokapitalfonds und forderungsbesicherte Anleihen (gedeckte Schuldverschreibungen) gestartet. Schließlich müsse es auch zu einer besseren Regulierung kommen, sodass es keine Überschneidungen unterschiedlicher Gesetze geben könne.

Österreich im Mittelfeld

Die Aktienmarktkapitalisierung weist innerhalb der 28 EU-Staaten eine Bandbreite von vier4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (Lettland) bis zu 125 Prozent (Luxemburg) auf. Österreich liegt laut Daten von 2012 mit 38 Prozent gemeinsam mit Polen im Mittelfeld.

Hinter Luxemburg rangieren Großbritannien (121 Prozent des BIP), Schweden (112 Prozent), Niederlande (98 Prozent), Finnland (84 Prozent), Frankreich (81 Prozent), Spanien (79 Prozent), Irland (75 Prozent), Belgien und Dänemark (je 71 Prozent), Deutschland (51 Prozent), Malta (45 Prozent), ÖSTERREICH und Polen (je 38 Prozent), Griechenland (33 Prozent), Italien und Portugal (je 31 Prozent), Slowenien, Tschechien und Ungarn (je 15 Prozent), Bulgarien und Rumänien (je 13 Prozent), Estland (zehn Prozent), Zypern (neun Prozent), Litauen (acht Prozent), Slowakei (sechs Prozent) und Lettland (vier Prozent).

Das Volumen des Verbriefungsmarktes lag 2014 bei 216 Mrd. Euro in der EU. Das ist um 42 Prozent weniger als vor der Finanz- und Wirtschaftskrise. Von 2001 bis 2008 lag der Betrag bei 374 Mrd. Euro. Allerdings war die Ausfallrate von zweitklassigen Verbriefungen in den USA mit 62 Prozent während der Wirtschaftskreise um ein Vielfaches höher als in der EU mit nur 0,2 Prozent. (APA, 30.9.2015)

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