Steirischer Diskriminierungsbericht: So viele Fälle wie noch nie

30. September 2015, 13:48
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Häufigster Grund "ethnische Herkunft" – Herabminderung aus Altersgründen im Zunehmen

Graz – Der am Mittwoch in Graz präsentierte steirische Diskriminierungsbericht verzeichnete 2014 so viele Fälle wie nie: 609 Anfragen beziehungsweise Fälle wurden registriert (2013: 565), der Großteil in Graz und Umgebung. Häufigster Grund ist "ethnische Herkunft" mit 41 Prozent, gefolgt von Religion (11,5 Prozent). Eine Steigerung wurde bei Diskriminierung aufgrund des Alters (Anteil 10,15 Prozent) verzeichnet.

Großteil der 609 Beschwerden berechtigt

Diskriminierung hat laut der Antidiskriminierungsstelle Steiermark viele Gesichter: Dies reiche von einem alten Menschen, dem der Überziehungsrahmen durch die Bank auf null gestellt werde bis zu Rassismus von "Kollegen" gegenüber einem aus Afrika gebürtigen Taxifahrer bis zu einem schwulen Paar, dem ein Taxler die Fahrt verweigerte. Von den 609 Fällen erwiesen sich die meisten Beschwerden als berechtigt, in 532 Fällen wurde auch interveniert, sagte die Leiterin der Stelle, Daniela Grabovac. Dies seien allerdings nur die gemeldeten Fälle. Man müsse leider sagen, dass man die bekannten Fälle wohl "multiplizieren" müsse, so Grabovac.

Erfreulicherweise habe sich die Zahl jener Menschen um 14 Prozent erhöht, die bei Diskriminierungen spontan einschritten, sagte Grabovac: "Das zeugt von Zivilcourage". Hemmungslose verbale Herabsetzung von Menschen geschehe vor allem im öffentlichen Raum und über Online-Medien. Die "Zielgruppe" seien Migranten, Flüchtlinge, Muslime. "Es wurde ein Posting an uns gemeldet: 'Die Asylanten sollen verrecken, ihr Flüchtlinge, verschwindet aus unserem Land, sonst steinigen wir euch." In so einem Fall trete man an den Betreiber der Site oder des Forums heran. Dabei gehe es um strafrechtliche Aspekte und die Löschung des Eintrags.

Diskriminierungsopfer wegen um den Kopf gewickeltem Schal

Treffen könne Herabminderung jeden – Grabovac schilderte einen Fall einer Frau, die sich wegen der Kälte einen Schal um den Kopf gewickelt hatte. Ein Auto hielt neben ihr, der Fahrer habe ihr gesagt, sie solle zurück in die Türkei gehen. "Rücksichtnahme ist ein Gebot für unsere Gesellschaft, denn spätestens wenn wir alt sind, werden wir potenziell Opfer von Diskriminierung", so Grabovac. Erfolge die Diskriminierung aus religiösen Gründen, so seien vor allem Muslime, aber auch Zeugen Jehovas und Menschen betroffen, die keiner Religionsgemeinschaften angehören.

Soziallandesrätin Doris Kampus (SPÖ) sagte, die Zivilgesellschaft sei gefordert: "Das Verbindende ist vor das Trennende zu stellen". Diskriminierung geschehe aufgrund von Alter, in Bezug auf etwa Job und Kreditvergabe, aber auch junge Menschen könnten z. B. nicht in den Wohnungsmarkt eintreten, weil man ihnen die Finanzierung nicht zutraue. Eine ungerechte Behandlung verhindere immer Integration, egal in welchem Bereich. Kampus: "Die Politik muss jenen Menschen Mut machen, die Diskriminierung erleben, sich das nicht gefallen zu lassen".

Bildungs- und Integrationsstadtrat Kurt Hohensinner (ÖVP) sagte, 65 Prozent der Fälle seien in Graz passiert. "Wir brauchen Bewusstseinsbildung, damit es gar nicht erst dazu kommt. Viele Fälle passieren auf der Straße, in Ämtern und Schulen." In Grazer Kindergärten arbeite man mit Integrationsassistentinnen, die selbst meist Migrationshintergrund hätten. Bei der Schulsozialarbeit wurden die Mittel verstärkt. Laut Hohensinner sei der Sportbereich sehr zentral, man müsse sensibel mit muslimischen Kindern vorgehen, etwa beim Schwimm- und Turnunterricht, und mit den Eltern arbeiten. Sprachbarrieren im Gesundheitsbereich versuche man etwa mittels Videodolmetsch zu räumen. (APA, 30.9.2015)

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