Unterwasservulkane dürften Megabeben verhindert haben

30. September 2015, 13:05
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Chile-Beben: Forscher vermuten, dass kilometerhohe Vulkankegel Spannung zwischen zwei Erdplatten verringern

Kiel – Chile gehört zu den am stärksten von Erdbeben gefährdeten Ländern der Erde, wie das Kieler GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung anlässlich einer aktuellen Studie berichtet. Vor der chilenischen Küste schiebt sich die ozeanische Nazca-Platte unter die Südamerikanische Platte. Dabei entstehen Spannungen, die sich früher oder später in Erdstößen entladen.

Die Ruhezone

Allerdings gibt es eine eigentümliche Ruhezone: "Im Norden Chiles erstreckt sich eine etwa 550 Kilometer lange Zone, in der es seit einem starken Erdbeben im Jahr 1877 zu keiner größeren Katastrophe mehr gekommen ist", erklärt Studienerstautor Jacob Geersen aus Kiel. Diese Zone gilt aus Gründen der Wahrscheinlichkeit als Kandidat für ein Megabeben bis zur Stärke 9,0.

Als Ende März bis Anfang April diesen Jahres eine Reihe von Erdstößen die Region rund um die nordchilenische Stadt Iquique erschütterte, dachte man daher, das befürchtete Megabeben sei nun gekommen. Doch das Beben kam nicht über eine Magnitude von 8,1 hinaus und blieb auch in seiner Ausdehnung begrenzt – es betraf nur den mittleren Abschnitt besagter Ruhezone.

Schützende Berge

Auf der Suche nach der Ursache für das vergleichsweise geringe Ausmaß des Bebens sahen sich Geersen und sein Team auch topografische Daten des Meeresbodens vor Nordchile an. "Dabei zeigte sich, dass der Meeresboden auf der Nazca-Platte in der betroffenen Region nicht eben ist, sondern dass dort zahlreiche, teilweise mehrere tausend Meter hohe erloschene Vulkankegel stehen", sagt Coautor César R. Ranero aus Barcelona.

Diese Unterwasserberge bzw. Seamounts werden zusammen mit der Nazca-Platte unter die Südamerikanische Platte geschoben und verformen diese. Die bei dieser Deformierung entstandenen Störungen sorgen dafür, dass sich weniger Spannung aufbauen kann, vermuten die Forscher. "Außerdem haben die Seamounts die räumliche Ausbreitung des Bruchs, der bei dem Iquique-Beben entstand, wahrscheinlich aufgehalten", so Geersen.

Die Gefahr eines Megabebens in der Region ist laut dem Kieler Forscher damit zwar noch nicht komplett gebannt. Ein Teil der aufgestauten Spannung habe sich aufgrund des Iquique-Bebens schon abgebaut – es sei aber immer noch das Potenzial für ein Beben mit einer Magnitude größer als 8,5 vorhanden. (red, 30. 9. 2015)

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